2025 - November - Venedig - Acqua alta
Diese Reise hat eine Vorgeschichte oder besser gesagt zwei: Zum einen waren wir ja 2020 während der Corona-Hochzeit hier und wollten von damals noch Lücken schließen. Zum...


Veröffentlicht: 05.11.2025





























































Manchmal kommt die Kunst einfach zu dir, unvorbereitet sozusagen. In Venedig kann man sich ja ohnehin treiben lassen, und so findet sie dich an jeder Ecke, die Kunst. Überall gibt es neben alten Bauwerken auch sehenswerte Ausstellungen. Und dann plötzlich ist da die weltbekannte Biennale.
Biennale? Schon mal gehört, oder? Ja, da gibt es das Filmfestival, aber eben auch die Kunstausstellungen und im Wechsel mit dieser dann die Architekturbiennale. Und das ist alles in Venedig.
Schon im Stadtgebiet stießen wir rein zufällig in einer Kirche auf den litauischen Beitrag dazu. Beim Betreten dieser stand da eine große Baumwurzel. Sie war zentral installiert, dazu lief ein Film, der den Raum ergänzte. Die Installation trug den Titel „Archi/Tree/tecture“ und thematisierte den Verlust von Natur in der städtischen Architektur.
Und damit sind wir auch schon beim Thema der diesjährigen Architekturbiennale:
„Intelligens. Natural. Artificial. Collective.“ – auf Deutsch: „Intelligenz. Natürlich. Künstlich. Kollektiv.“
Die Biennale verteilt sich dabei auf verschiedene Standorte: Die Giardini della Biennale, das Arsenale und zahlreiche weitere Standorte in der Stadt.
Wir waren bei ersterem und dort gleich zu Beginn im Pavillon der Schweiz. Das Motto der Installation ist hier eigentlich ein Zitat: „Die endgültige Form wird von der Architektin am Bau bestimmt“ von Lisbeth Sachs. Ansonsten sieht man hier hauptsächlich Wände und Vorhänge und hört Stimmen einer Klanginstallation. Wir waren verwirrt - zu viel Kunst am Bau.
Der dänische Pavillon war zwar umfangreicher, aber Bauschutt und verschiedene Baumaterialien führten bei uns eher zu der Erkenntnis, vielleicht doch nicht zum Zielpublikum zu gehören.
Der polnische Pavillon war dagegen richtig lustig. Unter der Überschrift „Lares und Penaten: Über das Schaffen eines Sicherheitsgefühls in der Architektur“ ging es um Hausgötter – das sind nämlich Lares und Penates. Mit einem ordentlichen Augenzwinkern wurde gezeigt, wie sie in der Architektur Schutz bieten können, nicht nur vor Wind und Wetter, sondern auch vor Krieg, Klimakrisen oder Unsicherheit. Mit aufgezeichneten Pfeilen und Hinweisen erfuhren wir zum Beispiel, wie Salz in der Ecke als Schutz vor schlechter Energie dient, dass Türschlösser das Innere sichern und dass man auf ungestrichenem (!) Holz klopfen sollte.
Der Notausgang des Pavillons wiederum wurde mit 76 (!) Schildern regelrecht umkränzt. Ich habe nachgezählt. Natürlich gibt es auch Glücksgroschis (oder -pfennige), eine Wünschelrute und sogar einen Feuerlöscher, der wie eine Heilige präsentiert wird.
Ganz ernst und eindrucksvoll war dagegen der deutsche Pavillon. Das Bauwerk selbst wurde 1909 errichtet, später angepasst und trägt den Schriftzug „Germania“, der mich an nationalsozialistische Architekturphantasien erinnert hat. Im Inneren jedoch dominiert ein ganz aktuelles Thema: Es geht um die Erderwärmung und die Überhitzung in zugebauten Städten. Die Besucher werden von einer virtuellen Endzeitglocke empfangen, ein Film unterstreicht das Thema, und ein heißer Raum mit Wärmebildkamera ergänzt das Erlebnis.
Der gleich daneben liegende britische Pavillon ist ebenso aufwendig und behandelt ein anderes schwieriges Thema: Die Ausbeutung von Bodenschätzen durch das ehemalige britische Empire in Afrika. Dabei zeigt eine Karte in einem der Räume Afrika – auf dem Kopf stehend, groß und zentral. Unten dann das kleine Großbritannien. Eine Botschaft, die auch ich sofort verstanden habe.
Weitere interessante Pavillons:
Uruguay: Ein dunkler Raum mit Eimern thematisiert den Umgang mit Wasser.
Kanada: Wachsende, halb-natürliche Strukturen zeigen die Verbindung von Architektur und Natur.
Finnland: Ein Film zeigt, wie ein hölzerner Pavillon seit 1956 immer wieder neu aufgebaut wurde – trotz schwieriger Witterung.
Und dann dieser Pavillon, von dem ich nicht weiß, durch wen er repräsentiert wird: Hier ist eine Katze Teil des Werks. Sie sitzt lebend (!) auf dem Schoß der Aufsichtsperson und ist gleichzeitig auf einem kleinen Bildschirm zu sehen.
Ich könnte noch so viel mehr berichten, aber das würde wohl zu sehr ausufern. Wir waren jedenfalls bis zum Sonnenuntergang, kurz vor 17 Uhr, auf dem Gelände und ein bisschen traurig, nicht mehr Zeit gehabt zu haben.
Die Architekturbiennale läuft übrigens noch bis zum 23. November 2025. Wird knapp, ich weiß. Aber in zwei Jahren kommt sie mit neuem Thema wieder.
