Tag 19 PEI - ein Tag am Strand
Vorweg: den gestrigen Tag habe ich gestern an Tag 18 ergänzt. Eigentlich wollten wir heute in einen Freizeitpark fahren – aber Perry war ein bisschen krank, also haben wir...


Veröffentlicht: 21.07.2025
Heute hat es den ganzen Tag geregnet. Ein perfekter Sonntag zum Chillen.
Am Morgen haben wir uns aber alle erst mal zurechtgemacht, um in die Kirche zu gehen. Victor hatte die halbe Nacht gekocht und heute Morgen ab sieben gleich weitergemacht. Ich bewundere seinen Einsatz wirklich sehr. Kurz vor zehn waren wir dann gestylt und startklar, sammelten unterwegs noch ein paar Leute ein, die kein Auto haben, und fuhren gemeinsam zur „Kirche“.
Wobei – Kirche ist vielleicht das falsche Wort. Der „Service“, wie sie es nennen, fand in einem kleinen Besprechungsraum eines Hotels statt, den sie extra angemietet hatten. Es waren vielleicht 12, 14 Leute. Victor eröffnete den Gottesdienst mit einer Bibelstelle aus einem kleinen Heft, dann bat uns jemand anderes, uns zu überlegen, wofür wir Gott danken wollen. Alle murmelten laut Dankesworte, manche mit erhobenen Händen – Mika und ich waren eher still. Danach wurde eine Live-Übertragung aus Nigeria gezeigt, bei der ein Pater Menschen heilte, während ein Gospelchor sang. Der Text erschien auf dem Bildschirm – Mitsingen erwünscht. Auch hier blieben wir Beobachter.
Zum Schluss wurde ein Tisch in die Mitte gestellt. Jeder berichtete, wo ihm Gott begegnet sei, während wir gemeinsam die Speisen aßen, die Victor vorbereitet hatte. Und dann kam ein rührender Moment: Victor erzählte allen, dass wir ihn aufgenommen haben – und dass das sein Leben sehr berührt habe. Er sagte, er werde uns nie vergessen. Alle stimmten ihm zu, bedankten sich bei uns. Das hat mich wirklich sehr berührt.
Nach zwei Stunden war alles vorbei. Der Raum wurde geräumt, die Rechnung fürs Hotel bezahlt, und wir fuhren zurück.
Es ist nicht meine Art zu beten, nicht mein Zugang zum Glauben – aber ich bin tief beeindruckt vom Engagement und der Überzeugung, mit der Victor und Stephanie ihren Weg gehen.
Am Nachmittag machten Mika und ich einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt der Insel – etwa 40 Minuten entfernt. Es war nett, mehr nicht. Aber Eis und Cappuccino gab’s – was will man mehr?
Zuhause haben wir lange diskutiert – über Trump, Flüchtlingspolitik und darüber, wie der Staat ausgenutzt werden kann. Ich muss sagen: Stephanie und Victor haben eine sehr reflektierte, gesunde Haltung. Pflichtbewusst, unabhängig, eigenständig – das beeindruckt mich.
Später haben Victor und ich versucht, mit sehr wenig Werkzeug ein Sideboard an die Wand zu hängen. Viel Tüftelei, noch nicht fertig – aber wir hatten Spaß.
Und Perri? Taut langsam auf. Jetzt hört er gar nicht mehr auf zu reden. Das ist süß.
Ich weiß schon, warum ich diese Familie von Anfang an mochte. Ich hab sie einfach in mein Herz geschlossen. ❤️
