Veröffentlicht: 01.04.2019















































Puh! Nach über 29 Stunden landen wir endlich in Kuala Lumpur. Zwar waren wir insgesamt nur knapp 12 Stunden in der Luft, doch das lange Warten in Melbourne und der wenige Schlaf fordern ihren Tribut. Als wir aus der Arrival Hall stolpern werden wir schon freudestrahlend von einem Taxifahrer abgefangen, der uns zu unserem Hotel bringen möchte. Viel Lust, uns um ein anderes Verkehrsmittel zu bemühen haben wir nicht mehr. Hauptsache, wir kommen schnell in ein Bett.
Der quirlige und für diese Uhrzeit viel zu fitte Taxifahrer entpuppt sich als liebenswerter Fremdenführer, der uns auf der knapp 1-stündigen Autofahrt zum Hotel alle Tipps und Tricks und Essensempfehlungen nennt, die ihm gerade einfallen. Er hat sogar einen selbstgebastelten Katalog mit Kuala Lumpurs bekanntesten Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten im Auto. David, wie er sich nennt, ist schon hier in KL - so nennen die Einheimischen ihre Stadt - geboren. Ein echter Junge aus der Stadt und stolz darauf. Er schwärmt von der kulturellen Vernetzung malaiischer, indischer und chinesischer Einflüsse, die nicht nur das kulinarische Angebot ungemein erweitern. Auch architektonisch hätte seine Stadt da viel zu bieten. Kirchen, Moscheen, indische und chinesische Tempel stünden dicht an dicht neben modernen Wolkenkratzern. Die Stadt wächst rasant, obwohl schon mehr als 1,5 Millionen Menschen im direkten Ballungsraum leben. In der Metropolregion sind es sogar über 8 Millionen. Damit ist Kuala Lumpur mit Abstand die größte Stadt Malaysias. David sprudelt nur so über vor Informationen und zeigt uns geschmeidig bei voller Fahrt auf dem Highway das ein oder andere Handyfoto - auf jeweils zwei Handys - von anderen Kunden, die allesamt sehr zufrieden mit ihm waren. So früh am Morgen, immerhin ist es hier erst 4 Uhr, sind die Straßen zumindest noch leer und außerhalb von Deutschland scheint das Handy am Steuer beinah dazu zu gehören. Der Schlafmangel tut sein übriges und wir sind einfach ungeheuer dankbar, endlich am Hotel anzukommen. Das obligatorische Handyfoto mit David ("I make a Selfie so I can find you next time!") machen wir trotzdem. Schließlich sollen sich andere Touristen dann auch unsere Gesichter anschauen dürfen, während sie hoffen, heil am Ziel anzukommen. Der geschäftstüchtige David hat sich übrigens schon angeboten uns in zwei Tagen ("Too short time in Malaysia! Too short!") wieder einzusammeln und zurück zum Flughafen zu bringen. Easy! Wir können schon früher einchecken und ergattern sogar noch das Frühstück für heute. Davor können wir aber noch gut 4 Stunden schlafen.
Das Frühstück ist schon ein erster Vorgeschmack auf Asien. Zwar bietet das Buffet auch Toast und Waffeln mit Marmelade, sowie Obst, Eier und Bacon, doch der Großteil der angebotenen Speisen würde bei uns eher als Mittagessen durch gehen. Da wir ohnehin Jetlag-gebeutelt sind und es in Neuseeland ja schon lange Mittag ist, probieren wir uns durch die herzhaften Gerichte. Es gibt Nasi Lemak, eine Art Reisporridge, das man mit Nüssen, getrocknetem Fisch und scharf eingelegtem Gemüse toppen kann, einen sehr scharfen Reisenudeleintopf, gebratenen Reis und kleine, herzhafte Pfannkuchen mit Zwiebeln. Da wir ohnehin nicht die süßesten Frühstücker sind, weiten wir diese Mahlzeit kurzerhand zum Brunch aus.
