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Grenzüberquerung in 2 Tagen: Von Villa O'Higgins nach El Chaltén

Gletscher-Tour - gigantische EisbergeDas wirkliche Ende der Carretera Austral - hier geht es nur mit dem Boot weiterVon O'Higgins nach Candelario MansillaVon O'Higgins nach Candelario MansillaVon O'Higgins nach Candelario MansillaIn Candelario MansillaGletscher-TourGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-Tour - das Eis für unseren Whiskey wird gefischtGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-Tour - gigantische EisbergeGletscher-TourGletscherGletscherWhiskey mit Gletscher-EisGletscherGletscherGletscherGletscher - da ist ein Stück abgebrochenGletscherGletscher voraus!!!GletscherGletscherAnkunft in Candelario MansillaCandelario MansillaCandelario Mansilla - das einzige HausCandelario MansillaCandelario Mansilla - Kuschel-TimeCandelario MansillaCandelario MansillaCandelario Mansilla :-/Candelario Mansilla - die (morgens) eisig kalte KücheCandelario Mansilla - Da braucht man schon mal 7 Decken!Grenzüberquerung zu FußGrenzüberquerung zu Fuß - Polizeistation ChileGrenzüberquerung zu FußGrenzüberquerung zu FußGrenzüberquerung zu Fuß - erster Blick auf den Fitz RoyGrenzüberquerung zu Fuß - erster Blick auf den Fitz RoyGrenzüberquerung zu Fuß - noch in ChileGrenzüberquerung zu Fuß - Wiedersehen mit AlbertoGrenzüberquerung zu FußGrenzüberquerung zu FußGrenzüberquerung zu FußLago Desierto! Hier geht es mit dem Boot weiterAm Lago DesiertoAm Lago DesiertoAm Lago DesiertoAm Lago Desierto - Fitz Roy verschwindet in WolkenAm Lago Desierto - erst Schnee, dann HagelAm Lago DesiertoAm Lago Desierto auf dem Boot

Als der Wecker um 6:30 Uhr klingelt und der Regen nicht stärker vom Himmel strömen könnte, sinkt die Laune etwas. Die Überfahrt per Boot ist kein günstiges Unterfangen, mal davon abgesehen, dass sie bei zu schlechtem Wetter gar nicht erst stattfindet. Deshalb hatten wir sehr auf gutes Wetter gehofft. Doch - wie könnte es auch anders sein - kaum sind wir mit dem Frühstück fertig, hört der Regen auf und in der Ferne können wir sogar etwas blauen Himmel durchblitzen sehen. Wir sind wirklich sehr dankbar dafür! 

Zunächst geht es um 8Uhr mit dem Bus zum 7km entfernten "Hafen", dem kompletten Ende der Carretera Austral. Hier endet die Straße einfach und es gibt nur noch Wasser und Berge. 

Die nächsten Schritte haben wir (auch für andere Reisende) etwas ausführlicher dargestellt, da wir selbst nur sehr wenig online darüber gefunden haben und auch nicht über alle Möglichkeiten aufgeklärt wurden.

- Mit dem Boot geht es nach Candelario Mansilla, einer Bucht mit genau einer Farm, in der man campen, aber auch in Privatzimmern nächtigen kann (wir haben zuvor über WhatsApp reserviert, es waren aber auch noch Zimmer frei). Für Übernachtung inkl. Abendessen haben wir 25€ pro Person bezahlt. Für weitere 5€ hätte man auch frühstücken können. Die Bootsfahrt selbst wird von 2 Unternehmen angeboten, Robinson Crusoe sowie Las Ruedas. Überall hört man nur von Robinson, selbst in der Touri-Info wird einem erst verschwiegen, dass es noch einen anderen Anbieter gibt. Wir haben deshalb bewusst über Las Ruedas gebucht, ein wesentlich kleineres, doppelt so schnelles Boot, was sogar etwas günstiger ist (40€ statt 45€ pro Person). Die Überfahrt dauert 1,5h und es kann an bestimmten Tagen noch eine Gletschertour dazu gebucht werden (weitere 50€ pro Person, aber sehr lohnenswert!)

- Von Candelario Mansilla aus geht es in 22km zu Fuß / mit dem Rad weiter, über die Grenze, bis zum argentinischen See "Lago del Desierto". Die Farm-Familie bietet auch einen Transport per 4x4 (das einzige Auto auf dem Festland) der ersten 16km bis zur Grenze an, die restlichen 6km auf argentinischer Seite können nicht per Auto befahren werden. Das Gepäck kann jedoch per Pferd transportiert werden. 

