Schule, Schule, Schule
Hallo meine Lieben, die letzte Woche verging recht schnell. Montag in der Schule war es eher langweilig, weil ich wie die meiste Zeit nichts zu tun hatte. Aber Dienstag war dann...

Veröffentlicht: 09.03.2018
Diese Woche war mit vielen Hochs und Tiefs sehr sehr aufregend für mich.
Montag Abend habe ich nach einem erneut sehr langweiligen Arbeitstag ein langes Gespräch mit Mama geführt. Es ging darum, wie unglücklich ich in meinem Projekt bin und wie lange ich noch dort bleiben soll. Auch wenn ich selbst wusste, dass mir meine Zeit hier viel zu schade ist, um sie in einem Projekt abzusitzen, in dem ich nicht gebraucht werde wollte ich es eigentlich noch mindestens bis zu den Ferien (16,3) „aushalten“. Meine liebste Mami hat mir aber zum Glück die Augen geöffnet und so haben wir zusammen entschieden, dass ich mich so schnell wie möglich von dem Projekt befreien soll 😊
So bin ich morgens mit einem mulmigen Gefühl in das Taxi zur Arbeit gestiegen und mich psychisch auf das Gespräch mit dem Direktor vorbereitet. Ich war sehr sehr nervös und hatte mir fest vorgenommen nicht die Fassung zu verlieren. Aber ihr kennt mich ja, das hat natürlich nicht so gut geklappt 😉 kaum hatte ich meinen Mund geöffnet fing ich an zu schluchzen und zu weinen. Ich habe ihm ehrlich gesagt, dass ich mich nicht wohlfühle, dass ich nicht das Gefühl habe, den Lehrern oder Schülern helfen zu können, dass ich mich überflüssig fühle und mit der Gebärdensprache nicht weiter komme. Entgegen meinen Erwartungen war der Direktor sehr verständnisvoll und hat gesagt, dass er weiß, dass die Arbeit mit gehörlosen Kindern nicht einfach ist und er meine Entscheidung verstehen kann. Als ich mich wieder halbwegs beruhigt hatte ist der Direktor gemeinsam mit mir zu einer zweiten Lehrerin gegangen, die die letzten Wochen für mich zuständig war. Erneut habe ich die Fassung verloren aber auch ihr tränenüberströmt erklärt, warum ich gehen werde. Sie war sehr überrascht und sagte, ich hätte das doch so gut gemacht und jeder bräuchte Zeit, um Gebärdensprache zu lernen.. aber meine Entscheidung stand fest. So bin ich mit einem Gefühl von Stolz und Befreiung nach Hause gefahren und wusste, dass ich den ersten wichtigen Schritt geschafft hatte. Doch nun musste ich das noch Lena und ihrer Mutter erklären, die im Moment für zwei Wochen zu Besuch ist.
Auch wenn natürlich dieses Gespräch nicht ohne Tränen stattfand verlief es sehr sehr gut. Petra, Lenas Mama, war sehr verständnisvoll und sagte, dass weinende, unglückliche Volontäre das letzte sind, was sie möchte. Und so haben wir gemeinsam an einer Ablösung für mich gesucht. Ich werde nun die nächsten Woche in unterschiedliche sowohl neue als auch alte Projekte reinschnuppern und dann entscheiden, wo ich am besten hingehen werde. Ich bin mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gegangen und freue mich sehr auf die nächsten Wochen. Ich bin richtig richtig stolz auf mich, dass ich diesen Schritt nach sieben Wochen endlich gegangen bin und ich weiß, dass ich daran gewachsen bin 😊
Nachmittags bin ich dann in die Stadt gefahren und habe alles gekauft, um einen Kuchen für die Kinder und Lehrer zu backen. Ich wollte mich ja schließlich noch von den restlichen Lehrern und vor allem von den Kindern verabschieden. Ist dafür nicht mein Geburtstag der perfekte Tag?
Mein Geburtstag 🎈
Der Geburtstagsmorgen verlief eher ruhig, da ich ja morgens immer die erste deutsche bin. Die lieben Mädels hatten mir allerdings einen Kuchen und ein Schild in die Küche gestellt, was total süß war. Mit den Kuchen für die Lehrer und Kinder im Gepäck habe ich mich ein letztes Mal ins Taxi gesetzt. Ich wusste schon, dass der Abschied nicht leicht werden würde, auch wenn ich die letzten Wochen nicht glücklich war. Die Kinder wachsen einem ja trotzdem ans Herz.
Zuerst musste ich meinen Abschied in der morgendlichen Lehrerbesprechung vor 30 Lehrern beichten. Auch das verlief natürlich nicht ohne in paar Tränen aber die Lehrer waren total süß, habe für mich gesungen, mir herzlichst gratuliert und mir gesagt, dass sie sehr traurig über meine Entscheidung sind. Bis zur Mittagspause bin ich noch mit meiner Klasse mitgegangen. Dann habe ich den Kuchen an sie, die Lehrer und andere Schüler verteilt, noch ein paar Fotos gemacht und mich anschließend von allen verabschiedet. Ich bin sehr sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich die letzten sieben Wochen in dieser Schule sammeln konnte. Ich hätte den Schülern gerne mehr und über längere Zeit geholfen aber ich freue mich nun sehr auf einen kleinen Neustart.
Als ich von der Schule zurück war habe ich gemeinsam mit unserer kleinen Katze einen kurzen Mittagsschlaf gemacht, da die anderen noch alle auf der Arbeit waren. Danach wurde für mich gesungen, ich habe die Kerzen ausgepustet und wir haben natürlich ein Stück gegessen.
Gegen Mittag bin ich mit Jeannie zusammen zum Sport und danach haben wir einen leckeren Kaffee zusammen getrunken und Apple Crumble gegessen (ich hatte ja bis dato erst dreimal Kuchen 😉). Da Mama, Papa, Franzi, Oma, Heike und Hans (Tante und Onkel) sich natürlich nicht den alljährlichen Erdbeerkuchen entgehen lassen wollten haben sie trotzdem alle zusammen auf mich angestoßen und per Videotelefonat für mich gesungen. Es war schön zu wissen, dass die Familie zu Hause trotz meiner Abwesenheit für mich feiert und an mich denkt. Auch wenn ich nicht bei Ihnen sein konnte habe ich mich ihnen ganz nah gefühlt 😊 Jeannie und ich sind dann noch etwas in der Stadt geblieben und haben uns abends zum gemeinsamen Essengehen mit den anderen getroffen. Es war sehr viel und sehr leckeres Essen. Im Anschluss haben zwei Mädels und drei Locals mit mir den Tag tanzend ausklingen lassen. Ich hatte einen sehr sehr schönen Tag und bin nachts um 2 Uhr glücklich ins Bett gefallen.
Am nächsten morgen stand die Eröffnungsfeier von dem Spielplatz an, der von Wadadee cares geplant und gebaut wurde. Es freut mich, dass die Kinder in Katutura nun einen sicheren Ort zum Spielen haben und nicht mehr auf der Straße spielen müssen.
Ich drücke euch ganz fest!!