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"Zimmer mit Aussicht" Part 2 oder: Die Singende Waschmaschine

Veröffentlicht: 24.01.2017

Und dann, es war eine laue Vollmond-Nacht und wir wollten uns mit Cathy gerade die Glühwürmchen anschauen, die sich an einem kleinen Bach, der durch das Grundstück führt, angesiedelt hatten, klingelte plötzlich Richards Handy:

 "Hallo hier ist Wayne vom "Bully Hayes" in Akaroa, wann kannst du hier anfangen?"

"Ja also..."

Noch ein paar Stunden zuvor hatten wir bei Tim angefragt ob wir wieder für zwei Wochen ins Hostel nach Turangi zurückkommen könnten. Dieser hatte uns jedoch abgesagt, da er schon andere Housekeeper eingestellt hatte. Deshalb hatten wir beschlossen noch ein paar entspannte Tage bei Cathy und Bernie zu verbringen und dann langsam weiter Richtung Süden zu reisen um uns dann irgendwo vor Ort einen Job zu suchen. Aber nun...

Nun mussten wir versuchen so schnell wie möglich auf die Südinsel nach Christchurch zu gelangen, was bedeutete, dass wir unsere Gastgeber sogar einen Tag eher als geplant verlassen mussten. Und wie wir die Sache auch drehten uns wendeten, wir würden mindestens zwei Tage brauchen um unser Ziel zu erreichen. Die ganze Sache wurde noch deutlich erschwert, als wir herausfanden, dass sich das Restaurant "Bully Hayes" (also Richards neuer Arbeitsplatz) gar nicht "direkt" in Christchurch befindet, sondern viel mehr in einem Städtchen 1 1/2 Stunden Autofahrt außerhalb. Und obwohl die Verbindungsstraße zwischen den beiden Städten sogar Christchurch-Akaroa-Road heißt, fahren hier täglich nur zwei Shuttles - und zwar beide neun Uhr am Morgen! Dumm nur, dass unser Flieger aber erst nachmittags in Christchurch eintrifft...Also was tun? In den sauren Apfel beißen und ein Taxi bestellen. Zum Glück fanden wir ein privat geführtes Taxiunternehmen (die Fahrerin übrigens eine alte Dame namens Rosemary...na das kann ja heiter werden!) das ungefähr die Hälfte von dem was die kommerziellen Taxiunternehmen verlangen, kosten würde. Trotzdem, immer noch teuer...

Am übernächsten Morgen verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Cathy, Bernie, Jed und Zena (den beiden Hunden, die natürlich auch zur Familie gehören), der kleinen Farm, dem Wind und den Avocados und Cathy brachte uns zur Busstation in die nächst größere Stadt. Von da aus konnten wir unsere Odyssee in den Süden antreten...

Und eine Odyssee war es wirklich! Nachdem wir elf Stunden im Bus verbracht hatten, kamen wir also endlich in der windigen Hauptstadt Neuseelands an - Wellington, der Knotenpunkt zwischen Nord-und Südinsel. Unser Hostel, dass wir für eine Nacht gebucht hatten, war wirklich cool. Ein ehemaliges Hotel im art deco Stil. Außerdem hatten wir nun schon mal die Gelegenheit uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Stadt zu verschaffen, die wir doch HOFFENTLICH irgendwann in den nächsten Monaten noch etwas genauer kennenlernen werden...Am nächsten Morgen (einen Abstecher in die "New Zealand Portrait Gallery" wollten wir uns jedoch nicht entgehen lassen...was wir auch nicht taten!) fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen. 

Es handelte sich wohl um die merkwürdigste Flugerfahrung, die ich bisher gemacht hatte. Denn gerade als wir uns in die Lüfte erhoben hatten um der Nordinsel den Rücken zu kehren, hieß es auch schon: "fertig machen zum landen." Und plötzlich befanden wir uns in einem völlig anderen Teil Neuseelands. Einfach so. 

Nach einer kurzen Shopping-Tour im "New World" trafen wir auch schon auf Rosemary, die uns mit ihrem Taxi in den nächsten eineinhalb Stunden, direkt nach Akaroa befördern würde - hoffentlich...Rosemary war , um es mit einem Wort zu sagen, einfach lovely und erzählte uns auf sehr charmante Weise von ihrem Leben und ihren Kindern, wie es eben nur alte Damen vermögen. Sie bot sogar an, mir ein Dach über dem Kopf zu gewähren falls ich nicht mit Richi im "staff house" wohnen könne, was zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht geklärt war...

Jetzt, wo wir bereits einige Wochen hier sind, sind wir der Meinung, dass wir es besser hätten nicht treffen können. Nicht nur, dass wir eine exorbitante Bezahlung beziehen, nein, wir können auch für jeweils schlappe 80$ in der Woche im staff house wohnen, das wir uns mit zwei Kolleginnen teilen (wir haben das ganze untere Stockwerk für uns plus eigenes Bad) und bekommen eine ausgewogene Mahlzeit und so viel Kaffe wie wir wollen am Tag...kostenlos!. Da ich zeitweise auch als Aushilfe ("front of house" aka "dishwasher") in einem Café (dem "Deli" aka "Escargot rouge") arbeite, bekomme ich am Abend oft haufenweise Kuchen und übrig gebliebenes Zeug mit nach Hause (unser Gefrierfach quillt schon über von Scones) und zwischendurch werde ich mit Kuchenrändern überhäuft, über die Allison und Donna dann gemeinerweise noch warme Karamellsauce machen... 

