Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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7. Tag - 15. Juli Von Prag mit wunden "Hintern" nach Kolin

Inzwischen hatte sich eine Morgenroutine eingespielt: waschen, packen, Frühstück. Eigentlich wollte ich den Kanu-Wildwasserkanal in Prag-Troja mit einem gemieteten Kajak herunterfahren. Aber es waren schon einige heimische Trainingskanuten auf dem anspruchsvollen Parkour, die Vorrang haben. Weil etliche Anrufe beim Öffnungsdienst der Ev. Salvador Kirche im Zentrum erfolglos blieben, entschied mich heute schon wieder Prag zu verlassen. Mehrfach war ich schon in der "Goldenen Stadt" und zweimal dienstlich sogar mit einer Jugendgruppe. So erkor ich die Kreisstadt Kolin an der Elbe - rund 70km entfernt - als ein Tagesziel und hoffte auf einen Besuch der Ev. Kirche in Nymburk.

Allerdings, war es Erstens nicht einfach den richtigen Fahrradweg aus der Stadt heraus zufinden und zum Zweiten ging es zunächst wieder erst mal steil bergan aus dem Tal der malerischen Moldau. Mehrfach verfuhr ich mich. Die Fahrradnavi App NAVIKI war keine wirkliche Hilfe, so fuhr nach meinen geografischen Sinn in die entsprechende Richtung. Kilometerweit folgte ich einer dicht befahrenen Ausfallstraße Richtung Osten. Erst am Stadtrand zeigte die App eine entsprechende Route an. Ich suchte mir den kürzesten Straßenweg zur nahen Elbe und brauchte dann nur den Internationalen Elberadweg Nr. 2 zu folgen - so mein Plan. Nach einer 8 km langen sanften Abfahrt von Prager Höhen im Umland war ich wieder am Ufer der Elbe. Allerdings ist der Elberadweg auf langen Abschnitten nicht mehr so schön glatt asphaltiert, sondern eher ein Schotterweg über Stock und Stein oder ein ganz schmaler buckliger Sandstreifen (Foto). Meine Durchschnittsgeschwindigkeit reduzierte sich auf rund 10 km/h. An einer Stelle war sogar eine ganz schmale Brücke mit Abstürzgefahr in einen Nebenfluss zu passieren (Foto). Jedoch schwerwiegender waren die ständigen leichten Erschütterungen für mein „Gesäßteil“. Das Sitzen auf dem Sattel schmerzte und bestimmte Stellen wurden wund. So entschied ich mich das Zwischenziel Nymburk als mein Endziel zu deklarieren.

Schnell fand ich die Ev. Kirche etwas außerhalb vom Zentrum. Weil die zuständige Pastorin nicht da war, öffnete mir ihr Sohn (Foto), der gerade beim Rasenmähen war, bereitwillig die Eingangspforte der recht großen Ev. Kirche der Böhmischen Brüder – kurz BB - von Nymburg (Foto).

Er berichtete, dass die Gemeinde ca. 200 Mitglieder hat, von denen rund 40 am Sonntag den Gottesdienst besuchen. Ganz guter Schnitt dachte ich, im Vergleich zu unseren Gottesdiensten in Deutschland. Auch in dieser Stadt gibt es einen talentierten ehrenamtlichen Kantor der die Orgel und seine Gitarre zum Gottesdienst erklingen lässt. Der Pfarrersohn zeigte mir die zahlreichen Aktivitäten der Gemeinde an einer Wandtafel, wie Kindergruppe und Seniorenkreis. Erst letzte Woche organisierte er ein christliches Kinder-Sommer-Camp mit ca. 40 Kindern.

Auch die Ev. Gemeinde der BB in Nymborg hat derzeit 2 ukrainische Frauen mit ihren Kindern im Pfarrhaus aufgenommen. In fast allen Gemeinden wird von dieser derzeitigen Herausforderung berichtet. Die größte Herausforderung für die Gemeinde der BB in Nymburk ist die zukünftige Umstellung des Finanzsystems wenn 2030 die Bezahlung der Ev. Pfarrer durch den Staat ausläuft. Die Entwicklung eines eigenen Beitragssystems ist gegenwärtig die größte Diskussion und Herausforderung. Schon in Melnik sprach der Ev. Pfarrer dieses Thema an. Der Pfarrersohn zeigte mir noch die Hussitische Kirche gegenüber, die Mitgliedermäßig noch kleiner ist, als die der BB. Es gibt einzelne gemeinsame ökumenische Veranstaltungen, ansonsten arbeitet jede Gemeinde für sich.

Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns, der Pfarrersohn warf wieder den Rasenmäher an und ich machte noch ein Foto der Hussitischen Kirche gegenüber (Foto) und am Stadtrand von mächtigen historischen Stadtmauer (Foto).

Dann wollte ich mir ja recht bald einen Zeltplatz am Ufer der Elbe finden. Jedoch war der Elbuferradweg mit Radlern, Inline-Skatern, Spaziergängern auf den nächsten 15 Kilometern recht belebt und einen unauffälligen Zeltplatz fand ich dann doch erst 10km vor Kolin, dafür lag er schön ruhig an einem Elbbogen, mit einer überdachten Sitzgruppe und die Angler in der Nähe interessierten sich eher ob ihre Pose wackelte, als für mein seltsames Treiben mit meinen Gaskocher. Mit einem roten wundgescheuerten Hintern kroch ich an diesen Abend in mein Zelt.
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