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Blue Mountains und Sydney

Veröffentlicht: 08.06.2023

Unser Weg führte uns einmal durch Sydney hindurch bevor wir auf den Highway zu den Blue Mountains fuhren. Hatten wir anfangs gedacht es handele sich wieder um einen weitgehend unbewohnten Nationalpark mit holprigen Rumpelstraßen, so wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Es gibt mehrere größere Orte, die über besagten doppelspurigen Highway verbunden sind. Man merkte also, dass man nah an der größten Stadt Australiens war, aber immer noch weit genug weg, um eine wunderschöne Natur fernab vom Verkehr genießen zu können. Da wir erst nachmittags ankamen, machten wir nur eine kleine Wanderung zu den beeindruckenden Wentworth Falls, die ca. 100m in die Tiefe fallen und die wir von ganz oben bestaunen konnten. Generell gefiel uns die Weite des Nationalparks, man fühlte sich etwas wie im Grand Canyon, nur dass überall Wald um uns herum war. Mit einem sportlichen Tempo schafften wir fast alle Aussichtspunkte, manche Wege waren wegen Erdrutschgefahr gesperrt. Unser erster Campingplatz lag etwas erhöht und war ziemlich klein, wir ergatterten einen der letzten offiziellen Stellplätze. Der Ort ist scheinbar bei Kletterern sehr beliebt, lag etwas außerhalb und war deshalb ziemlich ruhig. Nachdem Chefkoch Philip ein leckeres Abendessen gekocht hatte, verkrümelten wir uns schnell in den Camper, denn durch die Höhe war es recht kalt. Wieder einmal ein Hoch auf die Wärmflasche!

Am nächsten Tag ging es für uns in Blackheath auf die erste „richtige“ Wanderung. Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir entlang der Klippen von einem schönen Aussichtspunkt zum nächsten und hatten viel Zeit zum quatschen. Nachmittags fuhren wir nach Katoomba, wo der wohl bekannteste - und am einfachsten zugänglichste, dementsprechend total überlaufene - Aussichtspunkt auf die sogenannten „Three Sisters“ liegt. Diese Felsformation besteht aus 3 nebeneinander stehenden „Schwestern“, war schön anzusehen aber jetzt kein riesen Highlight. Was uns fast besser gefiel, war wieder die extreme Weite rundherum. Außerdem kann man entlang der Felsen die „Giant Stairway“ runter- und (leider) wieder hochlaufen, eine sehr steile Treppe mit über 900 Stufen. Wir hatten nach knapp 350 Stufen Abstieg genug und kämpften uns etwas keuchend wieder hoch 😄 Nach einem letzten schönen Aussichtspunkt auf die Three Sisters - nur ein paar Kilometer weit entfernt von den großen Busparkplätzen und dadurch natürlich menschenleer - fuhren wir zum nächsten Campingplatz. Dieser lag im Tal und war etwas größer und belebter, wieder ergatterten wir den letzten freien Stellplatz. Um uns herum der Regenwald und dahinter die steilen Klippen der Blue Mountains - das war richtig schön! Das Gebirge heißt übrigens so, da man von weitem manchmal den Eindruck hat, dass die Berge blau wären. Dieser entsteht dadurch, dass das Licht aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und dem hohen Gehalt an Eukalyptusöl in der Luft anders bricht und diesen Effekt hervorruft. Haben wir nicht bis ins Detail verstanden, ist aber ein schöner Nebenfakt 😄

Am Sonntag, an unserem letzten Tag in den Blue Mountains, erlebten wir dann unseren ersten richtigen Regentag in Australien. Überall hing der Nebel zwischen den Bäumen und es war richtig nass-kalt. Aber uns alte Wandersleute hält das natürlich nicht auf, ganz nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Wir packten uns gut ein und liefen mit nur ganz leichtem Nieselregen im Nacken den „Grand Canyon Walk“. Dieser führte mehrere hundert Höhenmeter hinab ins Tal, durch den Regenwald (der seinem Namen alle Ehre machte) und wieder hinauf auf den Berg. Es war sehr schön, trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Wetters. Zurück im Van entschieden wir aber, dass das nass genug für einen Tag war und wir keine zweite Wanderung im Regen machen. Also fuhren wir Richtung Sydney, durch seinen dichten Verkehr und suchten uns einen kostenlosen Rastplatz in der Nähe des Flughafens, wo wir am nächsten Tag unseren Camper abgaben.


