Porto im Regen.. oder Hamburger Schietwetter
Porto

Veröffentlicht: 08.08.2023










Heute meldet sich Cindy mal wieder… und es gibt viel zu berichten, denn bei uns wird es nie langweilig…
In unserem Wohnmobil-Reiseführer stand ein kleiner Geheimtipp auf dem Weg Richtung Nazare. Die Stadt Alveiro soll eine Mischung aus Holland (viele Fahrräder), Venedig (Kanäle und Gondeln) und Portugal (buntes Fischerdorf) sein. Bis auf das Prädikat Geheimtipp (es war brechend voll), wurde nicht zu viel versprochen.
Die Stadt ist einfach wundervoll. Überall sind alte, bunte Häuser, die sich entlang des Kanalsystems aneinanderreihen. Im Wasser befinden sich zahlreiche Moliceiros, das sind Gondeln, die früher als Fischerboote genutzt wurden. Wirklich total schön und auf jeden Fall einen Abstecher wert!
Anschließend sind wir nach Nazare gefahren, eine beliebte Stadt bei Surfer, da es hier Monsterwellen gibt. Monsterwellen gab es für uns nicht, aber dafür jede Menge Wind und eine wilde See. Die Kids und Steffi haben sich den Sonnenuntergang oben auf dem Berg angeschaut und sind fast weggepustet worden. Ich war leider schon im Bett, denn der Tag war sehr anstrengend für mich.
Am nächsten Morgen machten wir uns bereit für die Weiterfahrt nach Lissabon. Und Steffi wollte wie jeden Morgen Elisa wecken und aus dem Zelt scheuchen. Auf ein Mal ertönte ein lauter Schrei durch den Campingplatz. Ich sprintete so schnell es geht raus (was in etwa ein Schneckentempo entsprach) und sah Steffi vor unserem WoMo liegen, das rechte Knie umklammernd. Da Steffi aus ihrer Handballzeit einiges gewohnt war, hieß es nix Gutes, dass sie liegen geblieben ist. Unser Trittbrett hat im Sand nachgelassen und Steffi ist dadurch umgeknickt. Ihre Arme und Beine total aufgeschürft, aber schlimmer noch, ein dickes Knie und mega Schmerzen…
Da ist die Panik erstmal bei uns ausgebrochen. Steffi war sich sicher, dass irgendwas kaputt gegangen ist. Was an sich schon nicht sehr schön ist. Aber wenn man bedenkt, dass sie unsere einzige Fahrerin ist, da ich aufgrund von meinem Post Covid nicht in der Lage bin zu fahren, und wir uns 2600 km von zu Hause entfernt befinden, könnt ihr unsere Panik sicherlich verstehen.
Aus der Heimat kam der Tipp, sich beim ADAC wegen Rücktransport zu melden. Gesagt, getan, nun hieß es, ins nächste Krankenhaus zu fahren, um einen Attest über Fahrunfähigkeit zu bekommen. Die Mitarbeiter des Campingplatzes waren sehr nett und haben uns ein Taxi organisiert, sowie eine zusätzliche Nacht vor Ort freigeschaufelt. 10 Minuten später saßen wir im Taxi, und die Kinder haben wir verabschiedet mit dem Satz „in 3 Stunden sind wir wieder da, kauft euch Eis und macht es euch am Pool gemütlich“. Tja, was soll ich sagen, aus den 3 Stunden wurden 8, und einen Arztbrief hatten wir immer noch nicht.
Die Anmeldung bei der Notaufnahme ging problemlos, nun ging es ans Warten. Die Schwester meinte schon, es ist sehr voll heute, ihr müsst Wartezeit mitbringen… Stunde um Stunde vergingen, unsere Handyakkus wurden leerer und leerer (in der Eile haben wir die Powerbank ohne Kabel eingepackt), und es passierte kaum was. Also für uns beide nicht, denn sonst war jede Menge Trubel dort. Ich habe noch nie so eine laute Notaufnahme erlebt, man konnte die Durchsagen gar nicht mehr hören. Steffi konnte irgendwann nicht mehr sitzen, ich hatte auch Schmerzen. Sie ist dann immer wieder hin und her gelaufen und meinte, es ist ok, nur das Aufstehen und der erste Schritt tun weh. Und als wir nach 7 Stunden entdeckten, dass die aufgerufenen Patienten lediglich einen Raum weiter saßen und immer noch keinen Arzt gesehen hatten, haben wir Plan B geschmiedet. Wir entschieden uns, am nächsten Tag nach Lissabon zu fahren. Steffi meinte, fahren geht wirklich, und mich will sie auf keinen Fall fahren lassen. Gemein, nur weil ich des Öfteren rechts und links vertausche und kaum Reaktionsvermögen habe… In Lissabon soll Steffi sich dann ausruhen und wenn es nicht besser geht, dort zum Arzt gehen.
Unser nette Taxifahrer hat uns um 21:30 wieder eingesammelt. unsere Mägen hingen bis zu den Kniekehlen (eigentlich auch nicht schlimmes), und die Kinder schrieben auch ständig dass sie Hunger haben (satt kriegen wir sie momentan eh nicht, der nächste Wachstumsschub ist wohl angebrochen). Rui der Taxifahrer hielt netterweise beim gelben M, so dass unsere Mädels uns kreischend empfingen (lag bestimmt an uns und nicht am Burger).
So haben wir den Abend ausklingen lassen, über alles andere würden wir am nächsten Tag Gedanken machen. Ich habe dann im 2. Bett geschlafen, so dass ich nicht an Steffis Knie ständig rankomme nachts. Dass es ein zweites Doppelbett sein soll bezweifle ich stark, da selbst ich mit meinen süßen 1,63m mich nicht ausstrecken konnte… Baufehler??
Update: nach 3 Tage intensives Kühlen und nichts tun außer baden, ist Steffi tatsächlich in der Lage zu fahren und wir können unsere Reise fortsetzen.
