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Ab in den Süden (von Fuerte)

Veröffentlicht: 07.03.2021

Donnerstag, 25.02.2021

Die letzten Tage waren von Arbeit geprägt, viel Zeit am Computer. Aber die Mittagspause mit Surfsession haben wir uns nicht nehmen lassen am Dienstag. Bin ein bisschen frustriert über mein Können beim Surfen. Seit 2012 starte ich immer wieder von Neuem, komme aber gefühlt nicht weiter. Das Rauspaddeln und Wellen einschätzen klappt ganz gut, aber wenn ich mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und die Welle mich an der richtigen Stelle mitnimmt, erstarre ich irgendwie und kann nicht mehr aufstehen. Mein Körper weiß nicht, wie das geht. Im Weißwasser klappt es aber überwiegend. Habe mir vorgenommen, mal eine Privatstunde zu nehmen um über diese gefühlte Hürde hinwegzukommen.

Am Mittag ziehen wir innerhalb unseres Apartmentkomplexes um, da der Ausblick des bisherigen Apartments auf eine leere Terrasse und eine dreckige Wand doch ziemlich trist ist. Die neue Wohnung ist von innen fast gleich, nur das Bett und Schlafzimmer sind kleiner. Die Terrasse ist dafür offen in den Innenhof gerichtet, mit Palmen und anderen Pflanzen. Das macht die Sache viel wohnlicher. Ist zwar immer noch Nordseite, also keine Sonne, aber besser als nichts. Wir vermissen unser erstes Apartment weiter außerhalb des Zentrums sehr. Dort war es so richtig wohnlich und wir haben uns zu Hause gefühlt, hier eher wie im Hotel.

Am Abend war zum ersten Mal ein DJ in der Rooftop Bar und hat interessante, nicht zu wilde Musik aufgelegt. Nach zwei Kaltgetränken sind wir zum Hafen spaziert und haben unseren Mietwagen für das Wochenende abgeholt. Morgen früh geht’s in den Süden zum Kite Surf Kurs in der Lagune (ohne Bootfahren)!

Freitag, 26.02.2021

Heute wagen wir uns nochmal ans Kite Surfen, diesmal im Flachen. Da die Lagune am anderen Ende der Insel ist, stehen wir schon um 7:00 Uhr auf, schicken noch ein paar Mails an die Arbeitskollegen raus, damit denen auch nicht langweilig wird, und düsen dann mit dem Mietwagen los. Nach 1,5 Stunden kommen wir an der Schule an und lassen uns noch ein bisschen Equipment geben. Ich bin etwas enttäuscht, da die Ausrüstung ziemlich runtergekommen ist und erst das dritte Trapez alle Schnallen am Gurt hat. Meckern - check. Trotzdem motiviert - check. Die Lagune ist 10km weiter nördlich (Sotavento), in der Kolonne sind wir schnell dort. Wir sind zwei Lehrer und acht Schüler, also zwei große Gruppen, bei denen immer nur je zwei Kites gleichzeitig fliegen. Konsequenz: viel Pause.

Bei unserer Ankunft kurz vor 11:00 Uhr ist die Lagune noch fast leer, aber bis wir fertig angezogen sind, das ganze Material hingetragen haben und die Kites und Bars vorbereitet sind, ist sie bereits halb gefüllt. Unser Lehrer Tim gibt mir und meiner Teamkollegin nochmal eine Lektion zum Wasserstart, dann geht es los. Das Wasser ist weniger als knietief, das ist total ungewohnt für mich. Mein Normalzustand ist bereits draußen im weiten Meer zwischen riesigen Wellen, ohne Boden unter den Füßen. Der Wind bläst heute besonders stark, deswegen haben wir nur einen 6er Kite, und selbst der trägt uns im Stehen fast weg. Heute brauchen wir also sehr kleine Bewegungen zum Aufstehen. Es klappt eigentlich ganz gut, ich fahre immer wieder ein Stück, meist nach links. Allerdings immer downwind. Als Folge müssen wir nach spätestens 2-3 kleinen Fahrten wieder upwind laufen, was wesentlich anstrengender ist als das runterfahren. Tim kommt regelmäßig vorbei und versucht, uns das upwind fahren näher zu bringen, und irgendwann klappt es auch - zumindest für einen kurzen Moment. Hat sich ganz gut angefühlt. Wenn es doch nur öfter klappen würde, dann könnte ich beliebig in alle Richtungen herumfahren, anstatt ständig zu Fuß den Kite zurück an unseren Platz zu bringen. Es heißt ja Kite SURFEN und nicht Kite GASSI GEHEN.

Die Lagune ist mittlerweile sehr voll, es fahren mindestens 50 andere Kite Surfer aller Levels um uns herum und an uns vorbei - der wohl größte Nachteil im Vergleich zum offenen Meer. Am Nachmittag hat der Wasserstand seinen Höchstpunkt erreicht und fängt wieder an zu sinken. Jeder macht noch ein paar letzte Versuche, dann packen wir ziemlich geschafft das Equipment zusammen, wackeln zum Auto und schälen uns aus den nassen, salzigen, sandigen Wetsuits. Nach einem kurzen Ratsch kutschiert Ben uns wieder zurück nach Corralejo, mit einem hungrigen Zwischenstop im Supermarkt in Puerto del Rosario. Bei der Weiterfahrt füttere ich uns mit Oliven, Weißbrot und Tzatziki, bis nichts mehr übrig ist. Bei der Ankunft im Apartment um kurz vor 18:00 Uhr packt mich nochmal ein letzter Energieschub und wir gehen hoch auf die Dachterrasse, wo ich eine gemütliche, dehnende Yogasession im Sonnenuntergang mache und Ben sich ein Feierabendbier gönnt. Die Dusche danach ist ein Traum, auch wenn neben unseren Körpern auch alle Wetsuits, Jacken, Trapeze und Prallwesten gewaschen werden müssen.

