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Eine Reise in eine andere Welt

Veröffentlicht: 07.05.2021

Die Maifeiertage haben wir genutzt und haben uns eine neue Ecke Chinas angeschaut: Dieses Mal hat es uns in den Nordwesten in die Provinzen Qinghai und Gansu verschlagen.

Aber erstmal von vorne: so viel wie für diesen Urlaub haben wir schon lange nicht mehr vorbereitet. Da es in Qinghai kein gutes öffentliches Verkehrsnetz gibt und wir in China kein Auto fahren dürfen, haben wir uns über eine kleine lokale, tibetanische Reiseagentur unsere Reise inklusive Fahrer zusammengestellt. Für die Maifeiertage wurde dieses Jahr ein großes Touristenaufkommen vorhergesagt, weswegen wir auch alle Züge im Vorhinein buchen mussten. Schon wenige Stunden, nachdem die Tickets rauskamen (Tickets können nur 2 Wochen im Vorhinein gebucht werden), waren je nach Strecke schon alle Züge ausgebucht. Aber zum Schluss haben wir doch alle Tickets bekommen :-)

Los ging es dann am 28.04. mit dem Nachtzug von Suzhou nach XiAn und am nächsten Tag weiter nach Xining in der Provinz Qinghai. Insgesamt waren wir 17 Stunden mit dem Zug unterwegs. Aber dieses Mal hatten wir keine schnarchenden Nachbarn, daher war die Reise angenehmer als letztes Mal.

In Xining angekommen, sind wir erstmal in die Snack-Straße essen gegangen.

Am nächsten Morgen wurden wir von unserem Fahrer Zhaxi, einem lokalen Tibeter, abgeholt. Zhaxi kommt ursprünglich aus Yushu, dem Ort, an dem es 2010 ein starkes Erdbeben gab, bei dem etliche Tausend Menschen starben. Er hat schon einiges erlebt und dank seiner vielen Geschichten wurde es auch nie langweilig mit ihm. Außerdem hat er uns sehr viel über die tibetischen Traditionen und den Buddhismus beigebracht.

Ziel für heute war der Beishan Nationalpark. Auf dem Weg dorthin haben wir uns noch 2 buddhistische Kloster angeschaut. Das erste davon wurde laut Zhaxi von drei Mönchen erbaut, die den König in Lhasa töteten und anschließend nach Xining flohen.

Danach fuhren wir zum nächsten Kloster in die Berge weiter. Zhaxi erzählte uns, dass es Mönche gibt, die sich zum meditieren für Wochen, Monate oder sogar Jahre in Höhlen zurückziehen und nur von dem Leben, was ihnen andere Mönche vorbei bringen. Schon eine krasse Vorstellung...

Am Nachmittag fuhren wir dann weiter Richtung Beishan, wo wir dann auch unser Lager für die Nacht aufschlugen. Für mich war es das 1. Mal „richtig“ Campen. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt konnten wir doch einigermaßen schlafen. Simon und ich haben schon Pläne geschmiedet, wo wir in Europa zelten können, wenn wir wieder zurück sind! Am nächsten Morgen sind wir dann noch zu dem großen Wasserfall (leider Fake :D) gewandert. 

Anschließend haben wir noch Simons Bekannten besucht. Er hatte einen Nudelladen in Suzhou, ist dann aber nach Xunhua am 黄河 (gelber Fluss) in Qinghai zurück gegangen. Derzeit wohnt die Familie in einem Zelt, solange bis ihr neues Haus fertig gebaut ist. Unser Plan war, dass wir nur eine Stunde bleiben, kurz was essen, und dann wieder zurück nach Xining fahren. Allerdings haben wir nicht bedacht, dass gerade Ramadan ist. Daher wird erst nach Sonnenuntergang im 20:10 zu Abend gegessen. Dementsprechend lange hat es dann doch gedauert. Aber es war definitiv einen Besuch wert!

