Heute ist unser letzter Tag in Noosa und gleichzeitig Reisetag, da wir am Abend den Nachtzug nach Airlie Beach nehmen werden.
Ein Teil unserer Gruppe, inklusive mir, nimmt an einer Kajaktour durch die Everglades teil. Nein, ich bin nicht plötzlich in Florida, tatsächlich gibt es in Noosa eines von nur zwei Everglades der Welt. Wir gleiten morgens durch den sehr ruhigen See, bis wir eine Engstelle erreichen, wo wir für etwa 20 weitere Minuten zwischen vielen Pflanzen und Zikadensummen weiterfahren. An einer kleinen Raststelle gibt es ein Picknick, auf der Rückfahrt machen wir noch eine Schwimmtpause inklusive Schaukel-Fotoshooting. Schwimmen kann man übrigens nur bedingt, denn der See ist im Durchschnitt 1,5m tief - hat man keine Kraft mehr zu paddeln, kann man auch einfach aussteigen und sein Kajak bis ans Seeufer schieben. Der US-Amerikaner, der erst Oberkörperfrei kajaken will, hält übrigens Wort: Als ich ihm zurufe "Put your shirt back on, you'll get sunburned so badly!" wirft er mir zwar einen etwas genervten Blick zu, zieht sich dann aber seufzend sein Langarm-Rashshirt mit Kapuze über und ruft mir 30 Minuten später mit aufgezogener Kapuze über das Wasser zu: "You were right again!"
Nach der Kajaktour gehe ich mit zwei Mitreisenden auf die Jagd nach Mittagessen und schaue am Ende zu, weil mir zu heiß für warmes Essen ist. Nicht zu warm ist mir dafür der Iced Latte - ja, in
Australien trinke ich kalten Kaffee, auch wenn ich das sonst noch nie gemocht habe, aber es ist einfach zu heiß. Nach Essen und Kaffee bleibt nicht mehr viel zu tun, so dass noch ein wenig Zeit für Organisation (Flughafentransfers) und Umpacken (passt all mein Proviant für die Zugfahrt in diese Tasche??) ist.
Absoluter Luxus heute: Nach dem Duschen keine Sonnencreme mehr auflegen, weil ich beschließe, diese eine Stunde bis zur Zugabfahrt drinnen und im Schatten zu bleiben. Mein tägliches Morgenritual hier ist nämlich: Sonnencreme! Sonnencreme! Sonnencreme! Und anders als Lorelai in Gilmore Girls, die mit "Coffee! Coffee! Coffee!" nur ausdrücken wollte, dass sie schnell Kaffee will und nicht drei Tassen davon, meine ich es wörtlich. Oft bin ich vor halb 10 schon zum dritten Mal vollständig eingecremt, die Sonnencreme habe ich inzwischen in einem 1L-Spender gekauft und sowieso habe ich noch nie so viel über Sonnencreme gesprochen und sinniert wie hier. Aber es ist wahr: Die Sonne in Australien ist anders. Und ich bin ein bisschen stolz, erst einen etwas schlimmeren Sonnenbrand bekommen zu haben. Und tatsächlich ein bisschen Bräune.
Um kurz vor 18Uhr besteigen wir unseren Nachtzug, in dem ich lustigerweise ein bekanntes Gesicht wiedertreffe: Ein Mitreisender aus der ersten Gruppe ist gerade auch auf dem Weg weiter in den Norden. Man sieht sich eben immer mindestens zweimal im Leben. Mal mit und mal ohne Sonnencreme.