Tag 6 Huntsville - Triathleten und die Sache mit dem Glück
Heute war an Ausschlafen nicht zu denken. Das Hotel war voll mit Triathleten, die ab sechs Uhr durchs Haus marschiert sind, sie hatten es eilig pünktlich zu ihrem Start zu...


Veröffentlicht: 08.07.2025
















Heute war das Wetter – wie angekündigt – eher mäßig. Nach dem Aufstehen hatte ich plötzlich das starke Bedürfnis, endlich Tiere zu sehen. Tanja hatte mir geschrieben, wie begeistert sie von der Tierwelt hier sei. Und mir fiel auf: Ich habe bisher eigentlich noch gar keine gesehen. Das wollte ich ändern.
Außerdem hatte ich gelesen, dass es hier in der Nähe einen schönen Park mit vielen Wanderwegen geben soll. Und angeblich begegnet man dort auch Tieren. Also: amerikanisches Frühstück mit Plastik hinter uns gebracht (inzwischen kennen wir’s ja) – und los.
Ein netter Moment war das Tanken. Benzin ist hier tatsächlich günstig – ich glaube, das Einzige, was in Kanada wirklich günstig ist, denn sonst ist fast alles erstaunlich teuer. Es gibt drei Sorten Benzin plus Diesel. Ich war etwas unsicher, was unser Auto braucht, also fragte ich die Frau an der Tankstelle. Sie war sehr freundlich – und ein anderer Kunde mischte sich gleich hilfsbereit mit ein. Das war wirklich nett.
Man bezahlt hier direkt an der Zapfsäule – mit Karte. Als ich das gerade tun wollte, kam plötzlich eine freundliche Lautsprecherdurchsage:
„You have to come in again to see me again for paying.“
Die Frau grinste, als ich dann wieder vor ihr stand. 1 Liter Benzin kostet umgerechnet etwa 80 Cent. Fair.
Dann ging es los in Richtung Park. Die Straße dorthin war schon sehr schön – alles grün, überall Wasser. Mika mochte sie sehr. Fast alle Autos hatten Kanus auf dem Dach, sogar Schulbusse ziehen Anhänger mit gestapelten Kanus. Wirklich ein schönes Bild.
Das Wetter war leider nicht ideal zum Fotografieren – daher geben die Fotos gar nicht wirklich wieder, wie schön es eigentlich war.
Wir fuhren erst an einem Information Center vorbei, dachten dann, wir suchen lieber direkt einen Einstieg zu einem Trail – um schließlich festzustellen, dass wir besser gleich beim Center geblieben wären. Dort registriert man sein Fahrzeug, bekommt eine Wanderkarte und Tipps.
Also wieder zurück. Die Frau am Schalter schickte uns zu dem schönsten Trail – der natürlich genau da war, wo wir als Erstes waren. Also wieder ins Auto, wieder dorthin. Auf dem Weg hielten wir an einem Lookout. Der versprach eine schöne Aussicht. Kaum ausgestiegen, rufen uns Leute, die uns entgegenkommen, freundlich etwas zu – wir verstehen es nicht. Also fragen wir die Leute hinter uns. Noch während wir fragen, merken wir’s: Es wimmelt nur so von Moskitos.
Mika – in kurzer Hose – war sofort umzingelt. Wir also zurück zum Auto. Diesen Lookout konnten wir streichen. Etwas frustriert überlegen wir, ob wir überhaupt noch auf einen anderen Trail gehen sollen. Aber wir hoffen auf das Visitor Center – und tatsächlich: dort gibt es Mückenspray zu kaufen. Gerettet.
Unser Trail verläuft durch eine Art Sumpfgebiet – über Holzstege, links und rechts nur Wasser. Sehr ruhig, sehr schön. Zwischendurch hören wir einen exotischen Vogelruf, den wir nicht zuordnen können. Es ist total feucht, alle Pflanzen sind übersäht mit Tau. Wunderschöne Farne, überall Moos. Und die Nadelbäume haben alle frische grüne Triebe. Aber: keine Bären, keine Rentiere. Schade. Ich hätte gern eins gesehen. Mika nicht (zumindest keine Bären).
Ich hatte von einem Wildlife Center gelesen, das verletzte Tiere aufnimmt. Dort könne man sie besuchen – dachte ich. Also fahren wir dorthin. Vor Ort stellen wir fest: Man hätte eine geführte Tour buchen müssen. Am Vormittag. Also leider wieder umsonst gefahren.
Den Nachmittag beenden wir mit einem Eis und Kaffee am See. Wieder soo schön, diese Atmosphäre am See. Dann kurz zurück ins Zimmer zum Ausruhen.
Jetzt sitzen wir – besser gesagt: ich sitze – am örtlichen Sportplatz. Mika macht sein Intervalltraining und hatte vorhin noch gesagt, es würde ihn motivieren, wenn da eine Frauenfußballmannschaft trainiert. Und tatsächlich: dem war auch so. Sein trockener Kommentar nach dem Training: „Die waren aber schlecht.“ 🤣
Natürlich hatte auch dieser Tag etwas für sich. Die kleine Wanderung war wirklich schön. Der Aufwand dafür etwas groß – aber so ist das manchmal.
Später wollen wir noch kurz grillen, morgen geht es weiter nach Ottawa.
Erkenntnis des Tages? Hab ich auf Anhieb heute nicht. Muss ja auch nicht immer sein.