Travelotta
Mein schonungslos ehrliches, unzensiertes Reisetagebuch. Lesen auf eigene Gefahr.

Sand in jeder Ritze

Freitag, 05.03.2021

Gleich zu Beginn dieser Woche haben wir uns selbst etwas überrascht und unseren Flug nochmal verschoben. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass wir Mitte März wieder nach Hause kommen, aber nachdem wir unseren neuen Rückflug, der direkt über Lufthansa gebucht wurde, an manchen Tagen sogar kostenlos umbuchen konnten, haben wir gegrübelt. Das Schicksal hat dann den Rest erledigt, indem wir unsere alte Lieblingswohnung aus dem ersten Monat für einen günstigen Preis angeboten bekommen haben, und zwar genau ab dem Tag, an dem wir aus dem aktuellen Apartment raus müssen. Mich zieht vor allem der Gedanke an meinen Garten langsam nach Hause, und die Vorfreude auf das Großziehen der ersten kleinen Pflänzchen. Aber das kann noch warten, und solange genießen wir hier die Sonne.

Montag bis Donnerstag war von Arbeit geprägt, und Mittwoch, Donnerstag und Freitag gab es je eine Videokonferenz mit Freunden und Familie zuhause. Für heute habe ich uns eine private Surfstunde bei Max organisiert, welcher schon seit sieben Jahren auf Fuerteventura lebt und Surfunterricht gibt. Meine letzte Stunde mit einem Lehrer war 2012, als ich in Costa Rica zum ersten Mal gesurft bin. Danach habe ich immer nur Boards ausgeliehen und es alle paar Jahre in Frankreich oder Spanien auf eigene Faust versucht. Als Resultat kann ich zwar ganz gut paddeln, aber leider immer noch nicht surfen. Hier waren wir jetzt auch schon ein paar Mal im Wasser, aber ich schaffe es einfach nicht sauber auf eine grüne Welle.

Mit Max fahren wir zu Punta Blanca gefahren, wo die Wellen zwar ganz gut aussehen, aber es ist mega voll. Der Wind ist auch eher gegen uns und die Strömung ist hier immer stark, wir müssen also konstant paddeln, um nicht abzudriften. Vorher frischt Max aber erstmal unsere Theorie wieder auf und mir wird bewusst, dass ich gar nicht mehr weiß, wie man eigentlich surfen sollte... Ein paar Wellen erwische ich ganz gut, aber zum Stehen komme ich nur auf anderthalb. Meist muss ich anderen Surfern ausweichen. Ben geht nach einer Stunde wieder raus, ich kämpfe noch etwas weiter und paddle nach zwei Stunden mit letzter Kraft wieder ans Ufer. Danach bin ich völlig platt und so durchgefroren, dass ich erst zuhause in der heißen Dusche meine Zehen wieder spüren kann. Wirklich zufrieden bin ich nicht mit dem Unterricht, hauptsächlich weil der Spot und die Bedingungen mir heute nicht so recht gepasst haben, aber die Theorie am Anfang war wirklich hilfreich. Ich habe wieder gemerkt, dass ich ziemlichen Respekt vor den Wellen habe, und mich manche auch arg mitgenommen und gewaschen haben. Mal schauen, ob ich es noch weiter verfolge oder irgendwann aufgebe.

