Auszeit - Reise Richtung Osten

Einmal rings um die Welt

San Cristóbal de las Casas

Rund sechs Stunden dauerte die Fahrt nach San Cristobal de las Casas. Die Strassen waren eng gewunden. Unseren Fahrer war dies herzlich egal, Stempel runter und Fracht abladen. Unterwegs entdeckten wir äusserst dubiose Strassensperren. Wir hatten im Vorfeld gelesen, dass die Einheimischen von den Reisenden häufig illegale Zölle für die Durchfahrt verlangen. Unsere Wagenkolonne – zwei weitere Minibusse derselben Kompanie fuhren vor und hinter uns – wurde glücklicherweise nicht aufgehalten. Ein solcher Stopp könnte für Touristen wie uns Risiken mit sich bringen – gerade so nahe an der Grenze zu Guatemala. Zwischenfälle hat es in den letzten Jahren allerdings nur sehr wenige gegeben.

Dankbar verlassen wir in San Cristobal den Minibus. Nach dieser sechsstündigen Achterbahnfahrt ist uns ganz schwindelig zumute. Unser Airbnb befindet sich in einer ruhigen Strasse nur zwei Blocks vom Zentrum entfernt. Wir laden unser Gepäck ab und begeben uns schnurstracks zum Hauptplatz. Anlässlich des mexikanischen Nationalfeiertags (16. September) trat eine Band auf. Die halbe Stadt hatte sich auf dem Platz versammelt. Wir waren etwas enttäuscht, den 'Schrei' verpasst zu haben. Dabei handelt es sich, gemäss Angaben unseres mexikanischen Kollegen, um die ursprünglichen Worte der Unabhängigkeitserklärung – 'Viva Mexico'. Die Band war ein Verschnitt zwischen David Hasselhof und lateinamerikanischer Musik. Unseren Geschmack traf er nicht, zumal uns weder seine Stimme, noch sein Hüftschwung zu überzeugen vermochten. Auch das restliche Publikum reagierte unserer Meinung nach sehr verhalten auf die doch etwas alberne Vorstellung. Wir liessen David hinter uns und folgten der Menge in die Hauptgasse. Die Restaurants und Bars waren mit Leuten gefüllt und die Stimmung war angenehm entspannt. Wir verzichteten auf das Abendessen – uns war von der Fahrt immer noch flau im Magen – und gingen kurz nach Mitternacht ins Hotel zurück.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Städtchen. San Cristobal de las Casas hat einen einzigartigen Charme. Die Häuschen sind farbig gestrichen, der Boden besteht aus Kopfsteinpflaster und an jeder Ecke gibt es kleine Geschäfte oder Restaurants. Die Stadt ist insgesamt sehr sauber und gepflegt. Auf dem Mercado de Artesanias geknüpfte Armbändchen, Lederwaren, Steine (vor allem Bernstein aus der Region), Kleider mit Strickmustern, kleine Beutel und Taschen und so weiter verkauft. Viele Dinge werden von den Verkäuferinnen und Verkäufer selber hergestellt. Wir hatten den Eindruck, dass sich vor allem die indigene Bevölkerung so ihren Lebensunterhalt verdient. In San Cristobal sind auch viele Strassenhändler unterwegs. Darunter auch viele Kinder, die Bändeli und andere Dinge verkaufen. Wir hatten den Eindruck, dass die meisten nicht zur Schule gehen. Kleinkinder wurden von ihren Müttern in Tücher gewickelt mitgetragen. Auffällig war aber auch, wie gepflegt, dass selbst diese Leute waren. Auf dem Hinweg hatten wir viele Dörfer passiert, wo Menschen in schmutziger Kleidung durch die Gegend gingen.

Für den Folgetag hatten wir uns einen Ausritt ins benachbarte Örtchen San Juan Chamula gebucht. Wieder einmal überraschten uns die lokalen Preise. Der Ausflug beinhaltete Transport und einen zweistündigen Ritt – dies alles für 10 Franken pro Person. In einem super alten Pickup wurden wir zum Ausgangspunkt chauffiert. Nur wenige Minuten nach Abfahrt setzt ein heftiger Regen ein. Auf der Rückbank waren wir davor natürlich nicht geschützt. In Gegensatz zu den anderen Touristen hatten wir aber unsere Regenjacken mitgebracht. Der Fahrer gab uns noch eine Plane und die Fahrt ging weiter. Dies verhinderte aber nicht, dass der Regen uns gegen den Hintern und die Beine klatschte. Folglich erreichten wir den Pferdehof ziemlich durchnässt. Immerhin stoppte der Regen mit der Ankunft. Der Start ins Ausrittabenteuer war damit ins Wasser gefallen. Jeder von uns erhielt ein Pferd zugewiesen. Die Verständigung war erneut nicht einfach, da niemand Englisch sprach. Von der Einweisung verstanden wir weniger als einen Viertel. Dies spielte jedoch keine Rolle. Die Pferdchen waren zahm und kannten den Weg. Wir genossen die saftig grüne Umgebung. Auf dem Weg passierten wir kleine Dörfchen. Ohne Zwischenfall erreichten wir San Juan Chamula. Hier hatten wir rund eine Stunde Zeit, um uns umzuschauen. Als erstes besuchten wir die Kirche. Der Boden war mit Stroh bedeckt und überall (wirklich überall!) brannten Kerzen. Eine mystische – oder für uns eher gruselige – Stimmung. Entlang des Hauptschiffs standen dutzende Kästen mit unterschiedlichen Heiligen. Die Gesichter bestanden wohl aus Porzellan und wirkten durch den Kerzenrauch angsteinflössend. Wir beobachteten rituelle Gebete. Ein Teil des Rituals war das Trinken des selbst gebrannten Schnapses – in diesem Fall Tequila. Beim Verlassen der Kirche waren wir fast froh, diesem unheimlichen Ort entkommen zu sein. Draussen trafen wir auf drei unserer 'Mitreiter'. Diese boten uns einen Shot Tequila an. Das selbst gebrannte Zeug schmeckte erstaunlich gut, aber war erwartungsgemäss sehr stark. Auf eine zweite Degustation verzichteten wir höflich. Wir überquerten den Marktplatz. Die meisten Stände waren bereits zusammengeräumt – der Markt beschränkt sich offenbar auf den Morgen. Wir streiften durch einige Gassen und kehrten zu unseren Pferden zurück. Diese machten im Übrigen einen gesunden Eindruck auf uns. Alle waren gut genährt und wiesen keine Spuren von Misshandlung auf. Auf dem Pferderücken ging es zurück zum Ausgangspunkt. Der Ausflug wird uns in guter Erinnerung bleiben.

Nach dem Ausritt stiegen wir die Stufen zur Kathedrale in San Cristobal empor, um von hier aus einige Bilder zu schiessen. Leider zogen erneut dunkle Wolken auf. Die Bilder sind dadurch leider ziemlich düster geraten. Nicht gerade eine repräsentative Darstellung dieser lebensfrohen Stadt. San Cristobal könnte auch 'die Stadt der 'Käfer' genannt werden. Wir entdeckten überdurchschnittlich viele VW Käfer – in allen Farben und Zuständen.

Den Abend liessen wir bei einem chicen Essen beim Italiener ausklingen. Nach all den mexikanischen Gerichten kam diese Abwechslung gerade gelegen.

Morgen geht es mit dem Bus weiter nach Oaxaca. Vor uns liegt erneut eine äusserst kurvenreiche Strecke.

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