- mit einer anderen
Wandergruppe
Diese Gruppe hat etwas
ganz Besonderes geplant: eine Führung in den Ruinen Kloster
Frauenalb.
Viele Menschen kennen
diesen Ort von Wanderungen zwischen Bad Herrenalb und
Ettlingen/Karlsruhe oder auch von den Sommerkonzerten im Innenhof. Am
Wanderweg liegt das Landgasthaus KÖNIG VON PREUSSEN. Das Gebäude
wurde um 1400 gebaut und diente schon immer als Gaststätte. Seit
1990 ist das denkmalgeschützte Haus im Besitz der Familie Rath. Dort
sollten wir dann nach einem leckeren Mittagessen von Herrn Megerle mehr über
diese Klosterruine erfahren.
Unsere Wanderung
startete an der Haltestelle Bad Herrenal/Kullenmühle. Ein kleiner
schöner Ort, der zur Gemeinde Bad Herrenalb gehört. Leider steht im
Ortskern noch immer die ausgebrannte Ruine des ehemaligen
Klinikgebäudes. Der Brand geschah im April 2020 im Dachstuhle des
seit längerem leerstehenden Gebäudes. Seither gab es bestimmt
einige gute Ideen, was mit den Resten geschehen könnte. Es gibt doch
genügend Menschen, die dringend Wohnraum suchen. Da müsste sich
doch eine Baugesellschaft ausfindig machen lassen, die hier günstige
Wohnungen schaffen könnte. Aus dem noch vorhandenen Bestand könnte
bestimmt einiges verwertet werden.
Auch wenn wir uns
Gedanken über dieses Gebäude machten, unser Weg sollte doch nach
Frauenalb führen. Es war ein herrlicher Wanderweg durch den Wald –
etwas kühl und zwischendurch windig, aber keine Steigung und keine
umgestürzten Bäume auf dem Weg im Bannwald. So kamen wir zügig zur Grenze
zwischen Baden und Württemberg. Hier stand ein kleines Häuschen mit
einer Besonderheit: Nachdem dort eine „Sprechende Grenzstation“
eingebaut wurde, können sich interessierte Wanderer durch das Drehen
der Kurbel etwas erzählen lassen – und da lohnt sich eine kleine
Pause auf jeden Fall. Wieder etwas gelernt.
Dem Wanderweg weiter
folgend kamen wir gut gelaunt und hungrig gegen 13 Uhr im KÖNIG VON
PREUSSEN an. Was sich hinter dem Gasthaus verbirgt, erfuhren wir erst
später.
Unsere Wanderleitung
hatte sich eine kleine Speisekarte mit den Wirtsleuten ausgedacht.
Und doch waren es wiederum Portionen, die mein Magen zur Mittagszeit nie
schaffen wird. Dafür so lecker, dass es mir schwerfiel, sie wieder
in die Küche zu schicken. Zum Glück gibt es immer liebe
Mitwander/innen, die mir helfen, meinen Teller zu leeren.
Danach stand der
Erkundung der Klosterruine nichts mehr im Weg. Wir hatten mit Herrn
Megerle einen Kenner des Klosters, der nicht nur Fragen beantwortete,
alle Jahreszahlen kannte und anschaulich erzählte, sondern
augenscheinlich für dieses Projekt „brennt“. Es lohnt sich für
alle Wanderer, sich mal so eine tolle Führung zu gönnen.
Er berichtete, dass
sich im Kloster Frauenalb nur Damen aus den umliegenden Adelshäusern
einkaufen konnten. Diese Damen standen dem Heiratsmarkt aus
verschieden Gründen nicht zur Verfügung und brachten stattdessen
dem Kloster ihre Mitgift als Vermögen ein. Sie hatten sogar Personal
dabei. Nichtadelige Novizinnen hingegen durften sich um den Haushalt
kümmern.
Die Unterlagen, die wir einsehen konnten, zeigten die
damalige Aufteilung der Räumlichkeiten. Kaum zu glauben: Es gab für
die Damen beheizte Zimmer und den Luxus von fließendem Wasser; die
Quelle lag so hoch, dass es wohl für alle Mitbewohnerinnen reichte.
Wieder etwas gelernt.
Weiter ging es zum
LUSTHAUS; hier wurden Gäste bewirtet, Feste gefeiert und auf den
Garten achteten die Damen auch. Schwere Arbeiten überließen sie
aber den wenigen Männern. Das Gärtnerhaus ist heute ebenso in
Privatbesitz wie das ehemalige Nachtwächterhaus. Nur das Lusthaus
sucht noch neue Besitzer oder Besitzerinnen. Der Garten sollte auch
wieder bewirtschaftet werden. Er sieht derzeit traurig und
überwuchert aus.Dann ging es in die
Ruine unter der Ruine. Hört sich seltsam an, war aber so. Diese sind nicht öffentlich zugänglich – aber Dr. Megerle hatte den einen
oder anderen Schlüssel. Die Zimmer waren zwar noch immer zu
erkennen, aber der Fußboden ist unter Schutt vergraben. An einigen
Stellen haben Archäologen einen Zugang zu den darunterliegenden
Räumen freigelegt. Beeindruckend war der Gang auf jeden Fall. Und am
Ende dieses Ganges die Aussicht nach oben: in den dritten Stock!
Wieder erinnerte mich diese Anlange an das Buch „Die Säulen der
Erde“. Baumeister und Arbeiter konnten schon vor hunderten von
Jahren ohne Computer und Bauvorschriften solche tolle Gebäude
erstellen. Einfach sehenswert! Und wieder etwas gelernt.
Schließlich ging es
noch in den Keller. Hier wird immer wieder oder noch gearbeitet. Die Ruine soll erhalten bleiben. Es
tropft Regenwasser von den Kreuzgewölben und langsam wachsen
Stalaktiten. Hier finden nicht nur Fledermäuse sondern auch mancher
Schmetterling ein Zuhause.Die Räumlichkeiten
wurden einst unter anderem von einer Brauerei genutzt. Damals
lagerten die Damen hier auch kostbaren Wein, Brennholz und den
Zehnten der Bauern. Und dann gab es über dem ganze Kloster auch noch ein
Dach. Nach etlichen Bränden sind jetzt nur noch Ruinen vorhanden.
Es
gab übrigens auch einmal die Nutzung durch unterschiedliche Gewerke.
Wieder dazu gelernt. Was es entgegen der Legende nicht gab: einen
Tunnel nach Bad Herrenalb zu den Mönchen. Wozu auch – die beiden
Klöster mussten sich einigen über Nutzung der Ländereien und was
es sonst noch so über die Nachbarschaft zu regeln galt.
Wusste auch nicht, dass
des irgendwo dort eine Glasbläserei gab. Noch eine Wissenslücke.
Die Damen hatten Gäste mit ihrem guten Riesling zu bewirten. Den
wollten sie doch nicht in Tonbechern servieren! Stilvoll in Gläsern
schmeckte auch der Wein damals besser.Mit viel neuem Wissen
machten wir uns auf den Heimweg. Den wiederum unterbrachen einige, um
in Ettlingen im TIZIANO noch einen letzten Stopp bei Eisbecher und
Gin-Tonic zu genießen.
DANKE an die
Ausrichter/innen dieses Wandertages und auch Andreas Megerle, der so
viel Interessantes und Neues über diesen Teil des Nordschwarzwaldes
erzählen konnte.
Bis bald!