Tag 18 Wiedersehen auf Prince Edward Island
Es ist schon elf Uhr am Abend. Ich glaube, das wird wirklich der kürzeste Eintrag. Morgen erzähle ich ausführlicher. Unsere Reise zu der Insel war sehr schön und wir wurden...


Veröffentlicht: 20.07.2025
Vorweg: den gestrigen Tag habe ich gestern an Tag 18 ergänzt.
Eigentlich wollten wir heute in einen Freizeitpark fahren – aber Perry war ein bisschen krank, also haben wir umdisponiert. Statt Achterbahn und Trubel entschieden wir uns für einen entspannten Ausflug an den Strand, der laut Internet der schönste der ganzen Insel sein soll.
Lustigerweise waren unsere Freunde noch nie dort – obwohl sie seit über zweieinhalb Jahren hier leben. Wir mussten oft lachen: Wir, die Besucher, geben den Einheimischen Tipps, was man auf ihrer Insel so alles machen kann.
Stephanie war bei der Idee Strand nicht total begeistert – sie ist absolut keine Freundin der Sonne. (Sie liebt den Schatten und Klimaanlage)
Wir mussten herzlich lachen, als wir über die Unterschiede sprachen:
Wir Europäer wollen möglichst braun werden, die Afrikaner hingegen vermeiden jede zusätzliche Sonnenfarbe.
Ich habe sie gefragt, warum – und sie meinte: „Weil man sonst auf Fotos kaum noch zu sehen ist“ und ich muss sagen, Sie hat nicht ganz unrecht. Was ich auch nicht wusste: Schwangere Frauen bekommen wohl besonders schnell dunklere Haut, vor allem im Gesicht und am Hals.
Trotzdem sind wir gemeinsam losgezogen – an einen wirklich schönen roten Strand, an dem bei Ebbe kleine Priele entstanden.
Wir haben mit Perry Sandburgen gebaut, Muscheln gesammelt, Krebse beobachtet – und einfach das gemacht, was man eben am Strand so macht. Mika und ich haben rumprobiert, wie das nochmal mit dem Haus vom Nikolaus geht. Wisst ihr es ?
Das Wetter war herrlich, die Stimmung gut, die Landschaft weit und schön – einfach ein angenehmer, kurzweiliger Tag.
Zurück zu Hause gab’s dann wie immer den Mittagsschlaf für alle, danach haben Mika und ich gekocht, damit wir abends wieder gemeinsam essen konnten.
Viel mehr haben wir heute gar nicht gemacht – aber genau das war richtig gut so: Ein chilliger Tag.
Morgen wird’s spannend: Mika und ich begleiten Victor und Stephanie in die Kirche. Sie haben hier eine eigene kleine Gemeinde gegründet – mit aktuell zehn Mitgliedern. Victor hat erzählt, dass sie sich jeden Sonntag treffen, gemeinsam singen, in der Bibel lesen, sich austauschen, darüber sprechen, wo sie Hilfe brauchen oder wo sie Gott begegnet sind –und danach wird zusammen gekocht und gegessen.
Ich finde das richtig interessant – ein bisschen gemischte Gefühle habe ich schon, aber ich bin vor allem neugierig. Victor meinte, er habe den anderen schon von uns erzählt – und dass sie sich freuen würden, wenn wir mitkommen.
Wir sind also eingeladen mitzukommen und ich werde auf jeden Fall berichten, wie es war.
Heute habe ich viel über das Thema Zuhause und Heimat nachgedacht.
Für unsere Freunde ist das Thema wirklich schwierig. Sie leben hier – aber wirklich perfekt ist es nicht. Sie haben wenige Kontakte, vermissen Familie und Bekanntes.
Ich habe gemerkt, wie sehr ich das Glück habe, mich irgendwo zu Hause zu fühlen. Dass es Menschen und Orte gibt, die sich vertraut und sicher anfühlen.
Und das ist meine Erkenntnis für heute: wie schön wenn man Heimat hat und in dem Land leben kann, in dem man geboren wurde.
Und noch ein Entschluss zum Schluss:
Wir haben heute außerdem entschieden, einen Tag früher von der Insel abzureisen.
Die lange Brücke, die einzige Verbindung zum Festland, macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Sorgen. Was, wenn sie gesperrt wird? Bei starkem Wind oder einem Unfall kann das wohl passieren – das hat Victor uns erzählt.
Und da wir ja unseren Rückflug nicht verpassen wollen, nehmen wir kein Risiko. Wir fahren also einen Tag eher los und verbringen die letzte Nacht in Halifax, von wo aus wir dann zurückfliegen.
Ich freue mich auf morgen – und bin gespannt auf diese kleine Kirche.
