Veröffentlicht: 12.05.2025





















































In Peru kommt man natürlich nicht an einem Besuch von Machu Picchu vorbei, und auch wir wollten uns diesen lange gehegten Traum erfüllen.
Leider gab es in letzter Zeit so heftige Regenfälle, dass die Treks wie der klassische Inkatrail oder Salkantay-Trek, bei denen man über mehrere Tage zu den Machu Picchu-Ruinen wandert, gesperrt waren, da es zu mehreren Erdrutschen gekommen war. Auch war unklar, wann diese genau wieder öffnen würden.
Also machten wir uns auf den regulären Weg zur berühmtesten Ruine der Welt, der auch nicht ganz einfach, aber fantastisch schön war. Als erstes ging es ca. 60 km mit dem Mini-Taxi nach Ollantaytambo, was für sich alleine schon eine Reise wert ist. Hier verbrachten wir eine Nacht, um alles in Ruhe besichtigen zu können. Der kleine Ort im Urubamba-Tal am gleichnamigen Fluss ist noch sehr nah an dem Originalzustand, wie er einst von den Inkas geplant und gebaut wurde, mit Terrassen zum landwirtschaftlichen Anbau, geraden engen Straßen mit Kanälen um das Wasser abzuführen und quadratischen Blocks, in denen zentrale Innenhöfe von Häusern umgeben sind. An einer Seite befindet sich eine alte Festung am Berg, die mit ihren dicken Mauern strategisch wohl günstig gelegen lag, um das Heilige Tal zu beherrschen und zu verteidigen. Auf der anderen Seite befinden sich am Berg ehemalige Militäreinrichtungen und Vorratsspeicher (durch die Winde in der Höhe konnten hier Sachen sehr gut gelagert werden), Es wird vermutet, dass Teile der Anlagen, zum Beispiel die Monolithenmauer im Sonnentempel, schon von der früheren vom Titicacasee stammenden Tiwanaku-Kultur erbaut und von den Inkas einfach wiederverwendet wurden.
Von Ollantaytambo hat man entweder die Möglichkeit, noch ein Stück mit dem Minitaxi zu fahren und dann drei Stunden bis nach Agua Calientes (der Stadt am Fuße des Berges, auf dem sich Machu Picchu befindet) zu wandern. Es gab wohl früher auch eine Straße, die aber größeren Erdrutschen zum Opfer gefallen ist. Alternativ kann man - allerdings vergleichsweise teuer - mit dem Zug fahren! Da Mercedes insgesamt nicht so viel Zeit hatte, und wir auch echt gespannt auf eine Zugfahrt in Südamerika waren, wo es kaum Zugstrecken gibt, entschieden wir uns für letzteres, und hier auch für die Luxusvariante mit Glasfenstern im Dach, um bei dem Weg an Bergen und Felswänden vorbei eine gute Aussicht zu haben.
Der Zug war altmodischer als gedacht, aber die Fahrt war wunderschön, an steilen Felswänden, kleinen Siedlungen und am reißenden Urumbamba-Fluss entlang, der sehr viel Wasser durch die starken Regenfälle mit sich trug. Auch auf der Zugstrecke war es zu Überschwemmungen und Erdrutschen gekommen, was aber mit viel Handarbeit schon wieder gut freigeräumt und in Schuss war. Der Blick auf die Berge war atemberaubend, und es muss auch fantastisch sein dort oben die verschiedenen Treks zu wandern. Der Zug dient auch vielen Einheimischen als Transportmittel, für diese kosten die Tickets aber nur einen Bruchteil, sonst könnten sie sich die Fahrt auch nicht leisten. Wenn man bedenkt, was für ein Aufwand es ist diese Strecke in Schuss zu halten und dass man als Tourist die Fahrt der Einheimischen zum Teil mitfinanziert, ist man wieder versöhnt mit dem Ticketpreis. Nach knapp zwei Stunden Fahrt erreicht man Agua Calientes, und vorbei ist es mit der Entspannung. Hier ist wirklich alles auf Tourismus getrimmt und es herrscht überall eine hektische Stimmung. Wir stellten uns für die wieder ziemlich teuren Bustickets ganz früh am nächsten Morgen an und wurden so unfreundlich wie noch nie auf diesem Kontinent behandelt. Die eigentlichen Eintrittstickets hatten wir zum Glück schon online gekauft (was wohl bei einer regelmäßig zusammenbrechenden Website ein Glückspiel ist), sonst hätten wir auch hier uns noch mal in eine Schlange einreihen müssten. Anschließend besuchten wir in eines der überteuerten Restaurants direkt am Fluss. Beim tosenden Brüllen des Flusses konnte man sich zwar nicht unterhalten, aber es war spannend dieser Naturgewalt zuzusehen. Anschließend ging es früh ins Bett, um möglichst den ersten Bus um 5.30 auf den Berg nach Machu Picchu zu bekommen.