Nach dem Abschied von Lotte fuhren wir mit der U-Bahn in die Innenstadt und zu unserem Hostel, das wirklich ziemlich cool war und wo wir umsonst waschen konnten. Sowohl uns als auch einiges an Klamotten, was beides mehr als notwendig war 😄 Nachdem wir wieder gesellschaftsfähig rochen machten wir uns auf Erkundungstour durch die Stadt. Auf Anhieb gefiel es uns richtig richtig gut hier! Wir liefen vorbei am großen Hafen und durch den botanischen Garten, wo alles für das jährlich stattfindende „Fest der Lichter“ geschmückt war. Wir wollten natürlich unbedingt zu DEM Wahrzeichen der Stadt, berühmt aus Film und Fernsehen: Das Opernhaus! Irgendwie fühlte sich vor allem Jana ständig an den Film „Findet Nemo“ erinnert, der ja größtenteils in Sydney bzw. dessen Gewässern spielt, und eine scheinbar wichtige Kindheitserinnerung hinterlassen hat. Das Opernhaus war sowohl von Weitem als auch Nahem sehr schön und wir machten viel zu viele Fotos davon 😅 Gegen Abend begann dann das Fest, das aus verschiedenen Licht- und Klanginstallationen besteht, die über die ganze Innenstadt verteilt sind. Mannomann, das war toll! Wir waren wie im Bann und liefen stundenlang herum, blieben eine Ewigkeit vor dem angestrahlten Opernhaus stehen, auf dem verschiedene Gemälde eines berühmten australischen Künstlers zum Leben erweckt wurden und fanden die Stadt jetzt noch schöner als sowieso schon. Das Motto dieses Jahr war Natur, deren Schutz und Vielfalt. So saßen wir unter anderem in einem großen Raum, dessen Wände komplett aus Filmleinwänden bestanden. Um uns herum schwammen eine Schildkröte, große Rochen und Wale oder man sah einfach nur Bilder der wunderschönen australischen Natur. Das war alles in allem wirklich pompös und super schön! Wir vergaßen etwas die Zeit und mussten ein ganz schönes Stück laufen, bis wir noch etwas zu essen fanden - mal wieder in der Nähe von Chinatown, dort hat scheinbar in jeder Stadt alles am längsten geöffnet. Mit leckerem Thaifood to go machten wir uns auf den Heimweg.

Das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten, wir hatten nämlich eine Walbeobachtungstour gebucht. Mit einem großen Boot ging es raus aus dem Hafen von Sydney zu dem vor der Küste gelegenen „Humpback Highway“. Das klang doch vielversprechend! Wie schon in Byron Bay wandern hier aktuell die Wale aus den kalten Gewässern der Antarktis in Richtung der warmen Gewässer im Norden Australiens. Da sie kein Echolot haben, können Buckelwale nicht tief tauchen und atmen ungefähr alle 5 min an der Oberfläche. Außerdem schwimmen sie meistens nah an der schützenden Küste. So konnten wir schon nach wenigen Minuten zum ersten Mal aus dieser Nähe Buckelwale sehen! Anfangs beobachteten wir hauptsächlich ihren Atem, also die warme Luft, die wie ein kleiner Geysir in die Höhe schießt und den namensgebenden Buckel danach, wenn sie wieder abtauchten. Aber auf einmal sprang einer der größeren Exemplare fast mit dem kompletten Körper aus dem Wasser und platschte laut auf die Wasseroberfläche. Das war atemberaubend, vor allem aus solcher Nähe! Später sahen wir noch andere Buckelwale, die ganz synchron schwammen und ihre Schwanzflosse aus dem Wasser hielten. Einer von Ihnen sprang auch mit dem halben Körper aus dem Wasser. Wir waren hin und weg!