- Am See gibt es erneut ein Boot, welches in 45 Min den See überquert. Der ganze Spaß kostet weitere 40€ pro Person, das Boot fährt um 17.30Uhr ab. Was uns vorher keiner gesagt hat: Es gibt auch einen 12km langen Pfad entlang des Sees, der soll allerdings schwierig sein, da viel auf und ab. Das Boot kann aber somit umgangen werden.

- Am anderen Ufer des Sees angekommen, steht ein Bus parat, der in 2 Stunden die 45 sehr schlagloch-reichen Kilometer bis nach El Chaltén hoppelt (Hinweis: Es gibt sowohl direkt am Hafen einen für 700 Pesos (18€) oder am 300m entfernten Campingplatz für 600 Pesos (15€). Die Abfahrtzeit richtet sich nach der Ankunft des Bootes, in unserem Fall ist der Bus um 18.30Uhr abgefahren und gegen 20:30Uhr in El Chaltén angekommen. Wichtiger Hinweis: Im Januar / Februar UNBEDINGT vorher ein Zimmer buchen und nicht den selben Fehler machen wie wir!


So, jetzt aber zurück zur Abfahrt des ersten Bootes. Dieses gleicht eher einem kleinen Speedboot für max. 16 Personen. Doch bevor wir an Bord gehen dürfen, warten wir noch auf einen fehlenden Passagier: Alfredo! Der ca. 70-jährige Argentinier radelt seit einem Jahr durchs Land und ist ein bisschen spät dran. Doch durch seine nette und lustige Art ist ihm die Verspätung gleich verziehen. Das Gepäck und Räder werden verstaut und es kann losgehen! In ca. 1,5h geht es vorbei an schneebedeckten Bergen, Felsen, dem langsamen, schiefen Robinson Boot in Richtung Candelario Mansilla. Die Wellen sind teilweise gar nicht so klein und Jan bekommt eine ordentliche Ladung Wasser ab, als er zur falschen Zeit am falschen Fleck steht. Aber bei dem (eisigen) Wind ist das auch schnell wieder trocken ;-) Die letzten 15 Minuten schaukeln wir schon ordentlich dahin, doch die Seekrankheit bricht zum Glück bei niemandem aus. In Candelario Mansilla angekommen legen wir kurz an, denn nicht alle machen die Fahrt zum Gletscher. Wir steigen kurz aus, bekommen Tee, Kaffee und Kekse und dann geht es auch schon wieder weiter. Bei inzwischen blauen Himmel und Sonne springen wir mit und über die Wellen zum Gletscher Bernado O'Higgins. Doch noch weit vor dem Gletscher treffen wir auf gigantisch große, leuchtblaue Eisberge, die auf dem See treiben. Wir tun es ihnen gleich und treiben lautlos um sie herum. Schon beeindruckend, diese meterhohen Brocken! Beim Blick vorne aus dem Bootsfenster mit Sicht auf Eis klingt leise Celine Dion's "My Heart Will Go On" durch unsere Köpfe, verabschiedet sich aber wieder als der Co-Kapitän mit einem großen Kescher daherkommt. Nein, es gibt keinen Fisch zu Mittag... er fischt damit einen großen Brocken Eis heraus, den wir später in unseren (laut Ankündigung "sehr guten") Whiskey bekommen werden! Da das Eis nicht ganz so flink ist wie so mancher Fisch hat er schnell Erfolg und wir fahren weiter in Richtung Gletscher. Und der ist wirklich unbeschreiblich. Riesengroß und wunderschön. Schaut euch am besten die Fotos an, auch wenn die Größe sicher nicht rüber kommt. Wir treiben eine ganze Weile vor dem Gletscher und bestaunen seine Schönheit. Wie so oft wird uns wieder mal bewusst, wie klein und unbedeutend wir Menschen doch sind. 

Wir bekommen unseren Whiskey mit Gletscher-Eis serviert (naaaja, der Blick auf die Flasche verrät: Jack Daniels! Ein ganz ein guter Tropfen! Sogar eine Honig-Variante! Nichts für den Whiskey-Genießer, doch so schmeckt er Lisa zumindest :) ) Plötzlich hören wir tosende Geräusche und sehen gerade noch, wie ein Stück Gletscher abbricht und ins Wasser stürzt. Es sieht eigentlich gar nicht so riesig aus, doch die ausgelösten Wellen zeigen uns, wie riesig dieses Stück gewesen sein muss. Eine Weile schaukeln wir heftig und das lag sicherlich nicht am Whiskey! Wir sind uns sicher, dass das Herunterbrechen eines größeren Stücks sicherlich das Boot zum Umkippen bringen könnte. Wir bekommen noch Besuch von einem Polizeiboot (was ihre Mission ist, wissen wir allerdings nicht) und dann geht es wieder zurück. Der extra Ausflug war mit insg. 100€ zu zweit zwar kein Schnäppchen, aber hat sich für uns absolut gelohnt! 

