Dunhuang 敦煌
Von Zhangye bis nach Dunhuang war es im Vergleich zur vorherigen Zugfahrt ein Katzensprung - 600 km und 4 Stunden Zugfahrt. Die Landschaft wurde zunehmend wüstiger. An der...


Veröffentlicht: 18.06.2026




















Alles, was in diesem Bericht vom BPB zusammengefasst wird, erscheint uns nach unseren Beobachtungen, Erlebnissen und Gefühlen sehr schlüssig, auch wenn wir gar nicht für uns beanspruchen wollen, die komplexe Situation wirklich erfassen zu können): https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/54592/china-xinjiang/
Turpan fühlte sich jedenfalls sofort exotischer, fremdartiger und ungezähmter an. Für einen Moment dachte man, man hätte China schon verlassen. Zum einen erschien uns, dass die massive Überwachung mit Kameras an jeder Ecke und Polizeipräsenz erstaunlicherweise hier etwas weniger war (Spoiler: da ahnten sie noch nicht, wie das in den anderen Städten laufen würde). Wir konnten sogar Museumstickets kaufen ohne dass unsere Passnummern registriert wurden, wo gibt es denn sowas?Plötzlich sprachen die Leute unter sich kein chinesisch mehr, und die Verständigung wurde schwieriger als sowieso schon (bis dahin konnte Marike mit ihren schwachen Chinesisch-Kenntnissen wenigstens noch ein bisschen punkten, aber der Akzent/Dialekt war nun meist so stark dass man kaum wusste ob chinesich oder uigurisch gesprochen wurde. Die Kinder/Jugendlichen waren - wie so oft auf der Welt - aber offen und neugierig genug, mit uns quatschen zu wollen, meistens aber eher mit Händen und Füßen.
Tagsüber spazierten wir in der trockenen Hitze durch die Straßen und waren erstaunt, wie viele alte Lehmbauten noch vorhanden und auch bewohnt waren, und es gab gar nicht so viele der typischen chinesischen Hochhaussiedlungen. Und am Ortsrand konnte man direkt durch die Weingärten spazieren, deren Trauben vor allem für die Rosinenproduktion verwendet werden und in offenen Häusern (Chunche) im heißen Wüstenwind getrocknet werden.
Das Wasser für den Anbau der Trauben und anderer Früchte wird durch Karez-Brunnensysteme in die Gegend geleitet (ganz gut in einem Museum vor Ort erklärt). In den Bergen wurden - wahrscheinlich schon vor tausenden von Jahren - leicht abschüssige unterirdische Kanäle gegraben, was eine extreme Verdunstung in der Hitze verhinderte und das Wasser in die flacheren Gegenden transportierte. Diese Kanäle wurden in regelmäßigen Abständen mit vertikalen Schächten/Brunnen versehen, um sie zu belüften und zu warten. In der Gegend soll es über 5000km Tunnel geben, die aber nicht mehr alle genutzt werden.
Spät am Abend erwachte die Stadt dann erst richtig zum Leben - die Temperaturen waren erträglicher, und überall wurden Kebab-Spieße gebraten, Kinder spielten, Obstverkäufer priesen ihre Waren an, es roch ganz toll!
