Irmi auf Föhr
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05.06.2022 Sonntag (2. Tag)

Veröffentlicht: 05.06.2022

Der 1. Urlaubstag in Utersum

Nach einem gemütlichen Frühstück gingen "die crazy Ladies" wie wir uns jetzt nennen, als erstes  an den Strand. Er liegt fußläufig, aber wir sind mit dem Auto hingefahren, um danach unsere Insel ein wenig kennenzulernen. 

Der Weg führte nur über eine Düne und dann staunten wir nicht schlecht, als ein Wasserschwall am Uferrand aus einem dicken Rohr sprudelte. Sie nannten das Spülfeld und auf diese Weise wurde Sand aus dem Meer ans Ufer gespült, um den Strand aufzufüllen und ihm zurückzugeben, was das Meer ihm geraubt hat. Diese Methode soll erheblich erfolgreicher sein, als alles, was bisher versucht wurde. 

Aber beeindruckender war natürlich das Meer. Es ist immer wieder so schön das Meer zu sehen, zu riechen und zu hören. Den weichen, warmen Sand zu fühlen und den Frieden der Gleichmäßigkeit und Ruhe in sich aufzunehmen. Es war gerade Ebbe, und ich watete ein wenig durch die Priele und machte Fotos, während Gabi und Gisela am Strand warteten. Mit Mühe habe ich sie zum Hinsetzen überredet, weil beide die Sorge hatten, nicht mehr hochkommen zu können. Ich setzte mich noch eine Weile zu ihnen. Die Sonne brannte und langsam stieg das Wasser. Doch dann erlösten wir den armen, schwitzenden Ayko und machten uns an den Rückweg zum Auto, um Utersum und angrenzende Dörfer zu erkunden. 

Die Insel ist 12 Kilometer lang und 7 Kilometer breit und besteht  aus Geest (höher gelegenes, sandiges und weniger fruchtbares Land mit sandigen Ablagerungen aus der Eiszeit) und Marsch (humusreicher, nähstoffreicher Boden, angereicht mit Muschelkalk). Es gibt auf der Insel nur eine Stadt mit dem Namen Wyk und 16 Dörfer. 

Utersum wurde bereits 1360 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ort hat tatsächlich ein Lebensmittelgeschäft. Früher lebte das Dorf von der Landwirtschaft und ab dem 19. Jahrhundert vom Walfang vor Grönland. Auf dem Weg zum nächsten Dorf beeindruckten die kleinen Sträßchen, die weiten Felder und Weiden. Besonders die Schafe liebe ich, denn immerhin hatte ich seinerzeit zwei Flaschenlämmer und denke mit ein wenig Wehmut an meine Rosi und Putti zurück. Sie waren so lieb  und anhänglich. 

Doch natürlich sahen wir auch viele Rinder und Pferde. Die Insel entschleunigt einfach. Die Bäume am Straßenrand wachsen vom Wind gebogen, alte Höfe und Häuser stehen riedgedeckt an den Straßen und wir haben definitiv eine geschlossene Tankstellte gefunden. 

In Nieblum machten wir dann eine Kaffeepause in einer Teestube. Das Bauern Café bot selbstgemachten Kuchen an. Wir bestellten einen Käsekuchen mit Baiser und Mohn. Ich kann nur sagen: Der beste Kuchen der Welt! War der lecker! Hier wird es uns mit Sicherheit noch mal hinziehen. Wir kamen mit einem Ehepaar am Nachbartisch ins Gespräch und ich hörte mit Erstaunen, dass sie aus Lüdenscheid waren und nun seit 1,5 Jahren ihren Wohnsitz auf der Insel hatten. Sie empfahlen uns einige interessante Ziele und da wir uns das nicht alles merken konnten, holte ich mein Notizbüchlein hervor und sie schrieb bereitwillig ihre Vorschläge auf.  Nicht, dass die 14 Tage nicht reichen, denn nach 14 Tagen muss ich unbedingt nach Hause, weil ich einen wahnsinnig wichtigen Termin habe. 

