Neuseeland: 8000km solo durch das schönste Ende der Welt

Von Mitte Dezember 2014 bis Ende Januar 2015 bin ich inNeuseeland unterwegs gewesen. Als grandiosen Abschluss eines Sabbaticals habeich mit einem Mietwagen knapp 7 Wochen die Nord- und Südinsel bereist. Endlose Strände, atemberaubende Landschaften, traumhafte Seen, Regenwald,Maori-Kultur, Kiwis & Kauris, Vulkane, Pinguine und heiße Quellen,unzählbare Schafe und unglaublich nette Menschen erlebt. Dies ist mein Reisetagebuch, das auch mir als Erinnerung an dieses einmalige Erlebnis dient. Kia Ora! Und viel Spaß beim "Mitreisen". Der Anfang ist ganz am Ende - so ist das bei Blogs :-) .

Tag 31 - Erdbeben und das dritte Mal Milford Sound

14.01.2015

Ein Erdbeben weckt mich kurz nach Mitternacht, denn mein Bett wackelt nicht unerheblich und ich werde ziemlich durchgerüttelt. Ich warte ab und habe Glück, dass es nach vielleicht einer halben Minute vorbei ist und außer dem Gewackel des Bettes und des Knarzens des gesamten Hauses, offenbar nichts weiter passiert und auch nichts weiter bebt. Dennoch ein sehr merkwürdiges Gefühl.

Als ich um 7.00h aufstehe, gucke ich online erst einmal, ob das wirklich ein Erdbeben war oder nicht. Es war eines und zwar der Stärke 5,5 und das Epizentrum lag 70km westlich von Te Anau irgendwo in den Fjorden. Es gibt eine Online-Seite, auf der praktisch jede nennenswerte Erdbewegung in NZ notiert wird und in Erdbebenstärken unterteilt wird. Das, was am 5. oder 6.1.15 Christchurch beschäftigt hat, hatte eine Stärke von 6 und galt damit als severe, meines hier galt als moderate und das hat mir auch schon gereicht.

Um kurz nach 8 fahre ich tanken. Nachdem ich gestern für 1,75 tanken konnte, kostet es hier an diesem verlorenen Ende 1,85. Dabei sinken derzeit ja die Ölpreise weltweit. Aber ich hab auf der Nordinsel auch schon einmal für 2,06 getankt. Am Ende der Hauptstraße kurz vor dem See hole ich mir ein Sandwich und einen Kaffee, setze mich draußen hin und betrachte den Himmel. Zum einen sind es erst 13 Grad, zum anderen hängen dicke Wolken über mir. Ich lasse mir etwas Zeit, denn in Wolken, allerdings auch mit Regen, kenne ich die Strecke nach Milford Sound ja schon. 


Um 9.00h rolle ich los und die Sicht ist wirklich besser. Dieses kilometerweite Tal, das zwischen den Berghängen links und rechts liegt, ist endlos mit Tussock-Gras bewachsen, das rötlich-gelb scheint. Ich halte hier und da, um mal eine Schlucht von oben zu betrachten oder einen Wasserfall zu sehen. 


Dann erreiche ich The Chasm, eine Stromschnelle eines Flusses, der sich in jahrtausenden hier durch den Fels gefressen hat und dabei unglaubliche Formationen des Steins hinterlassen hat. Eben noch war ich allein - schon steht wieder eine laut quatschende Gruppe Asiaten hinter mir, stürmt die kleine Brücke über die Schlucht, die damit anfängt zu schwanken und jedes unverwackelte Foto unmöglich macht. 

The Chasm

Ich fahre weiter und erreiche gegen 11.00h den Homer Tunnel. Leider sind heute keine Keas hier. Vor einem Jahr war ich - kaum das ich gehalten hatte - umzingelt von einer Gruppe Keas, die versuchten an meinem Auto jedes Stück Plastik oder Gummi abzufressen, bis sie es bei den anderen Autos versuchten. Der Blick heute zurück in die Berge ist dafür umso schöner, denn wenngleich es nicht klar ist und immer noch erst 14 Grad, ist die Sonne bemüht durchzukommen und die Aussicht ist - egal in welche Richtung - gigantisch.

