November, Dezember und der Rauswurf
Neue Erlebnisse und das ruhige aber gleichzeitig ereignisreiche Leben auf der Farm wurden im Nachhinein überschattet von der Ankunft der zwei 60-jährigen Besitzerinnen und dem...

Veröffentlicht: 15.01.2018










































Hab mir während meines Erholungsurlaubs doch erstaunlich viel angeschaut. Da waren die Ruinen bei Trujillo „Chan Chan“ und „Huaca de la Luna“, weiterhin einige interessante Museen mit sehr reich verzierten Töpferwerken und ausgestellten Gräbern sowie ihren wertvollen Grabbeigaben sowie das riesige Areal der teils ausgegrabenen und gerade erst am Anfang der Restaurierung stehenden Lehmziegelruinen der Lambayequekultur. Leider bekam ich während dieser Zeit heftige Zahnschmerzen, weshalb ich schnell zum Zahnarzt in Trujillo bin. Die Ursache war schnell gefunden und die Kosten der Behandlung auf 600 Euro beziffert. Durch die weitere Ausbreitung von Karies unter einer Füllung, die 2,5 Monate vorher in Dtl. gemacht wurde, ist es zu einer Infektion gekommen (was ich nach der Öffnung des Zahnes am deutlichen Gestank mitbekommen durfte). Zwei Backenzähne waren bis zum Nerv ordentlich von Karies befallen. Die folgenden Maßnahmen waren Reinigung, 10 Tage Antibiotikaeinnahme, Entfernen der Nerven, neuer Wurzelkanal, Restauration eines Zahnes und Krone auf den anderen. So oft in kurzer Zeit war ich noch nie beim Arzt. Am vorletzten Behandlungstag hat mich der Doktor noch gefragt, ob ich denn schonmal ausgeraubt wurde, was ich verneinte und mir so dachte, dass sich das bestimmt eh niemand traut bei dem Größenunterschied. Dabei hatte ich aber ganz die List und Fiesheit der Menschen vergessen. Keine 4 Stunden später wurde ich um circa 30 Euro erleichtert. Zum Hintergrund: Ein paar Tage zuvor stieg ein Mann (zwischen 30 und 40) zu mir in den Bus, als ich auf dem Weg zum Zahnarzt war. Er setzte sich auf den freien Platz neben mich und fing an ein wenig deutsch zu reden. Aber viel konnte er nicht, also war englich angesagt. Er erzählte er sei Chefkoch in Leipzig und über Weihnachten zu Besuch bei seiner Familie. Leipzig, meine Geburtsstadt! Ich war erfreut über den Zufall. So eine Busfahrt dauert ja nicht ewig, wir tauschten Nummern aus und ich sollte in den nächsten Tagen unbedingt eine Verwandte kennenlernen, die fließend deutsch spricht. Aus Höflichkeit habe ich zugesagt, aber insgeheim wollte ich das gar nicht. Daher hab ich ihn bei einem Anruf vertröstet und hab Folgende nicht angenommen. An dem besagten Tag hatte ich so viele verpasste Anrufe von ihm, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bekam und nun doch zurückrief. Er holte mich daraufhin vom Krankenhaus ab, wo ich meine Gelbfieberimpfung bekam und wir gingen in ein nahegelegenes Cafe. Das gehörte angeblich seiner Familie und hier würden gleich zwei seiner Verwandten herkommen. Er wollte noch schnell einen Wein und Zigaretten holen, ob ich ihm nicht Geld leihen könnte, dass er mir nachher am Bankautomaten zurück gibt... 100 Soles und etwas Kleingeld für die Zigaretten (wahrscheinlich eher für den Bus, wie ich mir später dachte). Muss ja nen teurer Wein sein (ich hab mir letztens einen für 15 Soles geholt... den konnte man aber auch nur runterwürgen). Als „Pfand“ gab er mir seine geknickte Kreditkarte ohne Unterschrift... der Knick läge am Portmonee. Naja... blauäugig, wie ich ja nun wirklich bin, gab ich ihm das Geld worauf er verschwand und nicht wieder kam. Auch die Angestellte kannte ihn nicht. Nochmal passiert mir so etwas nicht!
Etwas später bin ich dann in den Bus nach Chachapoyas
gehüpft, ohne wirklich zu wissen, was mich da erwartet. Die Kleinstadt liegt in
einer traumhaften Umgebung im Amazonasgebiet mit riesigen Bergen,
kerzengeraden Felsen, Flüssen, die sich immer tiefer in die Canyons graben.
Hier bin ich mit Perus einziger Seilbahn, teilweise hunderte Meter über dem
Boden schwankend, zu einer noch nicht lange entdeckten Ruine auf einem Bergkamm
gefahren - „Kuelap“. Am Folgetag wurde zu dem“ Gocta“ -Wasserfall gewandert,
der der viertgrößte der Welt ist. Dabei hab ich meinen getrockneten Rochen vom
Markt gegessen, der mir daraufhin gründlich den Magen verdorben hat. Nach zwei
Wochen Selbstmedikation mit Trockenhefe, Milchsäurebakterien und Antibiotika
läufts wieder .... äh, also ist fest .. halbwegs.