Beginnen wir doch mit Alberto. Alberto ist die Hafendrohne von Palermo. Sie macht Greifvogelgeräusche und kreist rund um die Schiffe, so auch um die Mein Schiff Flow. Sinn von Alberto ist das Vertreiben von Möwen, denn Alberto macht einen auf gefährlicher Greifvogel!
Solche und ähnliche Anekdoten erfährt man neben viel Technischem von Kapitän Jan G. Rautawaara bei der "Nautisch-Technischen Fragestunde". Ein tolles Event, bei dem der eloquente und sehr erfahrene Finne Fakten zu diesem brandneuen Schiff präsentiert. Der Kapitän beweist hier nicht nur jede Menge Fachwissen, sondern zeigt auch seinen herrlich trockenen Humor. Übrigens spielt er auch noch Bassgitarre bei allerlei Gelegenheiten, zum Beispiel am Abend der White Night zusammen mit der Band.
Aber nun wollt ihr doch bestimmt wissen, wie denn nun die Taufe der Mein Schiff Flow und die dazugehörige Reise waren.
Begonnen hat die Fahrt in Triest, was für uns besonders schön war, denn wir lieben die Stadt und ihr Flair. Die zwei Tage der Anreise lag die Mein Schiff Flow hier und nach einem Tag in Koper (Slowenien) nochmals zwei Tage, davon war der erste der Tag der Taufe. Manch einer hatte deshalb ein wenig Überdruss von Triest, aber wir haben es geliebt. Natürlich kann man von hier auch wunderbar in die Umgebung fahren. Wir waren zum Beispiel auf eigene Faust in Lipica, dem weltbekannten Gestüt, und in den Höhlen von Škocjan. Und dann zusätzlich ab Koper noch mit dem Bus in Piran. (Siehe dazu meine separaten Berichte unten.)
Aber eine Kreuzfahrt ist natürlich auch dafür da, dass man endlich mal alle seine schönen Kleider auftragen kann. Wir hatten dazu auch das perfekte Wetter: immer Sonnenschein und kaum Wind, was ruhiges Schlafen bedeutete, und natürlich warme Abende an Deck.
Übrigens hat uns die baugleiche Mein Schiff Relax viel Wiedererkennungswert geliefert. Und um Verwirrung auszuschließen, hatten wir sogar wieder dieselbe Kabinennummer: 11169.
Was war aber anders bei der Taufe? Während die Mein Schiff Relax im April 2025 in Málaga getauft wurde, war diesmal Juni. Im Mittelmeer bedeutet das meist Sonnengarantie.
Aber damals war Robbie Williams der große Showact vor der Taufe und übrigens auch der Grund für den gewählten Termin. Ein echter Knaller, mit tollem Konzert. Zusätzlich gab es bei jener Reise ein großes Flottentreffen mit insgesamt drei Schiffen. Allein das war schon herausragend. Damit konnte die diesjährige Taufe nicht mithalten.
Rea Garvey schaute zwar dieses Jahr am Vorabend der Taufe zu einem Konzert vorbei, allerdings in deutlich kleinerem Rahmen. Er war zwar angenehm nahbar und sorgte für gute Stimmung, beendete sein Programm jedoch recht abrupt und ohne auf Zugabe-Rufe zu reagieren.
Der Tauftag selbst begann dann bereits um 14 Uhr mit einem als Festival bezeichneten Programm. Das bedeutete, dass wechselnd Artisten, ein Mentalist und andere kleinere Shownummern auf verschiedenen Bühnen des Schiffes auftraten. Im Vergleich zum Vorjahr war das für mich leider recht schwach. Ein Festival stelle ich mir anders vor, mit größeren Musikacts und einem klareren Gesamtkonzept.
Auch die Idee mit gleich drei Taufpatinnen versandete etwas. Die drei Superfans waren von Guido Maria Kretschmer betreut und eingekleidet worden. Zwei von ihnen sagten auch ein paar Worte, die dritte trat dagegen kaum in Erscheinung.
Ein echter Gänsehautmoment war dagegen das kleine Flottentreffen mit der Mein Schiff 4. Unser Schiff, die Mein Schiff Flow, hatte den Hafen von Triest dafür bereits verlassen und lag etwas außerhalb des eigentlichen Hafenbeckens. Und dann wurden wir lauthals und enthusiastisch bei der Vorbeifahrt begrüßt. Gefühlt hatten alle Gäste des Schwesternschiffes ihre Handtücher in der Hand und wedelten von den Balkonen, über die Relings und von den Außendecks. Dazu ertönten immer wieder die Schiffshörner. Das war schon etwas Besonderes.