Am Sonntagmorgen wurden wir dann wieder von Zhaxi abgeholt und nach Haibei gebracht. Dort haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und wollten 80km bis zu unserem Hostel am Qinghai-See entlang fahren. Die erste Hälfte war super anstrengend, da es die meiste Zeit bergauf ging. Von Haibei (rund 3000 m) auf Qinghai-See Höhe (rund 3300 m).

Die Anstrengung hat sich allerdings gelohnt! Am See angekommen, waren wir überwältigt von der Natur: blauer See, gelbe Wüste und im Hintergrund Schneeberge. Nach 50km auf dem Drahtesel bin ich dann doch aufs Auto umgestiegen, Simon ist die 80km noch fertig gefahren.

Am nächsten Morgen wurden wir von den Hostel-Besitzern zu einem original tibetischen Frühstück eingeladen. Es gab Tee mit Yak-Milch und dazu eine Art Brei aus einem speziellen Mehl, Tee, Yak-Käse und Yak-Butter. Hört sich etwas seltsam an, schmeckt aber wirklich gut! Frisch gestärkt haben wir uns wieder aufs Rad geschwungen und wollten die 60km nach Heimahe weiterfahren. Allerdings hat es so gestürmt, dass wir nur im Schritttempo auf gerader Ebene voran gekommen sind. Vollkommen durchgepustet und mit Sand in den Augen, haben wir uns nach 20km von Zhaxi abholen lassen. Wir waren enttäuscht, dass wir nicht weiter fahren konnten, aber bei diesem Sturm war es nicht möglich. Dafür hat Zhaxi uns dann zu einer Höhle gebracht, in der der Beschützer des Sees wohnen soll. Mit dem Auto wollten wir dann zur Vogelinsel, die in unserem Reiseführer als Sehenswürdigkeit beschrieben wurde. Leider war die komplette Insel abgesperrt wegen der brütenden Vögel.

Also wieder Planänderung, Fahrräder zurück gebracht und nach Xining gefahren.

Dienstag wurden wir dann ein letztes Mal von Zhaxi abgeholt. Ziel für heute war der Kanbula Nationalpark. Zufällig haben wir mitbekommen, dass Voith Hydro hier vor kurzem das Wasserkraftwerk überholt hat.

Nach zwei kurzen Wanderungen sind wir an einem Nonnenkloster angekommen. Die Landschaft und auch die Nonnen beziehungsweise das Kloster haben uns echt beeindruckt. Alle Nonnen, egal ob jung (teilweise noch Kinder) oder alt, saßen zusammen im Gebetsraum und haben Gebete gesungen, während Besucher sie mit Spenden beschenkt haben. Simon und ich haben mehrere Minuten nur zugehört und die Atmosphäre genossen.

Anschließend hat Zhaxi uns dann wieder zurück ins Hotel gebracht, wo wir uns leider von ihm verabschieden mussten. Wir sind sehr froh, dass wir ihn getroffen haben. Abgesehen davon, dass wir ohne ihn komplett aufgeschmissen gewesen wären, hat er unsere Reise wirklich bereichert. Er hat uns so viel beigebracht und erzählt und hat die Reise dadurch zu etwas ganz Individuellem und Besonderen gemacht.

An unserem letzten Urlaubstag sind wir mit dem Zug nach Zhangye zu den Regenbogen Bergen gefahren. Die Berge bestehen aus Steinschichten mit verschiedenen Mineralien, die durch plattentektonische Vorgänge zu Bergen aufgeschoben wurden. 

Leider sind die Rainbow-Mountains eine große Touristenattraktion, weswegen man nur mit Bussen umherfahren und nur kleine Teile selbst gehen darf. Aber landschaftlich sind die Berge echt toll!

So und jetzt sitzen wir wieder im Zug und sind auf der Heimreise. Dank des guten Schienennetzes brauchen wir für die rund 2000 km von Lanzhou in der Provinz Gansu bis nach Suzhou nur 10h mit dem Schnellzug. Zeit genug, um die ganzen Eindrücke und Erfahrungen anzufangen zu verarbeiten - und den Blogeintrag vorzubereiten.

Viele Grüße

Anna und Simon

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Antworten (1)

Ulrike
Fantastisch. Da wird man ganz neidisch. 😙