So vielversprechend gestartet stürzen wir uns direkt in die Sightseeing-Tour. Von David haben wir den Tipp erhalten, die Straßenbahnen zu nutzen, nur eine Station zu bezahlen und in der Bahn einmal bis zur Endstation zu fahren, dann wieder zurückzufahren und bei der bezahlten Station auszusteigen. So bekommt man einen guten ersten Eindruck und in der Bahn kontrolliert keiner die Fahrkarten. Es gibt schließlich auch keine. Ein kleiner Chip reicht hier vollkommen aus. Vor dem Einsteigen legt man diesen an den Drehkreuzen auf, welche daraufhin aufschwingen. Beim Aussteigen wird der kleine Chip dann einfach beim Drehkreuz wieder eingeworfen. Um die Ecke von unserem Hotel liegt schon der Eingang zur Monorail Linie. Wir zahlen also statt der insgesamt 8 Stationen bis zur Endhaltestelle nur 3, setzen uns in den Wagon und lassen uns auf Schienen oberhalb der Straßen durch die Stadt fahren. Dabei sehen wir tatsächlich alles, von dem David so geschwärmt hatte. Zwischen riesigen, glasverkleideten Hochhäusern stehen kleine, bunte Tempel, die Minarette der Moscheen ragen aus dem Getümmel kleinerer Bauten und in der Ferne können wir die Skyline der Innenstadt erkennen.
An der Endstation bleiben wir einfach sitzen, die Bahn dreht um und fährt uns wieder zurück. In der Nähe des Central Markets steigen wir aus und machen uns zu Fuß auf den Weg. Unsere erste Station ist China Town, wo wir allerlei Krimskrams und ganz viele hochwertige Markentaschen und Klamotten zu sehr kleinen Preisen bewundern. Wie machen die das nur?!?
Nach der Tour ist Laura um einen Fächer reicher, denn es ist heiß! Und schwül. Schon jetzt freuen wir uns auf die abendliche Dusche, dabei sind wir gerade erst in den Tag gestartet.
Wir wollen heute noch hoch hinaus und so geht es in Richtung des 421 Meter hohen Menara Kuala Lumpur, auchKL Tower genannt. Dieser ist der höchste Fernsehturm des Landes und der siebthöchste Fernsehturm der Welt. Er lockt mit einer Aussichtsplattform in knapp 300 Metern Höhe, von der aus man auch wunderbar auf die berühmten Petronas Twin Towers, dem Wahrzeichen Kuala Lumpurs schauen kann. Der Fußmarsch dorthin ist auch nicht zu verachten, denn der Turm liegt inmitten einer kleinen Parkanlage, wo wir über Hängebrücken durch einen kleinen botanischen Garten und Dschungel wandern können und eine Familie Affen beobachten. Die Tiere gehören zum Stadtbild Kuala Lumpurs dazu. Wir haben schon viel über ganze Affen-Gangs gelesen, die systematisch Straßenstände ausrauben. Auch soll man als Kamera- oder Brillenbesitzer immer etwas zum Tauschen dabei haben. Uns gegenüber sind sie zumindest eher desinteressiert und lassen sich wunderbar porträtieren.
In Kuala Lumpur heißt es immer auch "sehen und gesehen werden". Die Straßen sind voll von Menschen mit Selfiestangen, Instagram-tauglichen Outifts und Shoppingbags. Hier kauft ein, wer kann. Gefühlt gibt es hier mehr Malls, noble Boutiquen und Einkaufsstraßen mit hippen und bis spät in die Nacht geöffneten Läden als in allen Städten in denen wir bisher waren zusammen. Und so eine Mall mit heiß ersehnter Klimaanlage lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Auf dem Weg zum KLCC, der riesigen Mall unter den Petronas Towers, schlendern wir noch durch die mit bunten Lichterketten und Lampions geschmückte Bintang Straße. Hier ist vor allem abends unheimlich viel los und die kleinen Geschäfte haben oft bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Am Kopf der Straße erwartet uns das Pavillon Kuala Lumpur, eine der bekanntesten Malls der Stadt. Auf knapp 130.000m² Verkaufsfläche bieten 550 Geschäfte und Restaurants alles an, was das mehr oder weniger gut betuchte Käuferherz begehrt. Natürlich sind hier alle möglichen hochpreisigen Marken vertreten, aber je höher man kommt, desto erschwinglicher wird es hier auch.
Da es langsam dunkel wird, laufen wir nun schnurstracks zu den Petronas Towern. Diese vom gleichnamigen Mineralölkonzern erbauten Zwillingstürme sind mit 452 Metern noch ein gutes Stück höher als der KL Tower und waren bis 1998 das höchste Gebäude der Welt (mittlerweile liegen die Türme auf Platz 16!). Bis es völlig dunkel ist, schauen wir uns auch hier noch die gigantische, 135.000m² große Suria KLCC Mall zu Füßen der markanten Twin Towers an. Wahnsinn, wie viel Konsum hier aus jeder Fliese schreit. Die Böden sind aus Marmor, alles ist sauber, schick und beleuchtet. Es blinkt und glänzt und duftet nach Raumparfüms. Ein krasser Kontrast zu draußen, nicht nur temperaturtechnisch.