Parallel gibt es noch eine ganz andere Geschichte, für die ich ein bisschen ausholen muss. Im ersten Apartment in unserem aktuellen Komplex (Bristol Sunset Beach) hatten wir eine Terrasse im Hinterhof, der von hohen Mauern umschlossen war. Jede Nacht hat eine Katze geschrien wie am Spieß, bis Ben angefangen hat, sie zu füttern. Wir haben die kleine, ängstliche Katze auch zu Gesicht bekommen und sie hat sich sogar beim Fressen anfassen lassen, war aber offensichtlich sehr hungrig. Am Tag des Umzugs in ein anderes Apartment (mit schönerer Terrasse in den Innenhof) ist dann der Groschen gefallen. Die Katze steckt im Hinterhof fest und kommt nicht über die hohen Mauern raus. Das Gebäudemanagement meinte, da können sie nichts machen, und die Situation ist tagelang durch unsere Gedanken gespukt. Vor ein paar Tagen hat Ben die Initiative ergriffen und den örtlichen Tierschutz angeschrieben, welcher uns mit der Britin Lynne, einer privaten Helferin hier in Corralejo, verbunden hat. Sie ist sofort vorbeigekommen und hat sich die Situation angesehen. Durch die Fenster im Waschraum konnten wir in den Hinterhof schauen, haben die Katze aber erst in einer Ecke kauernd entdeckt, als wir bei den Bewohnern der Apartments geklingelt haben und auf deren Terrassen gesucht haben. Lynne hatte direkt eine Katzenfalle dabei, die wir in einem der Gärten aufgestellt haben. Gestern ist die Kleine in die Falle gegangen und abends kam Lynne, um sie erstmal mitzunehmen. Sie war ziemlich ängstlich, hat aber auch die Zuwendung sichtlich genossen, wenn man sie gestreichelt hat.

Samstag, 06.03.2021

Von der arbeitsreichen Woche und der anstrengenden Surfstunde gestern bin ich total platt und bleibe bis mittags im Bett. Aber ich muss es ja immer genau wissen und schwinge meinen müden Hintern am Nachmittag wieder zu meiner Kite Surf Schule in Corralejo für eine weitere Session auf dem Meer. Die Bootsfahrt raus ist heute total schön, erst die Rückfahrt war dann ziemlich holprig gegen die Wellen. Ein ausgezeichneter, starker, stetiger Wind von gut 20 Knoten weht über’s Wasser und mir reicht ein 7er Kite um ohne viel Mühe auf’s Brett zu kommen. Das Fahren klappt recht gut, aber ich falle rasant ab (fahre mit dem Wind) und komme nicht mehr zurück an den Ort, an dem ich gestartet bin. Von meinen Lehrern Filip und Stefano bekomme ich aber ganz gute Tipps, um meine Fehler zumindest zu verstehen. Und dann wird es Stück für Stück besser. Ich würde noch nicht behaupten, dass ich gegen den Wind fahren kann, aber wir kommen der Sache näher. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht heute, bei den super schönen Bedingungen.

Es gibt auch Neuigkeiten zu unserem kleinen Findling. Kastriert ist das Kätzchen schon, bei Lynne wurde sie heute noch entwurmt und entfloht. Da sie aber keinen Platz mehr hat für die Kleine, haben wir sie heute Abend wiederbekommen und päppeln sie erstmal auf. Nach kurzer Scheu wird sie recht zutraulich und hat vor allem endlosen Hunger und Durst. Die zierliche schwarze Mieze ist ganz dürr und knochig, schmutzig und stinkt ziemlich. Aber am Ende des Abends lässt sie sich genüsslich von uns streicheln und sitzt entspannt beim Fernsehen mit uns im Zimmer und döst. Wir haben ein provisorisches Katzenklo aufgestellt und behalten sie mal bis morgen in der Wohnung, dann sehen wir weiter.

Sonntag, 07.03.2021

Mittags besorgen wir noch ein paar Sachen für die Katze, denn leider ist sie ziemlich Banane und wir können sie noch nicht guten Gewissens wieder aussetzen. Nach etwas Wartezeit am Busbahnhof steigen wir in den einzigen öffentlichen Bus ein, die Fahrtzeiten sind nicht wirklich transparent. Auf der ganzen Insel gibt es 18 Buslinien mit je nur etwa 5 Haltestellen. Rund 6 km weiter südlich steigen wir an den Hotels aus, die mitten in die schöne, sonst unberührte Dünenlandschaft gebaut wurden, und flanieren von dort den Strand entlang nach Süden. Es sind nicht viele Leute unterwegs, denn der Wind pfeift heute ordentlich. Wäre ein perfekter Tag zum Kite Surfen. Wir schauen eine Weile ein paar Kite Surfern zu und wünschen uns, es auch so gut im Griff zu haben. Alle 30 Meter steht ein begehbarer, hüfthoher Steinkreis im Sand, der als Windschutz dient. Wir suchen uns auch einen solchen, um uns ein bisschen zu sonnen und zu auszuruhen, aber kühl ist es trotzdem - und um die Prise Sand in jeder Ritze kommt man bei dieser Erfahrung auch nicht herum. Nach ausreichender Entspannung spazieren wir über die Dünen langsam wieder zurück und machen dabei noch ein paar schöne, sandige Fotos. Der Bus zurück nach Corralejo lässt uns eine ganze Weile warten und wir stehen mit Pullover und langer Hose frierend im Wind, während der Himmel mit einem wunderschönen Sonnenuntergang angibt.

