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Fahrtest in der Wüste bei Erg Chebbi

Veröffentlicht: 15.01.2024

Wenn man in Marokko ist, dann kommen von Freunden gleich die Fragen, ob man nicht seinen Allrad im Sand testen möchte....

Ja, das haben wir nun umgesetzt, denn ich war sehr neugierig, es kommt in Nordeuropa selten vor, dass man mit dem Auto in die Dünen hineinfahren kann.

Also haben wir eine Tour um Erg Chebbi gebucht, unser Gastgeber Hassan war dann zugleich unser Tourguide. Wir sind mit Sandblechen aus Plastik und einem Kompressor zum Aufpusten der Reifen aufgebrochen, denn Wüsten und Sandpisten bedeuten für Anfänger wie Christian und mich, dass wir bestimmt Fehler machen.

 Zuerst ging es in die Oase selbst, wo Hassan uns erklärt hat, dass jede Familie hier in Merzouga und den anliegenden Dörfern hier ein Stück Land hat, alle 12 Tage bekommen sie über ein ausgeklügeltes Kanalsystem Wasser, ungefähr für 12 Stunden, damit sie ihr eigenes Gemüse anbauen können. Tomaten und andere Sorten, die  viel Wasser brauchen, kommen aus Agadir, sie werden hier nicht angebaut. Daneben war der Brunnen, aus dem die Familien ihr Wasser für den Tag oder, wenn sie mit Handwagen oder Eseln unterwegs sind, für die Woche holen, die Quelle gilt als sehr rein, da das Wasser durch Sand laufen muss und so einen natürlichen Filter hat.

Dann ging es wirklich in die Wüste, zuerst über eine normale Fahrpiste, dann kam der Härtetest, zuerst wurde Luft aus den Reifen abgelassen, dann kam die Instruktion, dass man im 2. Gang mit durchgängig Gas fahren soll. BITTE HÖRT HIER AUF DAS BAUCHGEFÜHL, denn ein Toyota oder Mitsubishi Jeep hat eine andere Übersetzung! Ihr kennt Eure Autos besser als euer Guide...

Die ersten Kilometer Sandpiste waren magisch, ich habe dann die Assistenz Systeme abgeschaltet, denn sie irritieren, wenn das ABS anspringt oder das ESP meint, dass hier Eis und Schnee liegen. Generell ist es im Sand wie in matschigem Schnee zu fahren, es macht irre Spaß! Grundsätzlich zur Düne hinauf Gas geben, am Kamm eher langsamer werden, denn du weißt nicht, was hinter dem Sandbuckel steckt.

Ich bin dann im Sand festgesteckt, als ich die Fahrrinne von Hassan nicht schnell genug genommen habe, HIER WÄRE DER ERSTE GANG BESSER GEWESEN! Allerdings kann ich nicht sagen, ob wir wegen ungenügender Bodenfreiheit nicht so oder so aufgeschwommen wären, denn das ist wirklich wie im Schnee, wenn die Bodenfreiheit nicht da ist, kann es teilweise problematisch werden.

Wenn man steckt, muss man die Reifen freischaufeln, dann bitte rückwärts wegfahren und geschoben werden, wenn man Grip auf den Blechen hat, denn vorwärts kommt man meist nur wieder in das gleiche Dilemma. 

Christian ist dann mit weniger Sandpiste zu den Berberzelten gefahren, die inzwischen aus mehreren Zelten bestehen, denn seit die Grenze zu Algerien dauerhaft geschlossen ist, können sie eben nicht mehr ihr Leben als Nomaden bestreiten, sondern sind nun zur Sesshaftigkeit mehr oder weniger gezwungen. Die Dromedare sorgen für Essen und Unterhalt, die Tiere laufen frei und gelten als Altersversorgung im finanziellen Sinn, denn sie bringen einen guten Preis. Die Regierung sorgt zusätzlich für Essen in Form von Ziegen, und Schulbildung bei den Berberkindern, es kommt ein Bus für die Sammelschule, die Männer arbeiten als Tourguides oder im Bergwerk, während die Frauen dann beim Zelt aufpassen, weben, Brot backen, kochen und eben die kleinen Kinder um sich haben. Trotzdem ist das Leben hier sehr einfach, die Kleinkinder rennen einem Auto für Süßigkeiten hinterher, jeder Stopp zieht sofort jemand an, der versucht seine selbst gemachten Waren zu verkaufen.

