Auszeit - Reise Richtung Osten

Einmal rings um die Welt

Tokio, die grösste Metropole der Welt

Mit dem Shinkansen erreichen wir das über 450 Kilometer entfernte Tokio in sage und schreibe zwei Stunden. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 320 km/h. Ein cooles Erlebnis.

Der Ballungsraum Tokio-Yokohama führt mit seinen rund 38 Millionen Einwohner die Liste der grössten Metropolregionen der Welt an. Die Präfektur Tokio – in Japan gibt es insgesamt 47 Präfekturen – zählt rund 13 Millionen Einwohner und ist damit der bevölkerungsreichste Verwaltungsbezirk Japans. Die Präfekturen sind wiederum in kleinere Einheiten unterteilt. So besteht das Konstrukt, was wir normalerweise als 'Tokio' bezeichnen, eigentlich aus dreiundzwanzig fast selbstständigen Bezirken. Diese verfügen über einen eigenen Bürgermeister und einen eigenen Stadtrat. De facto haben wir also nicht unterschiedliche Stadtviertel, sondern ganz unterschiedliche Städte innerhalb von Tokio besucht.

Unsere kleine Wohnung lag im Tokioter Stadtbezirk Taito. Wo viele Menschen leben, gibt es bekanntlich für die einzelnen Individuen nur wenig Platz. Unser Reich bestand aus einem Wohn-/Schlafzimmer, einer winzigen Küche und einem kleinen Bad. Die niedrige Decke liess die Wohnung zudem noch viel kleiner wirken. Mathias musste beim Durchqueren der Türen jeweils den Kopf einziehen. Auch wenn unser Zuhause insgesamt etwas beengend war, genossen wie es, wieder einmal eine ganze Wohnung unser eigen nennen zu dürfen. Die Lage unserer Unterkunft war zudem ideal. In der Nacht war es ruhig, da wir in einem Wohnquartier hausten. Und mit der Metro konnten wir die Hauptattraktionen schnell erreichen.

Einige Dinge waren gar in Gehdistanz. Wie beispielsweise der Stadtteil Asakusa, wo sich der bekannte Senso-ji Tempel befindet. Dieser ist der älteste und bedeutendste buddhistische Tempel Tokios. Der einstige Unterhaltungsbezirk verlor nach dem Zweiten Weltkrieg an Popularität. Heute ist Asakusa vor allem für seine Einkaufspromenade Nakamise bekannt. Nach dem Besuch des Tempels liessen wir uns von der Menschenmasse durch die Einkaufsstrasse treiben. Unserer Ansicht nach boten fast alle Stände das Gleiche feil: Fächer, Figürchen, kleine Schutzbriefe und weitere Souvenirs.

Wie bereits in Osaka und Kyoto nahmen wir auch in Tokio an einer Free Walking Tour teil, beziehungsweise an zwei Touren. Auf der Tagestour erfuhren wir einiges über die Geschichte Tokios (ehemals Edo) und die Kultur Japans. Der Rundgang startete in Akihabara, das für zwei Dinge bekannt ist: Den japanischen Elektronikhandel und die Otaku. Otaku ist die japanische Bezeichnung für einen Streber; in diesem Kontext ein Fan von Viedospielen. Besonders bekannt ist Akihabara in den Bereichen Anime (Animationsfilme) und Manga (Comic). Speziell sind die Maid Kaffees. Die Kellnerinnen sind als elegante Hausmädchen verkleidet. Unsere Führerin versuchte uns zu erklären, wieso Japaner gerne diese Lokale frequentieren. Ihr Theorie ist, dass sich die Menschen im Alltag, vor allem im Job, stark unterwerfen müssen. Im Maid Kaffee ist dies genau umgekehrt. Die Mädchen gehorchen den Kunden und unterhalten diesen (wobei hier keine sexuelle Komponente im Spiel ist). Wir haben uns gegen einen Besuch eines solchen Kaffees entschieden. Die Atmosphäre muss gemäss Berichten für uns Europäer äusserst komisch und schräg sein, zudem ist ein Besuch nicht gerade kostengünstig. Auf dem Weg zum Ueno Park, das Endziel der Tour, passierten wir noch die drittgrösste Einkaufsstrasse Tokios. Wir entdeckten vor allem viele Restaurants und Marktstände – sogar mehrere Kebab-Stände. Einmal mehr haben wir durch die geführte Tour versteckte Orte gefunden.

Der Ueno Park könnte als Museumsviertel der Stadt bezeichnet werden. Hier befindet sich nicht nur das Tokio-Nationalmuseum, sondern auch Tokio Royal Museum, das Museum für westliche Kunst, das Museum für Naturwissenschaften, das Museum für japanische Kunst etc. Wir besuchten an zwei unterschiedlichen Tagen das Nationalmuseum und das Museum für Naturwissenschaften. Beide Museen entpuppten sich als riesige Komplexe. Das Nationalmuseum ist in mehreren mehrstöckigen Gebäuden untergebracht. Wir lernten einiges über die Geschichte Japans von seinen Anfängen bis zum heutigen Tag. Nach drei Stunden verliessen wir müde den Museumskomplex. Eigentlich hätte es einen ganzen Tag gebraucht, um alles in Ruhe betrachten zu können. Um ehrlich zu sein, kann der Mensch, oder zumindest wir nicht, an einem Tag gar nicht so viele Informationen aufnehmen. Auch das Museum für Naturwissenschaften war gewaltig. Die Ausstellung verteilte sich auf sechs Stockwerken. Leider war nicht alles ins Englische übersetzt. Gerade bei den Experimenten, die man teilweise selbstständig durchführen konnte, war dies schade. Ohne Anleitung waren wir total planlos. Der Rest der Ausstellung gefiel uns aber sehr gut.

