Tag 22 Abschied mit Sonnenschein
Wie schön, dass heute wieder die Sonne schien – da fängt der Tag doch gleich ganz anders an. Heute ging es früh los, denn der Kindergarten öffnet bereits um 7 Uhr. Um 7:10 Uhr...


Veröffentlicht: 24.07.2025
Gemütlich ausgeschlafen – soweit das mit Kindergarten im Haus ab 7 Uhr möglich war. Direkt nach dem Aufstehen erhielten wir eine Warnung aufs Handy: Es wurde nach einem bewaffneten Mann gefahndet, der sich in der unmittelbaren Gegend aufhielt. Man solle Schutz aufsuchen und sich nicht über eine erhöhte Polizeipräsenz wundern.
Das Positive daran: Manche Eltern brachten ihre Kinder vorsichtshalber nicht in den Kindergarten – und Stephanie freute sich ehrlich über die kleinere Gruppe. ☺️ Ich verstehe sie gut.
Nach zwei Stunden wurde der Alarm aufgehoben – der Mann war gefasst. Wir blieben noch eine Weile im Kindergarten und ich war wieder ganz verzückt, wie Victor und Stephanie mit den Kindern gespielt und gesungen haben. Total süß. Victor sagt, er liebt das und ich glaube es ihm aufs Wort.
Dann war es Zeit für den Abschied. Wir machten uns auf den Weg – wieder über die beeindruckende Brücke (Maut 50 Dollar!) und hinein in eine neue Provinz: Nova Scotia, zu Deutsch Neuschottland. Die Autofahrt dauerte rund drei Stunden und führte uns durch herrliche Landschaft: Wälder über Wälder, dazwischen Seen und Flüsse, stetig bergauf und bergab. Unser Ziel: Halifax.
Unser Hotel liegt direkt an einem kleinen See – sehr schön eigentlich, nur leider ist das Gebäude derart herunter gekühlt, dass man im Flur wirklich fast eine Jacke braucht, wenn man auf den Aufzug wartet. Das verstehe ich überhaupt nicht. Auch in den Supermärkten ist es so kalt wie bei uns höchstens direkt an der Kühltheke, völlig überflüssig und gut anfühlen tut es sich auch nicht.
Am Nachmittag verbrachten wir noch eine Weile am See – in diesen bunten Stühlen, die es hier wirklich überall gibt. Ich bin total begeistert davon. Zum einen machen sie das Stadtbild einfach freundlicher, zum anderen fördern sie einfach die Kommunikation. Man setzt sich hin, schaut gemeinsam aufs Wasser, kommt ins Gespräch oder schweigt einfach nebeneinander. Und sie sind – ganz nebenbei – auch wirklich bequem.
Weil ich wissen wollte, woher diese Stühle eigentlich kommen, habe ich kurzerhand Google gefragt – und siehe da: Die Idee stammt aus den kanadischen Nationalparks. Seit 2011 stellt „Parks Canada“ sie an besonders schönen Orten, die sogenannten „Red Chairs“ (rote Stühle – inzwischen oft auch bunt) Sie sollen dazu einladen, einfach innezuhalten, die Aussicht zu genießen, zur Ruhe zu kommen – oder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Mittlerweile findet man sie nicht nur in den Nationalparks, sondern auch in Städten, an Seen, Flussufern, Wanderwegen – eben überall dort, wo man gern verweilen möchte.
Sie signalisieren: Hier darfst du einfach sein. Kein Konsum, kein Zwang – nur sitzen, schauen, spüren. als Einladung zum Innehalten, zum Dasein, zum „Einfach-mal-sitzen“. Inzwischen sind sie fast ein Symbol für kanadische Gelassenheit und Gastfreundschaft geworden. Viele bestehen sogar aus recyceltem Material. Ich liebe diese Idee!
Am Abend beschlossen wir, nochmal in die Stadt zu fahren – und ich war total begeistert! Halifax ist eine überraschend gemütliche Stadt, obwohl sie rund 500.000 Einwohner hat. Besonders beeindruckt hat mich ein großer Park mitten in der Stadt: Überall Menschen, die verschiedenste Sportarten ausübten – Baseball, Fußball, Hockey, Skaten. Alle Altersgruppen, alle Nationen – und überall eine tolle, friedliche Stimmung. Auch hier gibt es überall Zuschauerbänke, auf denen man einfach Platz nehmen kann - voll schön.
Ein besonderes Highlight war die große Bahn, auf der man sich kostenlos Fahrräder, Inliner und andere Sportgeräte ausleihen kann – einfach gegen Vorlage eines Ausweises. Sie wurde ursprünglich für die Canada Winter Games 2011 gebaut und ist so groß wie drei Hockey Eisfelder. Im Winter wird daraus eine Eisbahn, im Sommer dient sie als Treffpunkt für alle, die sich bewegen wollen. Es gibt sogar spezielle Tage für Menschen, die weniger Reizen ausgesetzt sein möchten – sogenannte Sensory Days. Was für ein großartiges Konzept!
Im Abendlicht hatte die Stadt etwas ganz Besonderes. Wir sind einfach herumgelaufen, haben hier und da zugeschaut, sind stehengeblieben, weitergezogen.
Es war rundum schön. Jetzt sind wir im Hotel und haben morgen unseren letzten Tag vor dem Abflug.
Erkenntnis des Tages:
Ich glaube, ich hätte auch gern so einen Park. Einen mit Platz für Menschen, wo man einfach mal hinkommen und bleiben kann. Egal, ob man mitmachen oder einfach nur zuschauen möchte. Und natürlich mit bunten Stühlen, die sagen: „Setz dich. Schön, dass du da bist.“
