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Frauenalb

Veröffentlicht: 18.09.2025

  • mit einer anderen Wandergruppe
Diese Gruppe hat etwas ganz Besonderes geplant: eine Führung in den Ruinen Kloster Frauenalb.

Viele Menschen kennen diesen Ort von Wanderungen zwischen Bad Herrenalb und Ettlingen/Karlsruhe oder auch von den Sommerkonzerten im Innenhof. Am Wanderweg liegt das Landgasthaus KÖNIG VON PREUSSEN. Das Gebäude wurde um 1400 gebaut und diente schon immer als Gaststätte. Seit 1990 ist das denkmalgeschützte Haus im Besitz der Familie Rath. Dort sollten wir dann nach einem leckeren Mittagessen von Herrn Megerle mehr über diese Klosterruine erfahren.

Unsere Wanderung startete an der Haltestelle Bad Herrenal/Kullenmühle. Ein kleiner schöner Ort, der zur Gemeinde Bad Herrenalb gehört. Leider steht im Ortskern noch immer die ausgebrannte Ruine des ehemaligen Klinikgebäudes. Der Brand geschah im April 2020 im Dachstuhle des seit längerem leerstehenden Gebäudes. Seither gab es bestimmt einige gute Ideen, was mit den Resten geschehen könnte. Es gibt doch genügend Menschen, die dringend Wohnraum suchen. Da müsste sich doch eine Baugesellschaft ausfindig machen lassen, die hier günstige Wohnungen schaffen könnte. Aus dem noch vorhandenen Bestand könnte bestimmt einiges verwertet werden.

Auch wenn wir uns Gedanken über dieses Gebäude machten, unser Weg sollte doch nach Frauenalb führen. Es war ein herrlicher Wanderweg durch den Wald – etwas kühl und zwischendurch windig, aber keine Steigung und keine umgestürzten Bäume auf dem Weg im Bannwald. So kamen wir zügig zur Grenze zwischen Baden und Württemberg. Hier stand ein kleines Häuschen mit einer Besonderheit: Nachdem dort eine „Sprechende Grenzstation“ eingebaut wurde, können sich interessierte Wanderer durch das Drehen der Kurbel etwas erzählen lassen – und da lohnt sich eine kleine Pause auf jeden Fall. Wieder etwas gelernt.

Dem Wanderweg weiter folgend kamen wir gut gelaunt und hungrig gegen 13 Uhr im KÖNIG VON PREUSSEN an. Was sich hinter dem Gasthaus verbirgt, erfuhren wir erst später.

Unsere Wanderleitung hatte sich eine kleine Speisekarte mit den Wirtsleuten ausgedacht. Und doch waren es wiederum Portionen, die mein Magen zur Mittagszeit nie schaffen wird. Dafür so lecker, dass es mir schwerfiel, sie wieder in die Küche zu schicken. Zum Glück gibt es immer liebe Mitwander/innen, die mir helfen, meinen Teller zu leeren.

Danach stand der Erkundung der Klosterruine nichts mehr im Weg. Wir hatten mit Herrn Megerle einen Kenner des Klosters, der nicht nur Fragen beantwortete, alle Jahreszahlen kannte und anschaulich erzählte, sondern augenscheinlich für dieses Projekt „brennt“. Es lohnt sich für alle Wanderer, sich mal so eine tolle Führung zu gönnen.
Er berichtete, dass sich im Kloster Frauenalb nur Damen aus den umliegenden Adelshäusern einkaufen konnten. Diese Damen standen dem Heiratsmarkt aus verschieden Gründen nicht zur Verfügung und brachten stattdessen dem Kloster ihre Mitgift als Vermögen ein. Sie hatten sogar Personal dabei. Nichtadelige Novizinnen hingegen durften sich um den Haushalt kümmern. 

Die Unterlagen, die wir einsehen konnten, zeigten die damalige Aufteilung der Räumlichkeiten. Kaum zu glauben: Es gab für die Damen beheizte Zimmer und den Luxus von fließendem Wasser; die Quelle lag so hoch, dass es wohl für alle Mitbewohnerinnen reichte. Wieder etwas gelernt.