Anschließend spazierten wir noch durch eine schöne Ladengasse mit bunten Fenstern und altmodischen Fliesen am Boden, in der viele kleine Geschäfte waren, unter anderem ein Hutmacher und ein Schuhputzer. Danach setzten wir uns kurz in eine Messe in der schönen und großen St. Marys Cathedral. Nicht dass wir beide religiös wären, aber die Atmosphäre und der Klang des Kinderchors waren wirklich schön. Sobald es Abend war, gingen wieder die vielen Lichter an und wir guckten uns noch einige schöne Shows an.

Für den letzten Tag - zeitlich etwas unlogisch aber naja - hatten wir dann endlich eine Stadtführung geplant. Es war eine Free Walking Tour, bei der man am Ende entscheidet ob und wieviel man dem Guide bezahlen möchte. Die Tour führte uns an ein paar der Orte, die wir vorher schon gesehen hatten, aber wir sahen auch einige Ecken zum ersten Mal, liefen durch kleine geheime Gässchen und bekamen viele interessante Hintergrundgeschichten erzählt. So wurde Sydney ursprünglich als ausgelagertes Gefängnis für die britischen Siedler genutzt, ohne Zellen, denn man machte sich keine Sorgen, dass jemand flüchten konnte. Auf der einen Seite der Ozean und auf den anderen nur karges Buschland - also gab es keine Gitterstäbe, was so gesehen nach einem ganz angenehmen Knast klingt 😄 Trotzdem wurde ein bisschen Infrastruktur, insbesondere ein Krankenhaus, benötigt, aber die Regierung in England wollte dafür nicht viel bezahlen. Da hatte ein schlaues Köpfchen die Idee das ganze mit dem Verkauf von Rum, der unter den Gefangenen in rauen Mengen konsumiert wurde, zu finanzieren. Also bauten die Brennereien ein überdimensioniertes Krankenhaus und als Gegenleistung wurde exklusiv nur ihr Rum verkauft. Deswegen nennt man es das „Rum-Krankenhaus“, mittlerweile hauptsächlich ein Museum und Teile davon sind Sitz der Regierung von Sydney - finanziert durch Alkohol 😜 Auch interessant fanden wir, dass die Briten nur 4 Tage vor den Franzosen ankamen und Australien besetzten … sonst würde das hier wahrscheinlich ganz anders aussehen und Philip hätte deutlich mehr Schwierigkeiten sich zu verständigen. Nach der super Tour spazierten wir über die eindrucksvolle Harbour-Bridge und fuhren mit der Fähre wieder zurück, wobei wir wieder einen tollen Blick auf das Opernhaus hatten. Nachmittags machten wir noch einen kleinen Spaziergang entlang der Küste vom Bondi- zum Bronte-Strand. Abends packten wir unsere Rucksäcke, denn morgen geht es auf einen charmanten 35h-Trip von Sydney über Los Angeles und Houston nach Santiago de Chile.


Somit endet die Zeit auf unserem zweiten Kontinent. Australien hat uns sehr gut gefallen. Nicht nur die abwechslungsreiche Natur und die schönen Strände sondern vor allem die vielfältige Tierwelt hat uns begeistert. Außerdem sind die Australier ein verdammt nettes, entspanntes und lustiges Völkchen! Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, denn es gibt noch einiges mehr zu sehen. Für den Moment sind wir aber froh, etwas aus dem Kalten herauszukommen und mit Südamerika neue Eindrücke und Kulturen kennenzulernen.

Wir melden uns dann bald (vermutlich zerknittert und zerknautscht) vom anderen Ende der Welt!

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