Am nächsten Morgen - strömender Regen. Frierend, müde und etwas deprimiert schlappten wir zum Bus, stellten uns wieder brav in der Schlange an und konnten tatsächlich mit dem ersten Schwung Touristen die vielen Serpentinen den Berg hoch zum Eingang von Machu Picchu fahren. Auf dem Weg erfuhren dann auch noch, dass unsere gewählte Route (beim Kauf der Eintrittskarten muss man sich für einen bestimmten Weg entscheiden, den man durch die Ruinen nimmt), der ziemlich weit den Berg hoch führen sollte, um eine tolle Aussicht zu haben, auch wegen Erdrutschen gesperrt war. Unser Guide, den man obligatorisch buchen muss, um die Ruinen betreten zu können, organisierte zum Glück, dass wir einen anderen Weg laufen konnten, und so zuckelten wir mit ihm und einem Schwung sehr aufgedrehter Polinnen hinein in die Nebelwand. Die Sicht war anfangs wirklich sehr schlecht, und wir warteten auf einem Plateau, von dem üblicherweise DAS Foto von Machu Picchu gemacht wird, vergeblich darauf, dass die Wolken lichter wurden. Es kamen nach und nach immer mehr Gruppen und unsere Laune ging mehr und mehr in den Keller, bis wir den Guide überzeugen konnten, dass wir alleine weiterlaufen konnten, da die Polinnen unbedingt warten wollten, bis sie ihr Selfie machen konnten.
Und kaum waren wir die Bagage los, war es einfach wunderbar in den Ruinen. Die Menschenmengen lichteten sich, es wurde heller und die Sonne kämpfte sich durch die Wolkendecke, und wir liefen zeitweise sogar alleine. Und wir realisierten an was für einem tollen und faszinierenden Ort wir uns befanden. Alle Mühen waren vergessen und man wurde von der Schönheit und Mystik dieses Ortes gefangen genommen.
Machu Pichu, das weder schon komplett freigelegt wurde noch dessen ursprünglicher Name bekannt ist, ist sehr gut erhalten bzw rekonstruiert, gibt aber viele Rätsel auf. Es könnte entweder eine königliche Erholungsresidenz gewesen sein, oder eine religöse Stätte, an der Heilkräuter angebaut wurden. Was auch immer die Intention dieser Stadt war, der Bau war eine Meisterleistung, zB durch tiefe Fundamente und ein ausgeklügeltes Drainagesystem, das die Terrassen bewässerte und verhinderte, dass die Stadt in der Regenzeit den Berg runtergepült wurde. Auch die Lage, zwischen Anden und Dschungel, könnte strategisch wichtig gewesen sein. Auch wenn die Stadt evtl. in der Zeit der Eroberung der Spanier noch nicht ganz fertig gestellt war, konnte sie bis zu 1000 Menschen beherbergen. Vermutlich wurden die Wege zu dem schwer zugänglichen Areal zerstört, sodass die Stadt nicht gefunden wurde und lange in Vergessenheit geriet.
Lange Rede, kurzer Sinn: wir finden völlig zu Recht, dass Machu Picchu zu einem der sieben Weltwunder der Neuzeit gewählt wurde, und ist definitiv eine Reise wert! Völlig beseelt eierten wir nach ein paar Stunden wieder mit dem Bus den Berg hinunter und stiegen in den Zug Richtung Ollantaytambo. Nicht mal die alberne Alpaka-Modenschau, die von dem armen Zugpersonal bei nerviger Flötendüdelei und begeistertem Klatschen insbeondere der amerikanischen Touristen, vorgeführt wurde, oder das lange Warten in Ollantaytambo, bis das Minitaxi nach Cusco losfuhr, konnte unser Glück trüben, und so kamen wir abends müde und glücklich nach Cusco zurück.
