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Melbourne - meine Premiere auf australischem Boden

Veröffentlicht: 20.04.2017

Am 29. März war es also soweit und ich kehrte Neuseeland vorübergehend den Rücken. Am späten Abend hob mein Flieger pünktlich in Christchurch ab und ließ mich nach einem knapp vierstündigen Flug, den ich unter anderem mit dem neusten Ice-Age-Film verbrachte, kurz vor Mitternacht in Melbourne landen. Dort hatte ja ein paar Tage zuvor die neue Formel-1-Saison begonnen. Einige werden sich jetzt vielleicht fragen, warum ich dann nicht dort war, aber erstens sind die Ticketpreise astronomisch und zweitens war die Stadt an dem Wochenende wahrscheinlich komplett mit Touristen überlaufen. Da war es mir dann doch lieber, die laut offiziellen Studien lebenswerteste Stadt der Welt in Ruhe unter der Woche zu erkunden. Nach einer langen Nacht am Flughafen – ich hatte keine Lust, mitten in der Nacht durch die Stadt zu fahren und für ein paar Stunden im Hostel so viel Geld auszugeben – ging es dann ausgerüstet mit meinem Gepäck und einer langen Liste an Empfehlungen, die ich, wie schon erwähnt, von George sowie von Denise, die ja in der Weihnachtszeit mit mir im Stray-Bus unterwegs gewesen war und vorher längere Zeit als Au Pair in Melbourne gelebt hatte, eingeholt hatte. Am frühen Morgen betrat ich dann zum ersten Mal offiziell australischen Boden und checkte sogleich im Hostel ein. Da ich mein Zimmer noch nicht so früh beziehen konnte, blieb ich zunächst ein bisschen in der Lounge und begab mich zunächst auf eine erste Erkundungstour durch das CBD (Stadtzentrum) sowie zum Yarra River und dem Center of Arts, das auf den ersten Blick ein bisschen wie der Eiffelturm aussieht 😉 Anschließend aß ich zu Mittag ein vegetarisches indisches “All you can eat” auf Anraten meines Ex-Couchsurfers Philipp (danke, hat lecker geschmeckt 😋) und schloss mich nach dem Check-In im Hostel einer offiziell kostenlosen Sightseeing-Tour – am Ende gibt man dem Guide in der Regel einen selbst gewählten Betrag – an, die vor der State Library losging und mich unter anderem zum Gefängnis, zum House of Parliament, nach Chinatown, in die Hosier Lane, eine enge Gasse, die dafür berühmt ist, dass sie von oben bis unten auf beiden Seiten voll mit StreetArt (nicht zu verwechseln mit Graffiti) ist. Viele Motive waren richtig beeindruckend, da riesig und unglaublich detailgetreu 😮 Zu Ende ging die Tour dann am Center of Arts, von dem aus man auch eine schöne Aussicht auf die Skyline sowie den Yarra River hat. Es war mittlerweile schon früher Abend geworden und ich hatte seit über 32 Stunden nicht geschlafen. Trotzdem fühlte ich mich weiterhin sehr wach und frisch, sodass ich voller Vorfreude den Weg zum Melbourne Cricket Ground einschlug, dem zehntgrößten Stadion der Welt mit knapp über 100.000 Sitzplätzen, das aufgrund seiner kreisrunden Form auch als australisches Kolosseum bezeichnet wird. Dort fand nämlich am Abend ein großes Stadtderby zwischen den Richmond Tigers und den Collingwood Magpies statt, dessen Besuch George mir sehr ans Herz gelegt hatte. Und es sollte sich tatsächlich auf ganzer Linie lohnen. Die Sportart, von der ich hier spreche, ist aber nicht Rugby und auch nicht Fußball – es ist eine Mischung aus beiden, der australische Nationalsport Australian Football. Der Spielball ist mit dem vom Rugby identisch, das Passspiel kann mit Kicks oder Würfen vollzogen werden. Man darf aber auch nach vorne werfen. Gespielt wird mit 15 Feldspielern, die den Ball zwischen vier Pfosten befördern müssen, welche sich an zwei gegenüberliegenden Enden des runden Spielfeldes befinden. Ein Kick zwischen die beiden Mittelpfosten wird mit fünf Punkten belohnt, berührt man einen Pfosten oder kickt zwischen einen äußeren und einen inneren Pfosten, gibt es wenigstens einen Punkt. Es gibt mehrere Schiedsrichter, die übrigens auch die Einwürfe ausführen, sowie fliegende Wechsel. Vor den Toren ist ein Halbkreis eingezeichnet. Wenn ein Spieler in dieser Zone einen Pass fängt und kontrolliert, darf er von dieser Position aus unbedrängt volley auf das Tor schießen. In Sachen Tackling sind die Regeln sehr ähnlich wie im Rugby. Gespielt wird 4x20 Minuten reine Spielzeit. Bei Unterbrechungen wird also sofort die Zeit angehalten. Die Saison war noch sehr jung und diese Partie eröffnete den 2. Spieltag. Wie auch immer, zum Spiel kamen dann knapp 60.000 und gerade in meinem Block (4. Etage direkt hinter einem Tor) war die Stimmung toll. Es wurde gejubelt, gehadert, gebuht und angefeuert, was das Zeug hielt – auch wenn es, anders als in der Fußball-Bundesliga, nicht wirklich Fangesänge zu hören gab. Die meisten Zuschauer In dem Block waren Tigers-Fans, es saßen aber auch mehrere Magpies-Anhänger um mich herum. Das Spiel wogte lange Zeit hin und her und zur Pause lagen die Tigers zurück. Im 3. Viertel deutete schon einiges auf eine Heimniederlage hin, doch dann folgte eine blitzartige Aufholjagd und in nicht einmal zehn Minuten konnten die Gastgeber einen 15-Punkte Rückstand in einen Vorsprung umwandeln. Das ist das gute an der Sportart – es gibt kaum Mittelfeldgeplänkel, sondern ständig Action in den Torzonen und damit auch viele Punkte zu bejubeln. Die Spielgeschwindigkeit ist definitiv höher als im Fußball. Erst in der Schlussphase konnten sich die Tigers dann Stück für Stück absetzen, sodass das Spiel nach etwa 75 Minuten entschieden war. Trotzdem zeigten die Gäste Moral und versuchten bis zum Schluss, noch weiter zu punkten. Nach dem Spiel gab es dann in der Zone zwischen Eingang und Tribüne in der 1. Etage noch einige Feierlichkeiten der heimischen Fans zu hören, die jetzt auch einige Gesänge und Vereinslieder anstimmten. Das kam etwas unerwartet, war aber ein toller Abschluss, dem ich gerne für ein paar Minuten zuhörte. Auf dem Rückweg gab es natürlich überall um mich herum Fans in gelb-schwarzen Trikots zu sehen, gerade die Bahnhöfe quollen fast über. Es war inzwischen schon fast 23:00, sodass ich auf geradem Wege zum Hostel ging und auch sofort einschlief 😴