Ein super langer, anstrengender Tag. Kite Surfen ist zeitintensiver als erwartet. Abgeschlossen wird der Abend mit der für Freitag üblichen Chatrunde mit Freunden und Onlinespielen.

Samstag, 27.02.2021

Ich habe mal wieder eine ganz neue Erfahrung gemacht. Ich habe nämlich Sonnenbrand. Aber nicht auf der Nase oder den Schultern... Nein. Ich habe Sonnenbrand in den Augen. Genau, IN DEN AUGEN.

Gestern Abend waren diesen schon leicht rot und haben sich sehr müde angefühlt, also bin ich gleich nach dem Videochat ins Bett gegangen. Um 2:00 Uhr wache ich wieder auf und meine Augen brennen, als hätte ich Chili reingerieben. Sie tränen und ich reibe und es wird immer schlimmer, bis ich aufstehe und im Bad feststelle, dass ich fast nichts sehen kann. Ab dann entwickelt sich leichte Panik in mir und ich versuche, die Augen auszuwaschen, verstehe aber die Welt nicht mehr und weiß nicht, was los ist. Es fühlt sich an, als würde mir jemand mit dem Sandstrahler direkt in die Augen pusten. Meine Lider sind aus Schleifpapier. Ich kann mein Handy kaum lesen, finde dann aber doch einen Artikel, der passt. Diagnose: Augensonnenbrand. Ben wecke ich auch noch auf, weil ich mich wahnsinnig hilflos fühle, und suche nach Dingen, die ich zum Kühlen verwenden kann. Nach einer Stunde Quälerei nehme ich eine Schmerztablette, die mir wieder das Schlafen ermöglicht.

In der Früh ist es wieder besser, aber da ich nicht weiß, ob das noch die Medizinwirkung ist, sage ich den Kite Kurs für mich heute ab. Um 9:00 Uhr hole ich mir Augentropfen aus der Apotheke und fahre dann trotzdem mit Ben zum Kurs, damit er die lange Fahrt nicht alleine machen muss. Meine Augen verstecke ich den ganzen Tag hinter meiner neuen Sonnenbrille und unter meinen Kappi. Bisher war ich nur halbtags auf Kite Surf Kursen, aber der ganze Tag gestern, mit der ständigen Reflexion auf dem Wasser und dem Kite, den man auch gegen die Sonne im Blick behalten muss, hat meine Augen anscheinend überfordert. Eine Sonnenbrille habe ich beim Kite Surfen bisher nicht getragen, aus Angst, sie zu verlieren. Ben trägt heute meine alte. Er hat Spaß am Kurs und stellt sich gut an, während ich ein paar Fotos mache und am Strand liege. Als wir schon am zusammenpacken sind, kollidiert Monika aus dem Kurs mit ihrem Board und holt sich eine Platzwunde am Schienbein. Nach kurzem Überlegen fahre ich sie in ihrem Mietwagen zum Arzt für ein paar Stiche, wo Ben mich mit unserem Wagen wieder aufgabelt.

Zum Sonnenuntergang fahren wir noch weiter nach Süden, an die unterste Spitze, und erkunden eine beeindruckende Bucht unter steilen Küstenwänden. Super schöner Ausklang für einen langen, aufregenden Tag.

Sonntag, 28.02.2021

Meinen Augen geht's wieder ganz gut und wir haben ein bisschen ausgeschlafen, bevor es zum vorerst letzten Mal gen Süden geht. Meine Sonnenbrille trage ich heute auch während dem Kite Surf Kurs, trotz hoher Verlustgefahr. Lieber Brille weg als Augen kaputt. Ich hab meine vor ein paar Tagen neu gekaufte Brille an, Ben trägt meine alte mit verkratzten Gläsern. Mein Lehrer ist heute der immer fröhliche, lustige Italiener Andrea, mit welchem ich mich ein ganzes Stück besser verstehe als mit Tim. Er legt viel Wert auf's Detail und ist recht streng mit uns, gibt aber sehr gute, konstruktive und personalisierte Hinweise, die mich tatsächlich weiterbringen. Der Wind ist leichter und etwas störrig, mit vielen Böen und ein paar Richtungswechseln. Trotzdem klappt mein Wasserstart heute ziemlich gut und nach links auch das Fahren. Ein paar Meter fahre ich am Ende sogar gegen den Wind, was sich ziemlich stark anfühlt. Viel besser als gestern. Nach rechts ging heute gar nichts, aber Andrea hat mich für meine gute Kite Kontrolle gelobt. Bei Ben hat es auch wieder recht gut geklappt. Leider hat er die Sonnenbrille bei einem Sturz verloren, also geht er nach dem Kurs nochmal in die fast leere Lagune und sucht eine Stunde danach, ohne Erfolg. Zum Glück war es nur meine alte.

Mit etwas Zeitdruck fahren wir zurück nach Corralejo und geben um fünf nach acht, zur Schließung, den Mietwagen zurück. Da wir nur Frühstück und eine Banane hatten, setzen wir uns am Hafen noch schnell in ein Restaurant und hauen uns im Eilverfahren Fisch und eine Pizza rein, bevor wir nach Hause gehen und uns selbst sowie unser Equipment mit Süßwasser waschen. Es geht ziemlich früh, dafür sehr müde ins Bett.

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