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Gori - auf Stalins Spuren

Veröffentlicht: 17.09.2018

Für Donnerstagmorgen, den 06. September 2018, habe ich mir den Wecker für halb sieben gestellt. Aufgrund des nach wie vor starken Windes überhöre ich den Alarm, wecke aber trotzdem fast pünktlich auf. Die Recherche am Fahrplanaushang im Bahnhof Kutaissi, hat am Vortag eine mögliche Zugverbindung Richtung Tiflis für 9.20 Uhr ergeben. Nach dem Frühstück packe ich unser Hab und Gut, wobei sich die Zeltplane bei dem Wind als sehr widerspenstig erweißt. Schlussendlich landet selbige vorläufig als großes Knäuel im Rucksack. So können wir rechtzeitig, kurz vor acht, zum knapp 4 km entfernten Bahnhof aufbrechen. Dort kristallisiert sich heraus, dass der nächste, für uns brauchbare Zug, erst kurz nach zwölf fährt. Schade ums frühe Aufstehen. Bis dahin schreibe ich zu den bei McDonalds hochgeladenen Bildern einen passenden Reisebericht. Den geplanten Zwischenstop in Sestaponi streiche ich aus Zeitgründen und erwerbe, nach kurzer Diskussion wegen Rango, ein Ticket bis nach Gori. Wir steigen pünktlich in den uns zugewiesenen Wagon, wobei Rango erstmal im Vorraum Platz nehmen muss. Dann steigen zwei Radtouristen zu, der Platz wird für die Räder benötigt und Rango darf mit in die Kabine. Auch die beiden Biker gesellen sich zu uns und wir kommen etwas ins Gespräch. Valerie und Erik haben ihre Wohnung und Jobs in Deutschland gekündigt und sind auf dem Weg nach Nepal. Wir tauschen ein paar Erfahrungen und weitere Pläne aus, bis ich mit Rango gegen vier den Zug in Gori verlasse. Auf GoogleMaps habe ich am Ufer des großen Liachwi potentielle Lagerplätze ausgemacht, dorthin machen wir uns auf den Weg. Nachdem ich mich für einen Zeltplatz entschieden habe, baue ich unsere Behausung auf und koche mir ein Käffchen. Auf dem Weg konnte ich ein paar Kekse und etwas süße Milch aufreiben, welche das Heißgetränk jetzt ideal ergänzen. Dann mache ich mich mit dem Dicken auf die Suche nach etwas Trinkwasser, lasse mich an einem Sportplatz zu einem spontanen Training hinreißen und gönne mir am Fluss eine Rasur. Dann neigt sich der Tag auch schon seinem Ende entgegen und wir ziehen uns ins Zelt zurück.

Am Freitag mache ich mich mit Rango an einen Rundgang durch Gori. Vorbei am Stadion geht es hinauf zur Festungsruine, die das Stadtbild prägt und einen guten Rundumblick erlaubt. Vorbei an der ein oder anderen Kirche schlendern wir in Richtung Stalinmuseum. Vorm eigentlichen Museum befindet sich das Geburtshaus von Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, das von einem Pavillon im griechisch-römischen Stil überdacht ist, sowie sein persönlicher Eisenbahnwagon. Eine Stalinstatue und der palastartige Museumsbau runden das Ensemble ab. Für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wirken von Stalin scheint hier wenig Raum. Weiter geht es Richtung Zentrum, vorbei am Reichstag von Gori (während des zweiten Weltkrieges von deutschen Kriegsgefangenen erbautes Rathaus) und nach einer kleinen regenbedingten Zwangspause zurück zum Zelt. Rango hat sich unterwegs wieder eine neue Freundin aufgetrieben, mit der er den Rest des Tages rund ums Zelt tobt.

Am Samstagmorgen (08.09.2018) organisiere ich mir ein kleines Frühstück und etwas süße Milch für meinen Kaffee. Über den Vormittag leere ich die komplette Dose Kondensmilch, die mir den restlichen Tag schwer im Magen liegt. Ich verlängere meinen Aufenthalt also aus Verdauungsgründen für einen Tag und ruhe mich größtenteils vorm Zelt aus.

Am Sonntag kristallisiert sich dann heraus, dass mein Unwohlsein nicht ausschließlich von der süßen Milch herrührte, ich habe mir einen Magen-Darm-Infekt eingefangen. So verbringe ich die nächsten Tage hauptsächlich in der Horizontalen, um mich am Freitag dann in die örtliche Klinik zu schleppen. Von allein ist nach mehrmaligem Auf und Ab doch keine Besserung in Sicht. Nach knapp 6 h Aufenthalt und zwei Infusionen habe ich endlich einen Zettel für die Apotheke in der Hand und kann ein paar Medikamente kaufen. Laut Übersetzungsapp soll ich im Anschluss nochmal zum "vergiften" in die Klinik zurückkehren. Gesagt, getan. Am frühen Abend geht es zurück zu Rango, der im Zelt auf mich warten musste. Für meine Matratze wiedermal kontraproduktiv, der Dicke hat selbige gelocht. Nach einer kleinen Reparatur geht es erneut in die Horizontale. Bis ich wieder reisebereit bin, sollten noch ein paar Tage vergehen.

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