Am nächsten Tag hatte ich einen Ausflug zu den Stränden in den Stadtteilen Brighton und St. Kilda eingeplant. Morgens ging es also mit dem Zug in Richtung Brighton Beach, wo ich dann nach einer kurzen Wanderung am Ozean entlang schon bald die bunten Strandhäuser entdeckte, die das Wahrzeichen dieses Strandes sind. In allen möglichen Farben und auch mit verschiedenen Motiven stehen sie alle hübsch der Reihe nach angeordnet ein paar Meter vom Meer entfernt. Zum Schwimmen war es an dem Tag entschieden zu kalt, trotzdem waren dort etliche Touristen zu sehen, die die Häuschen sehen wollten. Von Brighton aus ging es dann mit dem Bus nach St. Kilda. An diesem sehr langen Strand gibt es nicht nur viele Restaurants und Imbissbuden, sondern auch schöne Aussichten auf den Ozean sowie Palmen und einen Vergnügungspark, den Luna Park. Leider ist dieser nur am Wochenende geöffnet, sodass ich ihn nur von außen sehen konnte. Stattdessen entschied ich mich für eine kleine Wanderung durch den Albert Park, in dem sich neben einem großen See, einem Leichtathletikstadion und etlichen Grünanlagen auch die Formel-1-Strecke befindet, die aber, wenn dort gerade kein Rennen stattfindet, eine ganz normale Straße mit lackierten Bordsteinen (auch Kerbs genannt) und Tribünen ist 😆 Jedenfalls war es schon ganz witzig, einfach so über die Strecke und vor allem über die Zielgerade an der Boxengasse zu gehen, während um einen herum Autos in beide Richtungen fahren 😃 Der Park ist übrigens, was die Natur angeht, sehr schön. Auf den Grundflächen gibt es mehrere Football- und Fußballfelder und im See kann man Boot fahren. Von dort aus fuhr ich dann mit dem Bus wieder zurück in Richtung Stadt, weil ich noch einen ganz wichtigen Punkt abzuarbeiten hatte: auf das Eureka Skydeck zu fahren und die Stadt aus der 88. Etage zu sehen. Zeitlich hat es perfekt gepasst, weil ich so die Stadt noch für ein paar Minuten im Hellen sehen konnte, dann von einem Logenplatz aus den Sonnenuntergang verfolgen und schließlich Melbourne bei Nacht bewundern durfte. Leider war auch einigen anderen bekannt, dass dies die beste Zeit ist, um auf den Turm zu fahren, denn es war schon sehr, sehr gut gefüllt dort oben ;) Nichtsdestotrotz hatte ich natürlich einen super Blick und es war schon beeindruckend, diese Großstadt, die mit 4,25 Millionen fast so viele Einwohner hat wie Neuseeland, einmal von ganz weit oben zu sehen 👌🌆 Anschließend drehte ich noch eine Runde durch das angrenzende Viertel Southbank. Dort ist abends immer was los. Es gibt Schausteller und zu dieser Zeit auch jede Menge Essensstände, da im März und April das Food and Wine Festival in Melbourne stattfindet. Auf dem Rückweg zum Hostel machte ich noch einen Abstecher ins griechische Viertel – auf der ganzen Welt leben nur in Athen und Thessaloniki mehr Griechen – aß in Chinatown zu Abend und ging kurz danach schlafen.


