Tag 16 New Richmond
Ich glaube, heute gibt es gar nicht so viel zu erzählen – wir sind ja immer noch auf dem Weg nach Prince Edward Island. Und doch: Es war ein Tag, an dem wir uns wirklich einfach...


Veröffentlicht: 18.07.2025
Heute ist so ein Tag, an dem ich eigentlich gar keine Lust habe zu schreiben. Und trotzdem schreibe ich – ein bisschen. Vielleicht gerade deshalb.
Heute haben wir ganz nebenbei eine neue Provinz betreten. Einfach so. Zack, über die Brücke – und plötzlich stand da:
New Brunswick.
Das allein wäre ja schon ein kleiner Moment wert gewesen. Aber dann kam das eigentlich Witzige: Wir wechselten gleichzeitig auch die Zeitzone. Ohne es zu merken.
Wir wunderten uns nur, warum es plötzlich schon 11:30 Uhr war – und warum wir noch nicht mal ans Frühstück gedacht hatten, geschweige denn an Mittagessen. Da fährt man über eine Brücke und hat plötzlich eine Stunde gewonnen oder verloren - je nachdem ! Echt merkwürdig !
Ein bisschen wehmütig war ich trotzdem:
Der französischsprachige Teil Kanadas liegt nun hinter uns.
Ich hatte doch Spaß an „bonjour“ und „merci“ gefunden und war überrascht, dass ich doch mehr verstand und sprechen konnte, als ich dachte. Es war ein bisschen Urlaub im Urlaub, auch wenn mir Englisch deutlich leichter fällt.
Jetzt also New Brunswick. Neue Provinz, neue Uhrzeit und auch ein neuer kleiner Abschnitt auf unserer Reise: morgen treffen wir nämlich unsere afrikanischen Freunde wieder.
Und ehrlich gesagt – ich hab ein bisschen Angst davor. Nicht konkret, nur so ein Gefühl. So, als ob sie sich vielleicht gar nicht richtig freuen, dass wir kommen.
Vielleicht, weil sie nicht so überschwänglich schreiben –jedenfalls nicht so wie englischsprachige Freunde das sonst oft tun Und ich ? Ich bin aufgeregt, ich freu mich wirklich –und habe das auch offen zum Ausdruck gebracht. Sie nicht. Also dieser kleine Zweifel ist da. Ich kann’s nicht genau erklären.
Dafür haben wir heute was richtig Lustiges gemacht: Tubing!
Ich hatte das noch nie vorher gemacht. Man wird mit dem Auto an eine Stelle am Fluss gefahren, setzt sich dort in große Reifen – und lässt sich einfach 1–2 Stunden lang den Fluss hinunter treiben, bis man wieder rausgefischt wird. Man braucht nichts außer: genau - einer Haftungserklärung. Wirklich nichts.
Die Profis kamen in großen Gruppen, wurden alle zusammengebunden und hatten in der Mitte ein Extraboot – mit Proviant, Musikbox und Getränken. Das sah echt nach Spaß aus. Ich glaube, in so einer Gruppe ist das richtig witzig.
Wir beide waren auch zusammengebunden – allerdings nur mit einer Wasserflasche im Trinkbehälter. Immerhin.
Mika hat uns zwischendurch immer mal wieder angeschoben, wenn es zu langsam ging. Ich selbst hatte ein bisschen Mühe, wieder auf den Reifen zu kommen – aber genau dabei haben wir viel gelacht. Es war schön. Natürlich haben wir die Handys im Auto gelassen, daher nur ein Foto aus dem Netz.
Am Abend waren wir essen und haben uns ein bisschen schick gemacht – weil’s unser letzter Abend auf der Rundreise war. Wir waren jetzt 2,5 Wochen zu zweit unterwegs und ich muss sagen: Es war schon eine sehr besondere Zeit.
Jetzt sitze ich im Hotelzimmer und schreibe das hier, während Mika – natürlich – im Gym ist. (Ich hatte gestern vergessen zu erwähnen, dass für Mika ein gutes Hotel neben stabilem WLAN und Wasserkocher vor allem eines haben muss: ein Gym. Dieses Hotel hat sogar ein besonders gutes. Mika hat die Note zwei vergeben)
Ich bin ein bisschen still, ein bisschen wehmütig. Nicht traurig, aber… dieses Gefühl, wenn ein Abschnitt zu Ende geht. Außerdem bin ich etwas kaputt – und freue mich auf das Wiedersehen morgen, trotz Nervosität.
Erkenntnis des Tages:
Neue Provinz, neue Zeitzone – und irgendwie auch ein neuer Abschnitt. Mit viel Dankbarkeit für alles, was wir bisher erleben durften.
