San Cristóbal (Galápagos)
Nach über 5 Monaten auf dem südamerikanischen Kontinent und über 17000 km in Bussen steigen wir wieder in ein Flugzeug zur Insel San Cristóbal, einer der drei größten Inseln im...


Veröffentlicht: 18.08.2025






















































Der Weg zur Insel Isabela, einer weiteren der drei größten Hauptinseln des Archipels, stellte sich als unserer Meinung nach unnötig kompliziert heraus. Zunächst wurde man mit einem kleinen Boot (Wassertaxi) zur "Fähre" (eher ein ausgenudeltes Anglerschnellboot) gebracht, obwohl die Wassertiefe ohne Probleme ein Anlegen direkt am Steg zugelassen hätte. Ein Konzept, das wohl einfach noch ein paar zusätzliche Jobs schaffen soll und natürlich extra zu bezahlen ist. Dann wurden wir allerdings nicht direkt nach Isabella gebracht, sondern mussten zunächst zur dritten Hauptinsel Santa Cruz fahren, dort wieder mit einem Wassertaxi zum Steg fahren, und dort einige Stunden mit unserem Gepäck an der Promenade herumlungern bis nachmittags die zweite Fähre ging (Wassertaxiprozedere inklusive natürlich). Aus irgendwelchen Gründen fahren alle Fähren gleichzeitig morgens und nachmittags, was das ganze Boarding und die Biosicherheitskontrollen (in der Theorie soll streng darauf geachtet werden, dass auch zwischen den Inseln keine Tier- und Pflanzenarten verschleppt werden, die tatsächlichen Maßnahmen haben leider aber nur Alibi-Funktion), in ein Riesenchaos verwandelte. Die Bootsfahrten selbst hatten es auch in sich, ziemlich harter Wellengang und rücksichtsloses Heizen ohne Rücksicht auf Verluste (aua, Schleudertrauma). In Isabella musste man am Hafen aus irgendwelchen Gründen noch mal eine extra Gebühr bezahlen (wir erinnern daran, dass wir eigentlich eine recht happige Nationalparkgebühr bezahlt hatten für das gesamte Archipel), aber ist ja alles nur Geld.
Dann ging es zu Fuss durch den ruhigen verschlafenen Ort Villamil ins Hotel, hier ist alles recht klein und übersichtlich. Abends klapperten wir die einzelnen Tante-Emma-Läden ab um uns Verpflegung zu kaufen, die Preise variierten sehr stark und man musste sich wirklich alles einzeln zusammensuchen. Das kulinarische Angebot hielt sich auch in den Restaurants sehr in Grenzen, aber wir fanden eine ganz nette Einheimischen-Bude, in der es leckere Grillspiesschen und kaltes Bier gab. Ingesamt ist es auf der Insel deutlich weniger touristisch und sehr entspannt.
Am nächsten Tag mieteten wir Fahrräder und radelten los zur Muro de las Lágrimas (schön war dass Fahrradschlösser laut Vermieter unnötig seien, wenn das Fahrrad wider Erwarten weg sein sollte, solle man einfach ein bisschen im Ort suchen, dann hat es sich jemand für ein kleines Stückchen ausgeliehen). Schon nach ein paar Kilometern entdeckten wir eine Gruppe von Riesen-Landschildkröten im Gebüsch, es war fantastisch sie zu beobachten und in ihrem Habitat zu erleben. So tolle Tiere, tiefenentspannt und völlig unbeindruckt von uns. Die Radtour überzeugte mit wunderschönen Aussichtspunkten aufs Meer, Sümpfen und Mangrovenwäldern, Lavatunneln und natürlich Tieren (verschiedene Insekten, sehr viele Iguanas und eben die Schildkröten). El Muro de las Lágrimas (Wall of tears) ist eine hohe halb zerfallene Mauer aus scharfkantigen Lavasteinen im Nirgendwo, die von Gefangenen einer nach dem 2. WK auf Infrastruktur der US army errichteten Strafkolonie zum Zwecke der Beschäftigung und Bestrafung gebaut werden musste. Dabei sind unzählige Menschen gestorben. Alte Radarstationen der Amerikaner, die auf Hügeln herum halb zerfallen zu finden sind, dienen nun als Aussichtspunkte.