Zurück im Apartment hatte ich große Pläne in der Küche, da ich in einem Asia-Supermarkt fertige Gyoza-Teiglinge gefunden habe und das schon lange mal ausprobieren wollte. Ich schneide also fast eine Stunde lang Gemüse klein, während die Teiglinge auftauen, bis mir der Rücken weh tut und der Hunger unerträglich wird. Ungeduldig bringt Ben die Erlösung und wirft fertige Burger-Patties in die Pfanne. Das war ein köstlicher Burger. Um die Gyoza kümmert sich dann die Zukunftslena. Gute Nacht.

Kalenderwoche 10

Am Montag habe ich die Gyozas fertig gemacht. Sie waren köstlich und gar nicht mehr so viel Arbeit. Die restliche Gemüsefüllung gab es am Dienstag zu Reis. Der Aufwand hat sich also gelohnt, nur mein Timing war nicht ideal. Unsere Pflegekatze bereitet uns zu Beginn große Sorgen, denn sie ist undicht (pinkelt im liegen), putzt sich nicht und verhält sich allgemein sehr apathisch. Als wüsste sie nicht, wie man katzt. Null Instinkte. Nach ein paar Tagen mit viel Füttern, Streicheln, Kämmen und mit dem Waschlappen reinigen wird es tatsächlich besser, sie wird stubenrein und gewinnt wieder an Selbstvertrauen (und Katzenverhalten). Am Donnerstag Abend waren wir mutig und haben die Terrassentür offen gelassen. Die Mieze hat sich das erst mal 5 Minuten angesehen, und dann ist sie rausspaziert. Vor der Terrasse konnten wir sie noch streicheln und füttern, dann haben wir sie ihrem Schicksal überlassen. Ich denke, sie wird sich hier in der Anlage gut zurechtfinden. Es gibt nur eine weitere Katze, und Futter steht immer bereit.

Am Sonntag wäre eigentlich die (zweite) Abreise gewesen, stattdessen war wieder ein Umzug angesagt. Es geht nochmal für drei Wochen in unser erstes Apartment etwas weiter draußen, wo wir uns viel wohler und heimischer gefühlt haben. Diesmal müssen wir zum Glück nicht unser ganzes Gepäck durch die Stadt schleppen, denn wir haben einen Mietwagen, um am Samstag nochmal in die Lagune zum Kite Surfen zu fahren. Hat wieder Spaß gemacht, jedes Mal lernen wir ein bisschen mehr. Ben ist schon fast so gut wie ich, obwohl er viel weniger Unterricht hatte. Er kann schon (besser) Wellenreiten, Snowboarden und Windsurfen, und tut sich deshalb etwas leichter.

Während wir am Sonntag mit dem Gepäck im Mietwagen auf den Check-In im neuen alten Apartment warteten, haben wir uns noch ein paar Örtchen an der Küste und im Land angesehen, war super nett. Auf dem Rückweg haben wir immer die Option vom Navi gewählt, die x Minuten länger dauert. Das hat uns durch schöne, abgelegene Gegenden geführt. Nachdem wir unser Hab und Gut wieder ausgepackt haben, mussten wir nochmal losziehen (der Mietwagen ist ja schon bezahlt) und haben ein Steinlabyrinth nahe El Cotillo gefunden, sowie einen Landbesitzer. Ein witziger, schrulliger Typ, der ein paar sehr einfache Hüttchen auf seinem Stück Land vermietet und hauptberuflich Steinmauern hier auf Fuerteventura baut. Er hat so viel zu tun, dass er sogar einen Gehilfen hat. 

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