In Candelario Mansilla beziehen wir unser (viel zu kaltes) Zimmer und bereiten uns für die morgige Wanderung vor. Wir versuchen ein bisschen auszumisten um Gewicht zu reduzieren, was aber nicht so wirklich gelingt. Am Abend werden wir dann von der netten Besitzerin sehr gut bekocht und speisen gemeinsam mit einem französischen, älteren Pärchen in der (viel zu warmen) Küche. Da es hier außer dem Hof wirklich NICHTS gibt, kommen wir nicht ums Fleisch herum, genießen das warme Essen aber trotzdem sehr. Die Temperaturen liegen hier bei schlechtem Wetter bei vielleicht 7 Grad (zur Erinnerung: Hier ist gerade Sommer). Wir unterhalten uns nett, aber sehr mühselig mit den Franzosen, denn Fremdsprachen sind (wie die Dame sogar selbst zugibt) einfach nicht ihr Stärke ;-)

Es geht früh ins Bett und mit den (ungelogen) 7 Decken frieren wir in der Nacht auch nicht. Das Atmen fällt unter gefühlt 10kg Decken zwar auch etwas schwerer, aber Hauptsache es ist warm :-) Erst am nächsten Morgen, als wir dann um 6.30Uhr aus unserem Deckenberg heraus schlüpfen müssen, wird es etwas frisch und so nehmen wir unser Frühstück dick eingemummelt ein. Doch sobald der Feuerofen angeschmissen wird, steigt die Temperatur.