Am nächsten Tag ging es mit einem Bootsausflug zu den Los Tuneles, einer der vielen Tunnelnetzwerke, die oberhalb und unterhalb des Wassers zu finden sind. Sie enstanden durch schnellfließendes Magma, das nach diversen Vulkanausbrüchen ins Meer abfloss, dabei erstarrte die äußere Oberfläche zuerst und hinterließ diese röhrenartigen Gebilde.Mit Schnorchelequipment und Wetsuit ging es auf ein Boot mit einem vertrauenserweckendem Kapitän, der das Meer und die Küste wie seine Westentasche kannte und uns wirklich gekonnt mit Speed und Power, aber viel Gefühl, durch 10 Meter hohe Brandungswellen manövrierte. Wir mussten uns verdammt gut festhalten und waren zwischendurch nicht sicher, ob das gut geht, aber er passte die Wellen perfekt ab ohne zu Kentern oder auf Felsnasen zu brummen. Alle Achtung.
Die Szenerie und Landschaft waren wieder unglaublich. Nachdem wir in einer unwirklichen Welt aus Tunneln an Land gingen und Vögel und Meeresschildkröten im glasklaren Wasser beobachten konnten, ging es in eine Bucht, in denen wir in den Tunneln umherschnorcheln konnten. Und wen haben wir getroffen? Meeresschildkröten, schlafende Weißspitzen-Riffhaie, Mantas, Seepferdchen, Seelöwen, Seebären, Blaufußtölpel, Pingunine, verschiedene bunte Fische. So viele einzigartige Eindrücke, das wir wirklich ein paar Tage brauchten, um alles zu realisieren. Leider mussten wir mit Einsetzen der Flut auch wieder zurück, unser Kapitän schipperte uns wieder geschickt durch die starke Brandung und dann ging es blaugefroren und müde zurück in den Heimathafen.
Am nächsten Tag ging es auf zu einem der Vulkane! Der Sierra Negra ist ein Schildvulkan mit einer Höhe von 1124 m. Mit 7 × 10,5 km und 300m Tiefe hat er die größte Caldera aller Vulkane der Galapagosinseln und die drittgrößte der Welt. Der Boden der Caldera wird vollständig von Lava bedeckt, die während der Eruption 2005 von einer leicht erhöhten Spalte ausgehend ausfloss. Und er ist der aktivste Vulkan auf den Inseln. Wir wurden mit einem Holzpritschen-LKW abgeholt und dann ging es auf eher holprigen Wegen hoch zum Kraterrand durch die Wolken und Nebelfelder, man konnte die verschiedenen Vegetationszonen beim Durchfahren gut erkennen. Unser Ziel waren die Schwefelfumarolen in der Caldera, zu denen wir wanderten, zunächst hinab bis zum Kratergrund und dann hinauf zu den Schwefelfeldern, die in den 1930-50er Jahren in kleinem Stil abgebaut wurden unter sehr einfachen Bedingungen. Ganz schöne Müffelei, aber auch ein toller Ausflug. Leider war das Wissen des Tourguides (wie auch schon bei den vorherigen) sehr oberflächlich und begrenzt, sodass wir mit unserem angelesenen Wikipedia-Wissen schon mehr wussten als er. Was sehr schade ist, wir dachten dass wir es auf den Inseln nur mit stolzen Naturexperten zu tun haben würden, die jedes Detail über ihre einzigartige Heimat kennen. Trotzdem ein tolles Erlebnis!
Der Besuch der Schildkrötenaufzuchtstation am nächsten Tag war eher ernüchternd, und das lag bestimmt nicht an den Krötis, die waren super. Ja, es wird etwas getan um die Arten zu erhalten und es ist richtig das zu tun. Der obligatorische gelangweilte Guide, der uns einfach schnell wieder loswerden wollten und für das was er uns erzählt hat mehr als teuer war, war etwas nervig, vor allem weil wir überhaupt keine Zeit hatten die Tiere richtig zu beobachten. Argument, warum wir auch nicht kurz verweilen durften, war, dass ihnen wohl 300 Jungtiere geklaut wurden, der Handel mit exotischen Tieren boomt und scheint auch hier ein verlockendes Geschäft zu sein. Toll waren allerdings die ganz alten Tiere in der Station - teilweise über 100 Jahre alt - die "Narben" von heißer Asche und Lava durch den oben genannten Vulkanausbruch in ihren Panzern hatten. Die große Anzahl der Jungtiere, die nach 6 Jahren ausgewildert werden, lässt hoffen, dass die Arten erhalten bleiben, wenn nicht Hunde, wilde Ziegen, Ratten und der Mensch das Überleben unmöglich machen.
Insgesamt hat uns Isabella sehr gut gefallen - weniger Touristen und tolle Natur, die man auch hier wenn man möchte ganz einsam genießen kann. Nach ereignisreichen Tagen ging es zur dritten Insel - Santa Cruz, die wir ja schon kurz auf dem Hinweg nach Isabela kennengelernt hatten.
