Tag 9 Ottawa - Stromschnellen, Klippensprung und Türkisch essen
Ich glaube, heute wird es nur ein kurzer Eintrag – irgendwie bin ich total müde. Gefrühstückt haben wir im Zimmer – Reste: Joghurt, Toast, Schinken. Kaffee gibt’s ja immer im...


Veröffentlicht: 11.07.2025
Der Tag begann eigentlich ganz harmlos:
Kaffee am Morgen, Mika noch mal im Gym – dann los, nur eine kurze Fahrt in den französischen Teil. Ich wusste schon, dass wir heute in einer sogenannten Zuckerhütte übernachten würden. Was das eigentlich bedeutet, wusste ich ehrlich gesagt nicht so genau. Auf der Karte sah es nach Wald aus, die Fotos zeigten kleine Holzhütten – klang alles ganz charmant.
Als wir ankamen, roch es schon von weitem nach Lagerfeuer – den Geruch liebe ich. Begrüßt wurden wir von einem älteren Mann mit weißem Haar, großem Rauschebart – sehr viel Santa Claus-Energie. Er ist der Besitzer der Zuckerfabrik und berichtete gleich stolz von seiner Reise in die DDR.
Unsere Hütte ist… sagen wir mal: interessant.
Auf Fotos wirkte sie heller. In echt ist sie ziemlich dunkel, sehr urig, sehr wenig Licht, etwas schummrig und leicht unheimlich – aber mit Streifenhörnchen, schwarzen Eichhörnchen und auch Bibern. Also: plus Punkte.
Wir wurden herzlich empfangen – wirklich persönlich, und das war schön.
Dann wollten wir noch den nahegelegenen Ort erkunden – Tiere gucken und ein bisschen die Gegend anschauen. Nach 10 Minuten Fahrt blinkte das Auto plötzlich: Reifen platt.
Ich erinnerte mich, vorher schon ein Klackern gehört zu haben – typisches Nagelgeräusch. Also zurück zur Unterkunft, Service-Hotline angerufen, alles ganz vorbildlich. Man versprach schnelle Hilfe. Ihr erinnert euch an die Versicherung, die uns die Frau aufquatschte ? Genau für diesen Zweck sollte sie sein. Ein bisschen feierten wir, dass wir diese abgeschlossen haben 😅.
Und dann stand sie da: eine riesige Abschleppfrau mit Riesen-Abschleppwagen – die leider nur Französisch sprach. Mika rannte los, um Hilfe zu holen – und kam mit dem Wirt zurück, der uns übersetzte. Am Ende wurden wir samt kaputtem Auto zum McDonald’s gebracht (ja, wirklich) und von dort aus mit dem Uber zur nächsten Autovermietung.
Dort angekommen: niemand wusste Bescheid. Kein Auto. Kein Plan. Und Englisch sprach auch keiner. Zumindest hat uns der freundliche Mann unser Handy aufladen lassen.
Ich habe sieben (!) Mal telefoniert, wurde dauernd weitergeleitet, weinte am Ende fast am Telefon und bettelte um Hilfe: „Please help, I have a little child with me – I’m in the middle of nowhere!“
Half alles nichts.Keiner konnte helfen und richtig Englisch sprechen auch nicht.
Also: zurück mit dem Uber zur Unterkunft – mitten in den Wald.
Der Typ in der Autovermietung erklärte uns übrigens noch, dass der Vertrag mit der Firma endet, sobald das Auto kaputt ist. (Na super.) Ich hoffe, das ist Quatsch – aber heute Nacht kann ich’s eh nicht ändern. Abhilfe spätestens morgen wurde uns versprochen.
Dafür gab’s dann doch noch ein Highlight in der Unterkunft: eine persönliche Führung durch die „Zuckerstraße“ – und jetzt weiß ich endlich, warum die Unterkunft Zuckerhütte heißt. Hier wird seit Jahrzehnten traditionell Maple Syrup hergestellt – alles mit der Hand, ohne Maschinen. Die Frau, die uns das erklärte, war mit voller Seele dabei. Ich fand’s total spannend – dazu morgen mehr.
Jetzt sitzen Mika und ich noch beim traditionellen Abendessen in einem der großen Holzsäle – und ehrlich:
Es war ein verrückter Tag.
Turbulent, unklar, mühsam – aber irgendwie auch besonders.
Und die Erkenntnis des Tages?
Man kann mitten im Chaos so viel Freundlichkeit erleben, dass das Chaos fast nebensächlich ist. Ein netter Uberfahrer, eine warmherzige Frau und plötzlich ist der Tag nicht mehr so schlimm, sondern nur ein bisschen wild. Und die 2. Erkenntnis: Reise niemals in den französischen Teil von Kanada. Oder pass besser im Französisch-Unterricht auf. Drückt die Daumen, dass das morgen mit dem Auto klappt. Und wenn ich wieder WLAN habe, gibt’s auch Fotos.