Pünktlich um 8Uhr marschieren wir dann los. Noch schnell die Gitarre an den Rucksack geschnürt und los geht die 22km Wanderung mitsamt Gepäck. Wie viel Kilo wir tragen, können wir schwer sagen, wir tippen bei Beginn (ink. Essen und Wasser) auf ca. 22kg bei Jan und ca. 16kg bei Lisa. Nach dem ersten Kilometer erreichen wir schon die chilenische Grenzstation (die wirkliche Grenze kommt erst bei KM 16), in der uns die Polizei einen Stempel mitgibt. Die folgenden 15km laufen wir eine Schotterstraße mit herrlichen Blicken auf den Lago O'Higgins sowie durch wunderschöne Wälder. Auch das Wetter ist mal wieder auf unserer Seite! Nach den ersten ca. 8km (die meiste Zeit Steigung) treffen wir auf Alfredo, der hier gecampt hat, da sein Fahrrad eine verbogene Achse hat und er hier nicht weiterkommt. Wir teilen Käsebrot und bekommen im Tausch Mate, bis die Frau von der Farm mit ihrem Auto vorbeikommt (sie transportiert das Gepäck der Franzosen) und ihn mitsamt Fahrrad aufgabelt. Nach weiteren 5km eröffnet sich uns der erste Blick auf unseren neuen Lieblingsberg: Fitz Roy. So eine Kordillere haben wir noch nie gesehen! Nach insg. 16km erreichen wir dann die Grenze. Doch mehr als 1 Schild zur Begrüßung gibt es hier nicht! Die letzten 6km verlaufen auf einem schmalen Pfad durch den Wald, also nicht mehr per Auto zu befahren. Wir kommen erstaunlich schnell voran und müssen weniger Pausen machen als gedacht. So erreichen wir dann um 15Uhr, nach 7 Stunden, den Lago del Desierto mit der argentinischen Grenzstation. Auch hier bekommen wir ohne Fragen oder jegliche Kontrolle unseren Stempel und können endlich unsere Rucksäcke abnehmen. Das Boot fährt erst um 17.30Uhr, d.h. wir haben genug Zeit am Ufer bei Sonnenschein zu kochen. Doch als das Essen gerade fertig ist, zieht es schlagartig zu und fängt an zu schneien!! Wir suchen Unterschlupf in einem Holzschuppen und zwiebeln und erst mal ein paar Klamotten mehr an. Der Schnee wechselt schnell in Hagel und der Wind pfeift durch die Schlitze. Zusammen mit dem französischen Paar sowie einem schwedisch-irischen Pärchen vertreiben wir uns die Zeit und holen uns Tipps für El Chaltén ab. Unser Freund Fitz Roy hat sich inzwischen auch verabschiedet und taucht erst wieder auf, als wir das Boot besteigen. In 45 Min geht es etwas durchgefroren auf die andere Seite des Sees und in den Bus. Das 2 Stunden Bus-Gehoppel genießen wir in Wärme und auch sitzen tut richtig gut! Um 20.30Uhr erreichen wir dann El Chaltén und sind etwas schockiert über die vielen Touristen, die wir hier in den Straßen vorfinden. Wir wussten ja, dass dieser Ort ein Wander-Paradies ist und hier im Januar/Februar viel los sein wird. Doch dass es so viele sein werden, hätten wir doch nicht gedacht. Einziger Vorteil: Es gibt sehr viele, richtig gut aussehende Restaurants, Cafés, Bars. Von ein paar haben wir schon mehrfach gehört und freuen uns auf endlich mal wieder besseres Essen! Da die Orte entlang der Carretera Austral von Norden nach Süden mit frischem Gemüse & Co. versorgt werden, wurde hier die Qualität von Ort zu Ort schlechter. 
Doch jetzt gilt es erst einmal noch schnell eine Unterkunft zu finden (zumindest mal für die erste Nacht), bevor wir verdient schlemmen können. Vorgebucht haben wir nicht, da das Boot ja sehr wetterabhängig ist und in Candelario Mansilla gab es weder Internet noch Empfang. Außerdem haben wir in letzter Zeit nie mehr gebucht, sondern haben einfach direkt angefragt. Doch wie sich herausstellt, war das ein großer Fehler. In über 2 Stunden laufen wir das KOMPLETTE Dorf ab, jede Hintergasse und fragen bei bestimmt 40-50 verschiedensten Unterkünften an. Ob Hostel, Hospedaje, Cabaña, selbst bei Luxushotels fragen wir aus Verzweiflung nach. Aber immer die selbe Antwort: "Estamos completo / We are full". Einzig und allein eine Frau eines Hostels (ebenfalls voll) erzählt von einem privaten Zimmer im Haus ihres Bruders (?) oder so. Wir freuen uns schon, doch es stellt sich heraus dass es dort derzeit kein Wasser gibt. Somit würde Duschen und WC-Gänge flachfallen, was erst mal keine Option ist. Erst als wir ewig weitersuchen und nicht fündig werden, müssen wir doch auf dieses Angebot zurück kommen. Alternativ hätten wir uns vielleicht noch ein Zelt und Schlafsäcke mieten können und auf einen Campingplatz gehen, doch da es inzwischen schon 22.30Uhr ist, hätten die Verleihe sicher auch schon geschlossen. Völlig am Ende (da wir ja auch bei der Suche unser ganzes Gepäck rumtragen) gehen wir also zurück zum Angebot mit dem Privatzimmer ohne Wasser. Es stellt sich allerdings heraus, dass ganze Teile des Dorfes gerade ohne Wasser sind und die Leitungen schon repariert werden. Nun gut, uns bleibt ohnehin nichts anderes übrig. Wir werden im Auto ans Haus gebracht und eine nette Familie mit kleinem Mädchen öffnet uns die Tür. Sie sind wirklich sehr offen und zeigen uns gleich das Zimmer im Obergeschoss, das Bad nutzen wir gemeinsam mit der Familie, auch Küche können wir nutzen. Wir sind super erleichtert, bringen unser Gepäck ins Zimmer und müssen aber auch gleich wieder los, denn anscheinend gibt es in den meisten Restaurants nur bis 23Uhr zu essen und wir sind am verhungern! Glücklicherweise finden wir gleich das richtige und fallen erschöpft auf die Stühle. Nie im Leben hätten wir gedacht, dass es hier KEIN EINZIGES Zimmer mehr gibt. Wir fragen uns, ob wir jetzt wohl die letzten Touristen (ohne Zelt) für heute waren, die auf Zimmersuche waren. Oder laufen in den Straßen noch immer andere verzweifelte Reisende herum? Wir wissen es nicht. Wir sind nur überglücklich einen Schlafplatz gefunden zu haben. Als wir zurück kommen, gibt es sogar wieder Wasser! Das Duschen verschieben wir trotzdem auf den nächsten Morgen, denn wir möchten jetzt nur noch liegen und uns nicht mehr bewegen!

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