Einfahrt in den Homer Tunnel


Durch den Tunnel bergab


Vor dem Tunnel

Der Tunnel hat eine 7-Minuten-Taktung je Richtung und ist 1,2 km lang. Grob in den Felsen gehauen, kaum beleuchtet, von oben tropfend ist die Fahrt etwas gruselig und ich frage mich, was hier passiert, wenn mal was passiert. Da gibt es keine Nebengänge oder Schutzbuchten. Auf der anderen Seite ist das Wetter etwas mieser, dafür warten 3 Keas auf Autos mit Gummiteilen. Meine Antenne ist ein Opfer und einer der drei Keas sitzt ärgerlich auf meinem Auto und pickt vor lauter Frust, dass er nichts abknabbern kann fröhlich auf den Lack des Daches, bis er merkt, dass er genau in dem Zwischenraum zwischen vorderer und hinterer Tür von oben mit seinem spitzen Schnabel an die Türdichtungen kommt...Ich versuche ihn zu verscheuchen, woraufhin er einen gellenden Ruf rauslässt und seine zwei Kumpels, die auf dem Boden hocken, sofort beantworten. So ungefähr: Lass unseren Freund in Ruhe, sonst kommen wir auch noch dazu!







Irgendwann habe ich ein paar Fotos im Kasten und die Tiere ausgiebig beobachtet und fahre die letzten 24km nach Milford Sound. Der erste Teil dieser letzten Strecke ist zunächst in Serpentinen ziemlich weit nach unten, denn der Tunnel lag 1.200m hoch und ich muß ja nun auf Wasserlinienhöhe kommen. Um halb eins bin ich in Milford Sound, finde so ungefähr den letzten Parkplatz und hole mir erst einmal einen Kaffee und setze mich in die Sonne, die immer mal zwischen den Wolken durch kommt. Dann laufe ich einen kleinen Rundweg, wollte mich mit Blick auf Fjord-Ende und Mitre Peak zu einer Schaffenspause niederlassen, aber es bläst ein derart kalter Wind, dass ich trotz Wolljackke friere und den Weg weiterlaufe, um mir zum Schluß die Fleecejacke aus dem Auto zu holen und mich dann nochmal ans Wasser setze und einfach die Szenerie aufsauge. Durch einen etwas sand fly verseuchten Wald geht es zur Ablegestelle des Bootes. Hier am Milford Sound fällt extrem viel Niederschlag (um die 6-7 METER pro Jahr!) und so fühlen sich die kleinen Blutsauger sehr wohl, auch, weil hier so viele Touristen zum Blutspenden auflaufen...







Um 14.45h habe ich eine Milford Sound Cruise für 70 Dollar gebucht. Bewußt mit einem kleineren Schiff und am Ende ist das auch noch nicht einmal voll. Zunächst ist das Wetter noch richtig schön, wird dann aber mehr und mehr bedeckt. Wir sehen etliche Wasserfälle, einen von so nahe, dass eine Windböe micht wässert und ich froh bin, dass meine Fleecejacke auch etwas Wasser abhält und mein Rucksack imprägniert ist. 








Ein paar fur seals liegen faul auf einem Felsen und eigentlich ist die Landschaft mit den Bergen, den Wasserfällen und dem wilden Bewuchs aus Bäumen und Büschen bis auf fast 1.700m Höhe das Highlight. 



Um 16.45h gehts zurück an Land, ich nehme mein Auto und fahre ganz gemächlich zurück nach Te Anau. Das sind 120km und mit ein paar Stopps an Aussichtspunkten und dem optischen Genuss des milden Abendlichts über Tal und Bergen und am Ende des Lake Te Anau, geht dieser Tag sehr schön zu Ende.

Mitre Peak

Rückfahrt



Lake Te Anau

In Te Anau gehe ich in The Ranch, ein rustikales Lokal, in dem ich den besten Fisch meiner Reise kriege. Endlich mal nicht paniert, dazu super al dente gekochtes frisches Gemüse und keine Pommes. Ich gönne mir ein Speight`s und tippe das Tagebuch bis kurz nach 21.00h in der Kneipe. Draußen ist es immer noch hell. Hier im Süden ist der Sonnenuntergang mindestens eine halbe Stunde später als oben in Auckland.

Zurück im Zimmer versuche ich noch ein Glas Rotwein zu trinken, während ich die heutigen Fotos sichere - was heute unschlagbar viele sind, die ich auch noch ewig aussortiere. Wenn sie schon auf dem Tablet nicht aussehen, dann wird das wohl auch nichts am Rechner. Dabei trete ich an das Weinglas und es ergießt sich in den hochflorigen Teppich zu meinen Füßen. Schnell das kostbare Mineralwasser hinterher und endlich kommt mein großes Badehandtuch zum Einsatz, das ohnehin hierbleiben soll und seit fünf Wochen ohne Beschäftigung ist. So ist es dann auch endgültig soweit versaut, und der sicher 12 Jahre alte Teppich hat einen Fleck mehr, der aber bis morgen vermutlich nicht mehr so deutlich zu sehen ist.

Tageskilometer: 214km

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