Erschöpft machen wir uns auf den Nachhauseweg. Die vielen Hochhäuser mit ihrem Stahl und Beton verwirren nur leider unser Navi und es dauert länger als geplant.
Am nächsten Morgen wollen wir frisch, erholt und noch sehr gut gelaunt zu den Batu Caves, einem Höhlensystem unweit der Stadt. In die Höhlen ist eine der größten hinduistischen Tempelanlagen Malysias gebaut worden. Hin kommt man sehr kostengünstig und entspannt mit dem Zug. Der Bahnhof ist nur 800m vom Hotel entfernt, wir sind ja gut zu Fuß. So weit der Plan. Leider ist Kuala Lumpur aber außerhalb der Innenstadt wenig bis gar nicht fußgängerfreundlich. So stolpern wir über den unbefestigten Straßenrand und kurz vor dem eigentlichen Ziel ist dann Schluss. Ein Bauzaun versperrt uns den direkten Weg und über die vielbefahrene Straße wollen wir dann doch nicht laufen. Da wir aber noch genügend Zeit haben, wollen wir einfach um die Baustelle herum gehen. Sollte ja nicht so schwer sein...sagen wir es einmal so, gut eine Stunde, zahlreiche Sackgassen und eine hitzige Diskussion später stehen wir am Bahnhof. Übellaunig und nassgeschwitzt und die Bahn fährt vor unserer Nase weg. Immerhin müssen wir nur eine dreiviertel Stunde auf die nächste warten und im Bahnhof können wir ein wenig auskühlen. Die Bahn ist dann sogar pünktlich und nach einer 20 minütigen Fahrt steigen wir aus dem Zug und folgen dem Strom der Touristen zu den Tempeln.
Die Batu Caves sind ein Höhlensystem, welches sich vor gut 400 Millionen Jahren in den Kalksteinfelsen unweit der heutigen Hauptstadt Malaysias gebildet hat. Natürlich waren die Höhlen bei der einheimischen Bevölkerung dieser Gegend nie ein Geheimnis, aber erst der amerikanische Zoologe William Hornaday verhalf den Höhlen Ende des 19. Jahrhunderts zu Berühmtheit. Ein indischer Händler fasste dann den Entschluss, in diesen Naturhöhlen hinduistische Tempel bauen zu lassen und 1890 begannen die Bauarbeiten. Der größte Tempel ist dem Gott Murugan gewidmet. 272 steinerne Treppenstufen führen zu diesem Haupttempel in der mit 100m Höhe größten der Kalksteinhöhlen. Bewacht wird diese Treppe von einer 42 Meter hohen Statue des Gottes, die 2006 eingeweiht wurde.
Am nächsten Morgen wartet David dann schon um 3 Uhr morgens in unserem Foyer. Natürlich will er wissen, was wir alles gesehen und auch gegessen haben. Seine beiden Tipps Nasi Lemak und Satay-Spieße haben wir gefunden und probiert. Leider haben wir nirgends die von David empfohlene indisch angehauchte Spezialität Roti Canai finden können. David nimmt sich kurzerhand des Problems an und schleust uns am Flughafen angekommen am Check-In Schalter kurzerhand an allen anderen wartenden Flugreisenden vorbei, so dass wir unser Gepäck ohne langes Anstehen aufgeben können. Anschließend führt er uns hektisch zum Food Court im Untergeschoss, da wo die Einheimischen hin gehen ("Hier ist es viel günstiger!"). Und hier futtern wir uns durch all die indisch-malaiischen Brote mit ihren verschiedenen Soßen. Der Teig wird erst lang und dünn gezogen und dann gefaltet und gebraten. Für den tollen Turm, ein Servietten-Brot, wird der Teig so lange dünner gezogen, bis er beinah durchsichtig wird und dann wird er knusprig ausgebacken und mit Zucker bestreut. Gedippt wird alles in scharfe, würzige Soßen oder Kokosnussmilch. Ein wirklich tolles erstes Frühstück für heute (um 4 Uhr in der Nacht).
Dann geht es auf nach Vietnam. In wenigen Stunden treffen wir da Lauras Schwester und werden dann gemeinsam Hanoi und Nordvietnam erkunden.