Unsere Kolleginnen/Mitbewohnerinnen Cass (21 Jahre alt und wie Richi Küchenhilfe im "Bully Hayes" und angehende Köchin) und Donna (nach Selbstbeschreibung 27 in Wirklichkeit aber Anfang 50 und Chefbäckerin im "Deli") sind wirklich sehr nett und angenehm. Auch wenn Cass manchmal so ihre Marotten hat und die Angewohnheit hat, immer wenn man sich Abends im Wohnzimmer/Küche befindet auch "zufällig" dort aufzukreuzen und ein Gespräch anzufangen - egal um welche Uhrzeit. Außerdem fällt es ihr sehr schwer mal von der Arbeit abzuschalten, weshalb sie oft und gerne über diese redet. Aber eigentlich ist sie echt in Ordnung...Donna ist "mother of the house" und hat neben ihrer beruhigenden Art auch einen wunderbaren Sinn für Humor. Leider sehen wir sie außerhalb der Arbeit nicht so oft, da sie früh zu Bett geht (verständlich...wenn der Wecker um 5 Uhr in der Früh klingelt) und an ihren freien Tagen immer zu ihrem Haus in Christchurch fährt...

Neben Donna und Cass haben wir wirklich auch noch ganz bezaubernde andere Kollegen...Love (eigentlich Lovepreet) aus Indien hat uns schon auf ein indisches Rosengetränk zu sich eingeladen und Allison hat mir selbstgebackenes deutsches Brot vorbei gebracht und mir versprochen, zu zeigen wie man es bäckt... 

Was noch...ach ja, über Akaroa selbst sollte ich vielleicht auch noch ein paar Worte verlieren. Also laut Wikipedia hat das Städtchen, das in einem ehemaligen Vulkankrater gelegen ist, an die 600 Einwohner. Die Einwohnerzahl kann im Sommer (durch den Zustrom der Touristen) auf 7000 steigen...Das sagt eigentlich schon alles. Akaroa ist eine absolute Touristenstadt. Ab und zu (wohl eher jede Woche, manchmal auch täglich) legen Kreuzfahrtschiffe im Hafen an und schütten Wagenladungen von Touristen aus, die dann alles plündern, was Akaroa an Souveniers und Einscreme zu bieten hat. Die Schiffe sowie die Anzahl der Passagiere sind sogar auf unseren Dienstplänen vermerkt, weil es an einem "cruise ship day" doch deutlich geschäftiger zugeht und das Personal dementsprechend angepasst wird. Außerdem ist hier alles sehr...französisch. Mir wurde zwar erklärt warum, aber ich hab's wieder vergessen. Wie dem auch sei, die Touristen stehen drauf.

Doch so rosig, wie ich das jetzt hier beschrieben habe, ist es unterm Strich nicht (außer natürlich das indische Rosengetränk). Zwar stimmt der Teil mit der Karamellsauce (und alles andere auch nebenbei bemerkt), aber auch das hat alles seinen Preis. Denn wir arbeiten wirklich hart. Richi arbeitet, wenn Cass ihren freien Tag hat, teilweise 13 Stunden am Tag, mit gar keiner oder nur einer kurzen Pause. Auch spüren wir zum ersten Mal, was es bedeutet, dem harten Arbeits-Alltag zu unterliegen und sein Leben einfach "wegzuarbeiten" und wenig Zeit für sich oder die Familie zu haben (Wir sehen uns im Augenblick nämlich echt selten). Das macht schon ein bisschen Angst vor der Zukunft. Außerdem fällt es auch uns manchmal schwer abzuschalten, was auch daran liegen könnte, dass wir 24/7 von den gleichen Menschen (unseren Kollegen) umgeben sind und daher auch oft über die Arbeit sprechen...trotzdem, irgendwie macht (zumindest mir) die Arbeit (als Kellnerin) auch Spaß und schließlich musste ich auch ein paar negative Sachen aufzählen, um euch nicht ZU neidisch zu machen (warme Karamellsauce...wollte es nur noch mal gesagt haben)

 Und zu guter Letzt noch ein fettes SORRY, dass wir so lange nichts von uns Lauten lassen haben, was A daran liegt, dass ich/wir einfach im Moment wahnsinnig viel zu tun haben und nach der Arbeit einfach nur das Bedürfnis haben zu schlafen oder uns von Serien berieseln zu lassen, dass ich B mit heimlichen Heimlichkeiten (viel wichtiger ist doch die Frage, gibt es auch nicht heimliche Heimlichkeiten?) für Richis Geburtstag beschäftigt war und dass C im Moment auch einfach nicht so viel passiert...außer Arbeit. Wie dem auch sei, ich hoffe ihr könnt uns noch einmal verzeihen...

Bis demnächst (also in drei Wochen oder so ;) ),

Maggi&Richi, Freitag 10. Februar, Akaroa 18:35 Uhr

P.S.: Aber was hat es denn jetzt mit der singenden Waschmaschine auf sich. Also, zunächst möchte ich vermerken, dass es sich bei besagter Waschmaschine um kein plotrelevantes Detail meines Berichtes handelt, vielmehr handelt es sich bei der singenden Waschmaschine um einen dieser netten und völlig sinnlosen Zusätze, die das Leben bereithält um den ein oder anderen zum Schmunzeln zu bringen. Ich will euch von der singenden Waschmaschine erzählen. Ich stand also völlig nichtsahnend unter der Dusche, als die Waschmaschine (die sich ebenfalls im Badezimmer befindet) plötzlich anfing das Forellenthema aus Schuberts "Forellenquintett" zu dudeln, um zu verlauten, dass sie das Waschen der Wäsche nun beendet habe. Als ich Donna davon berichtete, atwortete sie mit überrascht gespieltem Tonfall: "Singen Waschmaschinen in Deutschland etwa nicht? Das ist ja langweilig...". 

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