Der dritte Tag in Melbourne war auch schon wieder mein letzter, allerdings hatte ich auch bis zum späten Abend Zeit für weitere Erkundungen. Zunächst machte ich mich auf den Weg zum Shrine of Remembrance, einer Gedenkstätte für Kriegsgefallene, die aber eher aussieht wie ein antiker Tempel. Auf dem Weg dorthin kam ich noch an einigen Grünanlagen vorbei, sodass die Zeit bis zum Mittag sehr schnell verging. Anschließend ging es in die Degraves Street, eine gut versteckte Gasse, in der es aber jede Menge kleine Restaurants und schöne Cafes gibt. Nach einer kleinen Zwischenmahlzeit in einem dieser Cafes ging es weiter mit einem Besuch der Royal Botanical Gardens. In Melbourne gibt es etliche Parks und Gärten, was der Stadt bei mir viele Sympathien eingebracht hat. Jedenfalls war es schön, durch diese riesige Gartenanlage zu schlendern und ganz verschiedene Gewächse aus allen möglichen Ecken dieser Welt zu betrachten. Danach wollte ich eigentlich ins National Sports Museum, das im MCG liegt, aber leider geschlossen war, da im MCG mal wieder ein Football-Spiel lief. Somit wurde auch nichts aus der Staidonführung, mit der ich geliebäugelt hatte. Stattdessen nutzte ich die verbliebene Zeit, um kurz durch die State Library zu gehen, einen kleinen Teil der Carlton Gardens zu sehen – der Hauptteil ist zurzeit für eine Art Landesgartenschau reserviert – einen Blick auf das italienische Viertel zu werfen und dann den Abend am Yarra River ausklingen zu lassen. Dort gab es unter anderem eine Art französische Kirmes mit einigen Spezialitäten, die ich bis dahin noch nicht gekannt hatte. Im Anschluss ging es nochmal nach Southbank, wo ich mir eine Schausteller-Show ansah und bei Livemusik die letzten Stunden in Melbourne genoss. Gegen 22:00 ging es langsam Richtung Hostel, bevor ich mein Gepäck abholte und von der Flinders Station mit Zug und Bus zum Flughafen fuhr.

Im nächsten Bericht beschreibe ich meine Erlebnisse in Sydney. Ich hoffe, ihr lest auch diesen Bericht mit Interesse, wenn es soweit ist 😊

Bis dann 👋

Euer Max

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