Weiter ging es zum LUSTHAUS; hier wurden Gäste bewirtet, Feste gefeiert und auf den Garten achteten die Damen auch. Schwere Arbeiten überließen sie aber den wenigen Männern. Das Gärtnerhaus ist heute ebenso in Privatbesitz wie das ehemalige Nachtwächterhaus. Nur das Lusthaus sucht noch neue Besitzer oder Besitzerinnen. Der Garten sollte auch wieder bewirtschaftet werden. Er sieht derzeit traurig und überwuchert aus.

Dann ging es in die Ruine unter der Ruine. Hört sich seltsam an, war aber so. Diese sind nicht öffentlich zugänglich – aber Dr. Megerle hatte den einen oder anderen Schlüssel. Die Zimmer waren zwar noch immer zu erkennen, aber der Fußboden ist unter Schutt vergraben. An einigen Stellen haben Archäologen einen Zugang zu den darunterliegenden Räumen freigelegt. Beeindruckend war der Gang auf jeden Fall. Und am Ende dieses Ganges die Aussicht nach oben: in den dritten Stock! 

Wieder erinnerte mich diese Anlange an das Buch „Die Säulen der Erde“. Baumeister und Arbeiter konnten schon vor hunderten von Jahren ohne Computer und Bauvorschriften solche tolle Gebäude erstellen. Einfach sehenswert! Und wieder etwas gelernt.

Schließlich ging es noch in den Keller. Hier wird immer wieder oder noch gearbeitet. Die Ruine soll erhalten bleiben. Es tropft Regenwasser von den Kreuzgewölben und langsam wachsen Stalaktiten. Hier finden nicht nur Fledermäuse sondern auch mancher Schmetterling ein Zuhause.

Die Räumlichkeiten wurden einst unter anderem von einer Brauerei genutzt. Damals lagerten die Damen hier auch kostbaren Wein, Brennholz und den Zehnten der Bauern. Und dann gab es über dem ganze Kloster auch noch ein Dach. Nach etlichen Bränden sind jetzt nur noch Ruinen vorhanden. 

Es gab übrigens auch einmal die Nutzung durch unterschiedliche Gewerke. Wieder dazu gelernt. Was es entgegen der Legende nicht gab: einen Tunnel nach Bad Herrenalb zu den Mönchen. Wozu auch – die beiden Klöster mussten sich einigen über Nutzung der Ländereien und was es sonst noch so über die Nachbarschaft zu regeln galt.

Wusste auch nicht, dass des irgendwo dort eine Glasbläserei gab. Noch eine Wissenslücke. Die Damen hatten Gäste mit ihrem guten Riesling zu bewirten. Den wollten sie doch nicht in Tonbechern servieren! Stilvoll in Gläsern schmeckte auch der Wein damals besser.

Mit viel neuem Wissen machten wir uns auf den Heimweg. Den wiederum unterbrachen einige, um in Ettlingen im TIZIANO noch einen letzten Stopp bei Eisbecher und Gin-Tonic zu genießen.

DANKE an die Ausrichter/innen dieses Wandertages und auch Andreas Megerle, der so viel Interessantes und Neues über diesen Teil des Nordschwarzwaldes erzählen konnte.


Bis bald!

Antworten (4)

Elkevor 7 Monaten
Hallo Ingrid, ihr macht tolle Wanderungen und etliche Städte kennen wir auch gut von früheren Besuchen. Bad Herrenalb und Ettlingen sind noch im Kopf und ich glaube, in den Klosterruinen waren wir damals auch. Du siehst, es hat auch bei mir Eindruck hinterlassen, schön, dass du so etwas machst und davon erzählst. Bitte weiter so! Bis Samstag liebe Grüße von Elke 💝

Dörthe vor 7 Monaten
Hallo Elisabeth, deinen Bericht hast du so wunderbar geschrieben, dass ich das Gefühl bekam, dabei gewesen zu sein. Vielen Dank und liebe Grüße, Dörthe

Dörthe vor 7 Monaten
Ingrid, sorry ich dachte der Bericht sei von Elisabeth. Obiger Text gilt natürlich dann dir! Wunderbar!

Ulrike vor 7 Monaten
Ein ganz toller Tag den ihr da verbringen konntet. Super das Du uns daran teilzunehmen lässt. Ein sonniges Wochenende wünsche ich dir