Tag 7 Huntsville - Mücken - Meilen und Missverständnisse
Heute war das Wetter – wie angekündigt – eher mäßig. Nach dem Aufstehen hatte ich plötzlich das starke Bedürfnis, endlich Tiere zu sehen. Tanja hatte mir geschrieben, wie...


Veröffentlicht: 09.07.2025



















Ich sitze hier und warte, dass Mika beim Friseur fertig wird – also nutze ich die Zeit und schreibe. Aber von vorne:
Heute Morgen war ich wieder früh wach und direkt am See. Ich wollte ein paar Fotos machen und meinen allmorgendlichen Kaffee trinken. Herrliche Stimmung – sogar Yoga am See. Dann noch schnell zur freundlichen Tankstellenfrau von gestern– fast fühle ich mich hier schon wie zu Hause. Frühstück wie immer, packen, losfahren – heute ging’s nach Ottawa.
Die Route führte uns wieder über die schöne Straße von gestern, diesmal mit mehr Sonne. Daher gibt’s ein paar Fotos, die eigentlich zu gestern gehören. Die vierstündige Fahrt war so entspannt, wie Autofahren in Deutschland nie wäre: ein See nach dem anderen, kleine Häuschen, alles grün – und immer Tempo 80. Wenn man erstmal aufhört, sich zu fragen, warum man nicht schneller fährt, wird’s tatsächlich richtig angenehm.
Angefangen habe ich mit einem Hörbuch über das Atmen, dann hat Mika passende Musik aufgelegt – es war eine schöne Fahrt. Und da unser Auto im 15-Minuten-Takt verlangt, dass wir doch bitte eine Pause machen, haben wir ihm den Gefallen getan und bei Tim Hortons angehalten. Offenbar DER Treffpunkt der Rentner vor Ort – es wurde geplaudert, gelacht und Kaffee geschlürft. Ich fand’s herrlich.
In Ottawa angekommen, freuten wir uns über ein schönes Hotel (mit Gym!) mitten in der Stadt. Wieder ein totaler Kontrast: Kleinstadtfeeling gestern, heute Hauptstadtvibes. Ottawa hat eine Million Einwohner und fühlt sich ganz anders an als Toronto – entspannter, bunter, irgendwie weniger „busy“ und trotzdem lebhaft.
Wir machten uns auf den Weg zum Friseur – und landeten dank Google Maps in der Stadthalle. Kein Friseur weit und breit, dafür aber ein Tanzfestival. Überall liefen Mädchen mit karierten Röcken, karierten Socken und Samtjacken herum. Zuerst dachte ich noch, lustige Mode – bis wir merkten, dass alle so aussahen.
Also haben wir mal geschaut, was da los ist: die Championship der Highland Dancer! Alle Nationen vertreten, große Stimmung, wir haben uns einfach dazugesellt und so getan, als wären wir Fans und hätten Ahnung. 😉
Wir waren sogar bei der Siegerehrung dabei und hielten nach tanzenden „Hampel-Männern“ Ausschau (so wirkt der Tanz) sah etwas merkwürdig aus, aber definitiv ein Erlebnis. Den Friseur gab’s dort natürlich nicht, aber wieder was gelernt: Es gibt Highland Dancer. Und die haben Meisterschaften.
Am Ende fanden wir dann doch noch den richtigen Friseur – Mika ist begeistert. Wäre er nicht so weit weg, wäre das ab sofort sein Lieblingsfriseur.
Ich mag Ottawa auf Anhieb. Das Regierungsviertel wirkt wie eine Mischung aus Burg und Schloss oder Harry Potter. Leider heute keine Sonne, daher keine guten Fotos, aber die Stadt hat trotzdem Charme: lebhaft, bunt, irgendwie schwer zu beschreiben – aber schön. Pizza essen, Besuch der Shoppingmall nebenan - ab ins Gym.
Erkenntnis des Tages (Teil 1):
Ich komme langsam im Urlaubsflow an. Dieses ständige Gefühl, etwas zu verpassen (siehe Tag 4), wird leiser. Ich denke nicht mehr dauernd daran, wieviel Uhr es gerade in Deutschland ist – und das fühlt sich richtig gut an. Keine neue Erkenntnis, aber gerade wieder spürbar: Das Reisen macht mich glücklich. Und der Austausch mit anderen Menschen – ganz egal wo – ist für mich ein echtes Geschenk.
Erkenntnis des Tages (Teil 2):
Was als kleine Pflicht angefangen hat, ist inzwischen ein schöner Teil meines Tages geworden. Das Schreiben hier hilft mir, den Tag nochmal anders zu sehen. Den anfänglichen Gedanken „wen interessiert das schon“ habe ich durch Eure Rückmeldungen 😘 verworfen und werde ein bisschen mutiger. Ich mag den Gedanken und das Wissen, dass Ihr mit lest, das fühlt sich echt schön an und dann weiß ich genau: wir reisen nicht allein. ♥️