Wie immer war die Stimmung zwischen uns genial. Wir frotzelten rum und Gisela jammerte  auf irgendeine Bemerkung: "Ich sag alles meiner Mutter. - Ich will auf den Arm."  Ich dachte, ich hätte das falsch verstanden, und lachte: "Was hast du gesagt?" Ich hatte es richtig gehört und schon lachten wir wieder. 

Nachdem wir auch noch tatsächlich eine geöffnete Teescheune entdeckten, schnüffelten sich Gabi und ich durch das reichliche Teeangebot. Erdbeer - Sahne Tee. Einfach lecker und er musste einfach mit. Dann ging es durch die Felder und Sträßchen zurück in unser Feriendomizil. 

Nach einer kurzen Pause war Vorlesestunde. Seit langem liegt das Buch "Im Koma" von Joy Fielding bei Gisela ungelesen im Regal und wenn wir jeden Tag 40 Seiten schaffen, ist das Buch durch. Gisela liest eigentlich so gerne, aber da sie ihre Lider nur selten aufbekommt, kann sie leider nichts mehr lesen. Da ich diese Autorin auch sehr spannend finde, schlagen wir so zwei Fliegen mit einer Klappe. Mit einigen Zigarettenpausen haben wir in der Sonne sitzend auf unserer Terrasse das Etappenziel erreicht, auch wenn ich für einen Moment stoppte, weil Gisela schlicht und ergreifen eingeschlafen war.  Lag es am Roman oder an Vorlesefähigkeiten? 

Wir rüsteten uns nun für´s Abendessen. Als Gisela auf der etwas ungünstigen Treppe war, stürmte ein Labrador aus der anderen Ferienwohnung. Gisela erstarrte und klammerte sich an das Geländer. Ich stand vor ihr und Gabi hinter ihr und schirmten sie ab, als der "riesige schwarze Hund", wie Gisela später meinte,  an uns vorbeistürmte, um nach draußen zu laufen. Sie hat ohnehin Angst vor Hunden, und hätte er sie angesprungen, wäre das kurz vor der Treppenkurve sicher ungünstig gewesen. Aber: Et is ja nochmal jut jegange. Gisela war nach unserem Ausflug gerade vorher so glücklich gewesen, denn sie sagte beim Hinaufgehen: "Ich hab die Augen offen." Doch da waren sie auch schon wieder zugefallen. Nach dem geglückten Moment, nun dieses Erlebnis, das war einfach schade. 

Wir fuhren ins Blaue, wieder über die Sträßchen, durch Dörfer, doch ein Lokal fanden wir nicht. Kurz vor Wyk gab es endlich ein Lokal mit dem Namen Störtebecker. Also rauf auf den Parkplatz, alle raus und wir stürmten hungrig das Lokal, dass sich als Biopizzaria  entpuppte. Doch die Pizza aus Dinkelmehl war wirklich sehr lecker. 

Vor dem Lokal gab es "Mitfahrbank"  Ein erklärendes Schild befand sich dabei und unsere Vermutung stimmte. Man sollte sich auf die Bank setzen und warten, dass jemand anhielt, um einen Mitfahrer einsteigen zu lassen und mitzunehmen. Tolle Idee und ich meinte lachend: "Wenn ihr mal wieder nach Hause wollt, setzte ich Euch beim nächsten Mal auf die Bank." , wobei Gisela antwortete: "Wir probieren das mal aus und setzen uns da abwechselnd hin. Wir sitzen da garantiert ewig."

Dann ging es zurück nach Hause und ran ging es für mich an den Blog. Gabi und Gisela spielten ´Mensch ärgere Dich nicht` während ich schrieb und ein wirklich längeres Telefongespräch führte. Beide gingen dann schon schlafen, während ich noch schrieb, aber  jetzt werde ich mich auch in die Horizontale begeben. Es war ein schöner Tag, der nun zu Ende gegangen ist. Wir haben 00.05 Uhr!

 



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