Wer Tokio besucht, sollte sich das Nachleben der Stadt anschauen. Dieses spielt sich vor allem in den Bezirken Shinjuku und Shibuya ab. Mit einer Tour besichtigten wir Shinjuku, um mehr über das Nachtleben in Erfahrung zu bringen. Die Gruppe traf sich am Bahnhof von Shinjuku. Mit rund drei Millionen Passagieren täglich gehört der Bahnhof, dieser besteht aus elf Stationen, zu den verkehrsreichsten Bahnhöfen der Welt. Die Führung durch die Strassen von Shinjuku war spannend. Der Guide, der einen Grossteil seines Lebens in Amerika verbracht hat, war zum Glück alles andere als verklemmt. In diesem Stadtteil befinden sich nämlich nicht nur sehr viele Restaurants und Bars, sondern auch das Rotlichtviertel und zahlreiche 'Love-Hotels'. Die Prostitution ist in Japan übrigens seit Ende der 1950er Jahren verboten. Im Zentrum des Viertels stehen dementsprechend auch andere Dienste. Bei Männern und Frauen besonders beliebt, ist der Besuch eines Hostessen-Clubs. Hier kann man sich mit hübschen jungen Damen und Herren unterhalten. Der Guide wies darauf hin, dass viele Menschen so ihr Vermögen verlieren, weil sie sich unglücklich verlieben. Uns kommt das Ganze etwas sonderbar vor. Wieso sollte man so viel Geld bezahlen, um mit einer Person zu sprechen? Die Antwort liegt wohl in der japanischen Kultur. Geht eine Gruppe Freude zusammen in den Ausgang, so wird strickt mit keiner anderen Person gesprochen, die nicht zur Gruppe gehört. Selbst dann nicht, wenn man die Person kennt. Dies klingt in unseren Ohren nicht nur seltsam, sondern verrückt. Kein Wunder ist die Geburtenrate in Japan so stark rückläufig... Die Bilder der männlichen und weiblichen Hostessen hängen übrigens an jeder Hauswand. Uns persönlich gefielen weder die abgebildeten Männer – diese sind sehr feminin –, noch die Frauen. Viele Frauen ähneln doch sehr stark einer Barbie-Puppe. Auf uns wirkt alles künstlich und sehr stark gephotoshopt (riesige Augen, perfekte Lippen, sehr helle Haut etc.). An Shinjuku gefielen uns die vielen kleinen Bars, die meistens noch kleine Snacks verkauften. An der sogenannte Memory Lane reiht sich eine Bar an die nächste. Die meisten bieten nicht mehr als zehn Sitzmöglichkeiten. Nach der Führung gingen wir zusammen mit einem amerikanischen Paar zurück in die Memory Lane, um das japanische Bier und unterschiedliche Spieschen zu kosten. Uns gefiel die Atmosphäre sehr gut. Etwas mühsam gestaltete sich die Heimfahrt. Auch in Tokio fährt die letzte U-Bahn um Mitternacht. Bei den elf Stationen um Shinjuku hatten wir Mühe, den richtigen Bahnhof zu finden. Leider war auch die Beschilderung nur mässig gut. Mithilfe zweier Lokalen Damen klappte es dann doch noch und wir erreichten pünktlich unseren Anschlusszug. Wer das Nachtleben in Tokio geniessen möchte, hat zwei Optionen. Entweder die ganze Nacht durchfeiern und mit der ersten U-Bahn nach Hause fahren oder ein Hotel in Gehdistanz buchen. Viele Japaner entscheiden sich für die erste Variante. Die Zeit verbringen sie in einer Karaoke-Bar. Als Gruppe mag dies unterhaltsam sein, aber zu zweit war dies für uns definitiv keine Alternative.

Die zweite Ausgangsmeile befindet sich in Shibuya. Mit seinen vielen Einkaufsmöglichkeiten und modernen Gebäuden wirkte Shibuya sehr hip auf uns. In der Shopping-Meile sind alle teuren Kleidermarken vertreten. Bevor wir unsere Erkundungstour starteten, schossen wir einige Bilder von der berühmtesten Kreuzung Tokios. Schalten die Ampeln auf grün, überqueren hier bis zu 3000 Menschen gleichzeitig die Kreuzung. Ein riesiger Menschenauflauf – faszinierend und beängstigend zugleich. In Shibuya trafen wir überdurchschnittlich viele junge Japaner an. Viele Geschäfte sind auch genau auf diese Zielgruppe ausgerichtet.

Vom 'Tokyo Sky Tree', dem 634 Meter das zweithöchste Gebäude der Welt, überblickten wir die Stadt. Leider vernebelte der Smog die Aussicht. An guten Tagen kann man vom Sky Tree aus den berühmten Mount Fuji sehen. So weit das Auge reichte, sahen wir Hochhäuser, die in den Himmel emporragten. Die Stadt Tokio ist einfach gewaltig gross.

Von Tokio fliegen wir weiter auf Hong Kong. Die nächste Grossstadt wartet bereits auf uns.

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