Das Feuerwerk nach der Taufe in der Dunkelheit der Nacht war ebenfalls spektakulär. Meine Fotos davon zeigen das ganz gut. Auch wenn es auf den Bildern so aussieht, das Schiff neben dem Feuerwerk ist nicht dir Mein Schiff Flow. Was ihr seht, ist tatsächlich die Mein Schiff 4, neben der die Raketen aufsteigen.
Wer nach diesem Zeremoniell Tim Bendzko lauschen wollte, blieb oben auf Deck 16 auf der Agora. Wir haben uns lieber zur Silent Disco mit gleich drei DJs begeben, die ich wirklich großartig fand (siehe dazu meinen separaten Bericht unten).
Als Fazit würde ich sagen, dass die Mein Schiff Relax für mich die spektakulärere Taufe geliefert hat. Die Taufreisen an sich fand ich aber beide gut.
Apropos Taufreise: Diese war mit dem Zerschlagen der Champagner-Flasche natürlich nicht zu Ende. Nach einem entspannten Seetag waren wir schon in Palermo (bei Drohne Alberto) angekommen und dann nach einem weiteren Tag auf See am Ziel in Palma de Mallorca.
Voll besetzt war das Schiff bei dieser Reise übrigens nicht. Es wurde wohl bewusst auf etwa 3.000 Gäste gedeckelt, obwohl die Mein Schiff Flow normalerweise knapp 4.000 Passagiere aufnehmen kann.
Ob allerdings das neue Konzept mit vielen Entspannungs-, Yoga- und Atemkursen langfristig aufgehen wird? Bei den Sportangeboten habe ich jedenfalls weit weniger Gäste gesehen, als die die gleichzeitig auf den Liegen in der Sonne lagen. Vielleicht lag es auch einfach am perfekten Wetter. Naja und das Alter spielt sicher auch eine Rolle. Im Schnitt sollen Mein Schiff Gäste 52 Jahre alt sein. Bei unserer Reise waren sie aus meiner Sicht deutlich älter.
Auffällig war zudem, dass viele der jüngeren Menschen an Bord offenbar aus dem Umfeld der Werft oder von Reisebüros stammten. Klassische Familien waren dagegen kaum vertreten (insgesamt wohl nur 49 Kinder). Das dürfte sich in den Ferienzeiten deutlich verändern.
Als kleinen Wunsch für spätere Reisen hätte ich gern mehr Lesungen, Vorträge oder andere informative Veranstaltungen. Gerade an den Seetagen hätte ich mir hier noch ein umfangreicheres Angebot gewünscht.
Was ich dagegen super fand, war die bunte Crew aus aller Herren Länder. Insgesamt arbeiten 1.413 Besatzungsmitglieder aus 45 Nationen auf der Mein Schiff Flow. Am Abschiedsabend auf der Agora konnte man Teile von ihnen fahnenschwenkend erleben. Eine schöne Inszenierung.
Ich denke auf vielen Kreuzfahrtschiffen ist so ein bunter Mix ähnlich, auch wenn die meisten Crewmitglieder von den Philippinen und aus Indonesien stammen.
Was zum Schluss jetzt noch fehlt, ist eine Anekdote von Kapitän Jan G. Rautawaara:
So hat er uns erzählt was man bei hohem Wellengang in einer Hafeneinfahrt macht: Nur im Notfall einen Schlepper bestellen. Denn die sind richtig teuer. Im Hafen von Palma de Mallorca zum Beispiel satte 96.000 Euro! Das sollte man also möglichst vermeiden. Genauso wie natürlich von Bord zu springen. Trotz des relativ kleinen Wendekreises der Mein Schiff Flow findet dich nämlich ohne Warnweste in der Dunkelheit niemand, so Kapitän Jan G. Rautawaara, dabei verschmitzt lächelnd.
Dann gönnte er sich noch einen Schluck aus seiner „Multitasse, in der ausschließlich Wasser zu finden ist – meistens zumindest.".
Meine separaten Berichte zu dieser Reise:
https://vakantio.de/reisetante/2026-juni-lipizzaner-gestuet-in-lipica
https://vakantio.de/reisetante/2026-juni-piran
https://vakantio.de/reisetante/2026-juni-silent-disco-auf-der-mein-schiff-flow
https://vakantio.de/reisetante/2026-juni-taufreise-der-mein-schiff-flow-ups-falsche-veranstaltung
https://vakantio.de/reisetante/2026-juni-palermo-mit-dem-palazzo-butera?published=1