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La Paz II

Veröffentlicht: 29.06.2025

Sehenswert
La Paz
La Paz, Bolivia
Attraktion
Teleférico La Paz
La Paz, Bolivia
Attraktion
Valle de la Luna
La Paz, Bolivia
Attraktion
Chacaltaya
La Paz, Bolivia
Attraktion
ehemaliges Skigebiet Chacaltaya
La Paz, Bolivia
Attraktion
Forschungsstation für kosmische Strahlung Chacaltaya
La Paz, Bolivia
Unterkunft
Hütte des Österreichischen Alpenvereins
Chacaltaya

Zurück in La Paz, gondelten wir bei bestem Wetter wieder exzessiv mit dem Teleferico herum, davon kann man wirklich nicht genug kriegen. Das Verkehrsmittel ist für diese Stadt einfach genial, auch wenn es in dieser Art niemals in Deutschland umgesetzt werden könnte. Was wäre bei uns los, wenn man einfach über einen Friedhof oder eine Dachterasse düsen würde?

Außerdem erkundeten wir die Gegend um La Paz herum. Ausflüge zu buchen war hier - im Gegensatz zu Peru - trotz sonst geringerer Lebenshaltungskosten deutlich teurer, und handelte sich im Endeffekt auch nur um einen Fahrservice, ohne kompetenten Guide o.ä.. Bei dem Transportmittel handelte es sich um ein ausrangiertes Collectivo, also eine absolute Schrottkarre. Während der Fahrt versuchte man sich irgendwie festzuhalten, rumpelte aber trotzdem ständig mit dem Kopf an die Decke. Der allgemeine Fahrstil der reichte von fragwürdig bis lebensmüde, es rauschte auch einmal ein anderes Auto in uns hinein (genau in die Ecke hinten wo Freddy saß), der Fahrer hielt es noch nicht mal nötig anzuhalten sondern rumpelte einfach weiter. War nicht der erste Unfall den unsere Karre hatte und wird wohl nicht der letzte sein, was interessiert das bisschen zerquetschte Blech.

Als erstes ging es ins Valle de la Luna, das seinen Namen angeblich von Neil Armstrong erhielt, der bei einem Besuch in der Nähe Golf spielte und sich an seinen Mondausflug erinnert fühlte. Es handelt sich um eine kleine Fläche aus Lehmgestein, in der durch Erosion stalagmitenförmige Gebilde entstanden sind, die bei jedem Regen Veränderungen unterworfen sind. Zugegeben hat es nach unseren Erlebnissen in der Atacamawüste nicht so völlig vom Hocker gehauen, war aber ganz nett. Am interessantesten ist wohl der Streit, der um dieses Gebiet herrscht. Es gehört offiziell zur Stadt La Paz, die es zum Schutzgebiet erklärt hat. Allerdings erhebt auch die Nachbarkommune (wir erinnern uns nicht mehr ob es El Alto oder eine andere war) Ansprüche, und erlaubt Leuten, hier zu bauen. So kann man auch Fakten schaffen! Jedenfalls wird dadurch immer mehr der fragilen Formationen zerstört, und es gibt eine beträchtliche Anzahl von Gebäuden, die auf diesem völlig ungeeigneten Boden bei jedem größeren Unwetter gefährdet sind, abzusacken.

Danach ging es wieder quer durch die Stadt durch den ruppigen Verkehr nach Chacaltaya, dem ehemalig höchsten Skigebiet der Welt. Der Weg führte durch eine nicht besonders schöne Landschaft vorbei an vielen kleinen Schrottbergen und kleinen Siedlungen, in denen augenscheinlich hohe Armut herrschte. Die Menschen, die wir sahen, waren hauptsächlich damit beschäftigt, die Löcher der sehr kaputten Straßen notdürftig zu stopfen (dafür erhalten sie ein bisschen Geld von Autos, die vorbeifahren), Schrott zu sortieren und Wäsche im Fluss zu waschen. Unsere Schrottmühle kämpfte sich immer weiter den Berg über schlechte Straßen an steilen Abhängen hoch. Wir sahen uns schon das ein oder andere Mal zerschmettert einige hundert Meter weiter unten liegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir erst an einer Forschungsstation für kosmische Strahlung vorbei. Hier werden auch Messungen zur Veränderung der Atmosphäre durchgeführt, und es werden für den IPCC (Ausschuss für Klimaveränderungen der United Nations) Daten zur globalen Erwärmung gesammelt, es ist wohl die höchste Station dieser Art auf der Welt. Und kurze Zeit später erreichten wir die halb zerfallene "Talstation" des ehemaligen Skilifts, die völlig verloren im Nirgendwo an einem Abhang stand. In der Nähe gab sogar eine Hütte des Österreichischen Alpenvereins, die allerdings seit Einstellung des Skibetriebs aufgegeben wurde. Stattdessen hausten ein paar Einheimische hier, die uns später in einem halb zerfallenen Aufenthaltsraum lauwarmen Coca-Tee verkaufen würden. Ein ganz merkwürdiger und trauriger Anblick. Wir brauchten auch erst mal einen Moment, um überhaupt zu erfassen, wo hier mal Ski gefahren wurde, denn der ehemalige Gletscher war über die Jahre durch die Erderwärmung immer weiter geschrumpft und 2009 völlig verschwunden. Ein Schicksal, das er mit vielen Gletschern in der Gegend teilt, denn kaum irgendwo anders schmelzen die Gletscher so schnell wie in den tropischen Anden, mit verheerenden Folgen für die Gegend, aber auch das Weltklima (hier ein ganz interessanter Artikel zu dem Thema, allerdings schon von 2020: https://monde-diplomatique.de/artikel/!5688407). 

Von hier aus begannen wir den relativ kurzen steilen Aufstieg über das Geröllfeld mit ein paar kleinen Schneeresten zum Gipfel, dank der Höhe wieder mal im Dampflockmodus. Aber selbst das schlimm von Höhenkrankheit geplagte koreanische Pärchen in Turnschuhen schaffte es, auch wenn es ihnen augenscheinlich wirklich dreckig ging. Und da waren wir nun, auf fast 5400 hm, im eisigen Wind, und blickten von rostigen Überresten des Skilifts aus in eine weitgehend schneefreie Umgebung, weit unten spitzte ganz klein das Häusermeer von La Paz durch die Wolken. Wahrscheinlich der höchste Punkt, den wir auf unserer Reise erreichen werden (es sei denn es verschlägt uns noch ins Karakorum oder Himalaya), und wir waren ganz melanchonisch. Weil man den Klimawandel hier so deutlich sehen konnte und sich hilflos fühlte. Weil es einfach ne dekadente Scheiße war hier für irgendwelche Superreichen einen Lift im Nirgendwo zu bauen. Weil die Folgen des Klimawandels auch hier wieder mal vor allem die Armen trifft.

Nach dem Abstieg ging es holperig und langwierig den selben Weg wieder zurück, und wir dekadenten Weltreisenden, die auch nicht positiv zur Gesamtsituation beitragen, bereiteten uns seelisch, geistig und moralisch auf die megalange Busfahrt von La Paz nach Lima vor. 


Auf einen Blick

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  • ehemaliges Skigebiet auf fast 5400 m
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