2025 - Mai - Berlin - Deutschlandmuseum
Was ist eigentlich typisch deutsch? Wo kommen wir her – und gab es „uns“ schon immer? Fragen wie diese beantwortet das Deutschlandmuseum, falls ihr euch solche Gedanken schon...


Veröffentlicht: 19.05.2025





































Papenburg hat uns in vielerlei Hinsicht überrascht. Der Ort liegt für uns nicht gerade um die Ecke, weshalb es bislang nie zu einem Besuch gekommen war. Dabei stand besonders die Besichtigung der Meyer Werft schon lange auf meiner Wunschliste.
Während der Besuch der Werft erwartungsgemäß beeindruckend war, hat mich der Ort selbst umso mehr überrascht. Papenburg war für mich ein unbeschriebenes Blatt – und so ungewöhnlich, dass ich unbedingt davon berichten möchte: Wir kamen am Samstag, dem 17. Mai, gegen 19 Uhr an.
Die Sonne stand noch angenehm am Himmel, und so machten wir uns gleich auf einen kleinen Erkundungsgang. Die Stadt ist durchzogen von diversen Kanälen – der Hauptkanal verläuft direkt durch das Zentrum. Alles wirkte extrem gepflegt, Vögel zwitscherten, doch etwas fehlte: Menschen.
Wir waren nahezu allein unterwegs. Die Geschäfte hatten natürlich bereits geschlossen, aber auch auf den Straßen war niemand zu sehen. Keine Autos, keine Passanten, es war fast gespenstisch, als hätte jemand alle Menschen einfach „herausgebeamt“. Geradezu unheimlich.
Sind hier um diese Uhrzeit schon alle im Bett?
Letztlich fanden wir doch noch einige geöffnete Gaststätten und konnten sehr gut essen. Unser erster Eindruck also: wunderschön, ruhig und romantisch – besonders durch den Kanal und die historischen Schiffe darauf. Einige meiner Fotos, die ich hochgeladen hatte, erinnerten Freunde sogar an die Niederlande. Und dieser Eindruck täuscht nicht: Die niederländische Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt, und auch landschaftlich sowie kulturell gibt es viele Parallelen.
Papenburg wurde im 17. Jahrhundert als erste deutsche Fehnkolonie zur Torfgewinnung gegründet. Zum Abtransport des Torfs baute man ein verzweigtes Kanalsystem. Die ersten Schiffe für diesen Zweck kamen wohl aus den Niederlanden – doch schon bald begann man, sie direkt vor Ort zu bauen.
Im Laufe der Zeit entstanden über 20 Holzschiffswerften in Papenburg. Auch der Vorfahr des späteren Gründers der Meyer Werft zog wegen der günstigen wirtschaftlichen Lage in die Stadt. Der Familienname war ursprünglich „Jansen“ – doch einer örtlichen Anekdote zufolge soll der Pfarrer bei der Ankunft gesagt haben: „Jansens habe ich schon genug in der Gemeinde. Ab heute heißt ihr Meyer.“
Im Jahr 1795 erwarb Willm Rolf Meyer ein Grundstück und gründete seine eigene Werft. Der entscheidende Schritt kam 1874, als Joseph Lambert Meyer den Bau von Eisenschiffen aufnahm. Anfangs belächelt, sollte sich dieser Schritt als zukunftsweisend erweisen.
Heute ist die Meyer Werft eine der führenden Werften der Welt – insbesondere im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Kriegsschiffe werden hier ausdrücklich nicht gebaut. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in Familienbesitz, musste aber während der Corona-Pandemie staatliche Hilfen in Anspruch nehmen, wie viele andere Betriebe der Branche auch.
Ein Besuch der Werft lohnt sich auf jeden Fall – entweder individuell oder im Rahmen der sogenannten Premium Tour, bei der man mit dem Bus an Meyers Mühle abgeholt wird.
Diese wunderschöne historische Mühle gehört übrigens nicht zur Werft (trotz gleichen Namens) und steht auch nicht auf deren Gelände. Sie liegt am Hauptkanal in der Innenstadt und kann ebenfalls besichtigt werden.
Darüber hinaus gibt es in Papenburg noch weitere Mühlen – zum Beispiel die Bockwindmühle, die etwas außerhalb, aber ebenfalls idyllisch an einem Kanal liegt.
Unser Fazit:
Wer ein entspanntes Wochenende in einem gepflegten, ruhigen Ort verbringen möchte – mit historischem Charme, schöner Natur und der Möglichkeit, ein hochmodernes Unternehmen wie die Meyer Werft zu besichtigen –, ist in Papenburg genau richtig. Wer länger bleibt, kann zusätzlich Ausflüge zur Nordsee oder ins nahegelegene Holland unternehmen.