Wir haben an einem Brunnen angehalten, um dann die wandernden Dromedare wässern, es war erstaunlich wie laut die Tiere schlürfen können und wie majestätisch sie aus der Nähe sind! Die Brunnen sind aktuell nicht voll, denn der letzte ergiebige Regen war laut Hassan 2017....

Zwischendurch haben wir an einem Palmenhain eine Runde mit unseren zwei Schwarzen gedreht, die vom Geschaukel über die Sandpisten und Fahrpisten mit Wellen nicht so begeistert waren. Im Sand fühlen sie sich nur wohl, wenn es Bäume in der Nähe gibt, bisher hatten sie hier echt Glück!

Wir sind für eine Pause zum Essen an das andere Ende der Dünen gefahren, dort war die algerische Grenze dann in Sichtweite, ein Zaun samt Mauer im alten Flussbett sorgt dafür, dass kein Durchgangsverkehr stattfinden kann, die Überwachung der Algerier ist oben auf dem Plateau, es gibt natürlich auch marokkanische Grenzposten, die Ausschau halten, doch wir sind von alle dem im Sicherheitsabstand geblieben. Hassan hat uns zu einer schönen Düne davon weg geführt, wo wir dann ein Wüstenpicknick veranstaltet haben. Es gab traditionell Baguette mit Thunfisch und Käse, dazu noch Obst und grünen Tee, den Hassan stilecht auf dem Feuer mit verdorrten Zweigen von Sträuchern gekocht hat. Es war eine tolle Brotzeit, wir alle haben etwas beisgesteuert, sei es der Stuhl, oder eben etwas zum Picknick und uns auch mit Abdul ein wenig unterhalten, der eben als Hassans Helfer dabei war.

Ich war froh, dass Hassan und sofort allen Müll eingesammelt hat, denn die Wüste verliert nichts, oft sehen wir bei unseren Spaziergängen mit den Schwarzen auch Thunfischdosen oder Getränkedosen, die teilweise neu aussehen, zum Teil sind sie auch schon alt und verrostet.

Nach dem Picknick ging es dann zum Fossilien ansehen und eventuell selbst klopfen, Hassan musste dabei ein wenig auf unsere Bodenfreiheit Rücksicht nehmen und ist dann selbst an einer tiefen Sandwehe gescheitert. ABER dank einer anderen Übersetzung konnte er mit seinen Stollenreifen alleine aus dem tückischen Sand heraus, er meinte, dass ich da schon durchkomme. LEIDER NICHT! Wieder sind wir aufgeschwommen, denn der Reifendruck war wegen der Steinwüste zwischendurch auch wieder gefüllt worden, es hat wieder geknirscht und wups, Stillstand!

Also wieder die Sandbleche aus Plastik heraus, inklusive unserer eigenen Bleche, dann rückwärts, und dann den Weg daneben nehmen, wo der Sand nicht so tief ist. Ab da war es dann leicht, ich bin notfalls in den ersten Gang gewechselt, der mir bei dem Sandbad aber nichts geholfen hätte!  

Wir haben die Fossilien gesehen, ein paar mitgenommen, aber nicht wirklich welche herausgehämmert, denn Christian und ich haben genügend Steine mit Resten gefunden. Hassan hat uns dann noch was "gepflanzt", damit wir auch ja was Schönes finden....

Die Heimfahrt war wieder mit Sand, aber nun hatte ich meine Methode und bin zwar noch ein wenig geschwommen, aber nicht mehr in den tiefen Sand gefahren, sondern habe mir notfalls eigene Wege gesucht. 

FAZIT: Allrad heißt bei Labrabulli eben dynamischer Allrad, der ist nicht permanent eingeschaltet, aber es war trotzdem gigantisch! Ich hatte meinen Spaß, Christian, dem ich das geschenkt habe, hatte endlich mal keine Hand an einem Griff, sondern konnte lenken und Spaß haben, auch wenn es sehr geschaukelt hat.... ICH FAND ES SPITZE.

(Ich bin mir bewusst, dass dies auch Umwelt verpestet und ich Feinstaub in die Luft gepustet habe, umweltschonend war es nicht, sorry, mea culpa!)





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