Das ist doch Kacke
Tag #49 Donnerstag, der 18.06. Von Yeniciftlik bis Sarköy Land: Türkei Die Nacht war recht kurz und hat mit dem ersten Hahnenschrei geendet. Zudem ist all


Veröffentlicht: 21.06.2026























Tag #50
Freitag, der 19.06.
Von Sarköy bis Feres
Land: Türkei / Griechenland
Geschlafen habe ich ganz gut, auch wenn ich irgendwann wieder zu den Ohrenstöpseln gegriffen habe.
Die Wellen, die an das Ufer schlagen, sind doch zu laut.
Mein Frühstück genieße ich am Strand und erfreue mich an der Aussicht auf das Wasser.
Und dann geht es auch schon los und ins Landesinnere.
Meine Entscheidung gestern an dem Strandabschnitt zu nehmen war genau richtig, nach der Abfahrt kann ich das Meer immer nur aus der Ferne sehen.
Es beginnt mit Steigungen und ich schaffe es einen Laster zu überholen, der sich mit seiner Last, er hat einen Bagger geladen, den Berg hoch müht.
Ab geht's auf Feldwege und immer drauf und runter.
So steil, dass ich oft schieben muss.
Teilweise werden mir 30% Steigung angezeigt.
Wie ahnungslos ich bin, das ist noch der angenehme Teil.
Es bleibt bei schlechten Pfaden mit teilweise faustdicken Steinen und ganz selten hab ich mal Asphalt unter den Rädern.
Wobei das nur bedingt richtig ist.
Ein längeres Stück gibt es, doch ist der Teer noch so frisch, dass er schwitzt und klebt.
Sieht toll aus, was auf meinem Fahrrad landet und ergibt auch eine schöne Maserung auf den Beinen.
Der Gegenwind macht es ebenfalls mühsam und ich weiß, dass ich mich einer starken Steigung nähere.
Da sehe ich, dass etwas versetzt eine Schnellstraße entlang führt und möchte spontan diese nehmen.
Besser die Autos, als Feld- und Waldwege.
Doch als ich dort ankomme, scheitert mein Plan vor einer höheren Leitplanke zwischen den Fahrspuren und mir bleibt nur die Wahl zwischen zurück fahren oder als Geisterfahrer unterwegs sein.
Letzteres ist keine reelle Option.
Ich hätte auch noch die Schnellstraße in die verkehrte Richtung fahren können, um irgendwann einen Übergang zu finden.
Hätte ich gewusst, was vor mir liegt, ich hätte auch mehrere Kilometer zusätzlich akzeptiert.
Da ich ahnungslos bin, kehre ich zur eigentlichen Route zurück.
Und stehe dann vor einer Steigung, die unnormal ist.
So ein Routenvorschlag gehört verboten.
Da ich jedoch keine Lust habe schon wieder umzukehren, stelle ich mich der Herausforderung und beginne den Aufstieg.
Und selbst schieben ist grenzwertig.
Die Bremsen fest in der Hand geht es über Geröll nach oben.
Das Rad ein Stück bewegen, sicheren Stand suchen und dann rutsche ich und / oder mein Rad immer wieder ein bisschen runter.
Einmal begonnen muss ich den Weg weiter gehen.
Runter wäre mörderisch.
Sehr fraglich, ob ich Griechenland heute noch erreichen werde nach dem langsamen vorankomme bisher.
Mir fehlen leider die Kapazitäten, um auf die angegebene Steigung zu achten, doch ist es steiler, als der Weg von heute Morgen.
Um es positiv zu formulieren, der Aufstieg wird dadurch leichter, dass ich kaum Wasser dabei habe.
4km 300hm über Geröll
Der Weg ist definitiv nur was für Ziegen, wovon ich kurz zuvor noch eine Herde mit Hirten gesehen habe.
Die können hier noch hoch, wie auch ihre Hinterlassenschaften zeigen.
Für Radler mehr als ungeeignet.
Dazu kommen Disteln, die mir die Beine aufkratzen und Fliegen, die mich blutig beißen.
Definitiv ein krasser Kontrast zu gestern.
Das ich zwischendurch einer Schildkröte begegne, ist nur ein kleiner Trost.
14:30 / 40km / 12,9kmh
Schlussendlich komme ich oben an und mit meinen letzten Vorräten verbringe ich die Pause.
Dringend brauche ich Wasser, mir ist auch ein bisschen schummerig.
Bei der ersten Gelegenheit die sich bietet, wechsel ich auf die Schnellstraße für die Abfahrt.
Später schickt mich das Navi sowieso hier drauf.
An einer Tankstelle hoffe ich was zu Trinken zu bekommen.
Doch der Shop hat vor langer Zeit geschlossen.
Zum Glück füllen mir die beiden Angestellten eine meiner Flaschen auf und laden mich auf einen Chai ein, den ich dankbar annehme.
Die weitere Verständigung ist schwierig, da ich erst noch lernen muss türkisch zu sprechen.
Doch es reicht für meine Grundbedürfnisse.
Im nächsten Ort steuerte ich als erstes einen Imbiss an.
Beim Essen suche ich mir aus verschiedenen Gründen eine Unterkunft für den ersten Ort hinter der Grenze, welche inzwischen doch nur noch wenige Kilometer entfernt ist.
Zum einen rechne ich mit starken Patrouillen im Grenzgebiet und habe da noch die Eindrücke aus Bulgarien vor Augen.
Zum anderen ist wild campen in Griechenland illegal und es ist schon später Nachmittag, die Zeit der Suche also eingeschränkt.
Zumal ich erst noch über die Grenze muss und unklar ist, wie lange der Übergang dauern wird.
Und zuletzt hätte ich gerne eine Dusche, um den Teer ordentlich von den Beinen abwaschen zu können.
Auf den letzten Metern vor der Grenze werde ich noch von einem Einheimischen, Deniz, begleitet, der sehr an meiner Tour interessiert ist.
Praktisch für ihn auf dem Weg zurück von der Grenze nach Hause kann er direkt die nächsten 3 Bikepacker bequatschen, die grade in die Türkei eingereist sind.
Die Passkontrolle zieht sich und so dauert es seine Zeit, bis ich wieder in Europa bin.
Also die Kontrolle bei anderen dauert, bei mir gibt's n kurzen Blick auf den Ausweis und mir wird eine gute Reise gewünscht.
Mit einbrechender Dunkelheit komme ich an der Unterkunft an, doch der Check In zieht sich wieder einmal.
Zuerst habe ich kein Internet und nachdem das geklärt ist, stelle ich fest, dass ich nach der Buchungsbestätigung keine weiteren Informationen erhalten habe.
Den Betreibern klar zu machen, dass ich hier heute bleiben will, dauert ebenfalls wieder.
Zum Glück spricht die zehnjährige Tochter englisch und kann übersetzen.
Als Entschädigung erhalte ich noch einen Teller Nudeln und Pizzastücke, das entschädigt ein wenig und hilft über den ersten Hunger hinweg, bevor ich zu meinen eigenen Vorräten greife.
Das ich das Gefühl hatte mein Zimmer wird mal eben schnell fertig gemacht und zuerst kalt duschen musste, sind dann nur noch Nebensächlichkeiten.
Viel zu spät und völlig erschöpft falle ich irgendwann in einen tiefen Schlaf.
Song des Tages:
Hatesphere - Resurrect with a Vengeance
