2025 - April - Narbonne
Wusstet ihr, dass Rom (mindestens) eine Tochter hat? Die älteste (!) Tochter Roms haben wir gerade besucht: Narbonne. Sie wurde im Jahr 118 v. Chr. gegründet und war damit die...


Veröffentlicht: 25.04.2025


































Angemessen dekadent speisen zum Geburtstag. War das die Idee hinter dem Besuch im Les Grands Buffets? Nein, so war es natürlich nicht.
Ehrlicherweise ist mir die Idee hierzu regelrecht zugeflogen. Dass ich nämlich einfach nur einen Stopp zwischen Barcelona und Paris während meiner Reise einlegen wollte, das stand schon länger fest. Und dann habe ich zufällig ein Video von einer Foodbloggerin gesehen. Sie war völlig begeistert und gab eine 10 von 10 für den Besuch im Les Grands Buffets in – Überraschung – Narbonne. Genau dem Ort, in dem ich ohnehin einen Stopp einlegen wollte.
Da musste (!) ich unbedingt hin.
Einziger Haken: Es ist extrem schwierig, Karten für das Restaurant zu bekommen – obwohl es an 365 Tagen im Jahr mittags und abends geöffnet ist, mit Buchungsslots im Viertelstundentakt.
Die Buchungsseite im Internet ist allerdings ein einziges Rätsel. Irgendwann habe ich herausgefunden, dass größere Ticket-Kontingente wohl nur alle paar Monate auf einen Schlag freigegeben werden. Danach bleibt nur noch die Hoffnung auf Rückgaben. Dann zeigt der Buchungskalender für genau die Personenanzahl, die storniert wurde, ein offenes Zeitfenster. Gibt also jemand einen Tisch für 10 Personen zurück, kann man nur exakt diese 10 Karten buchen – keine mehr, keine weniger.
Dazu kommt: Die Kreditkarte muss sofort hinterlegt werden. Bei Nichterscheinen oder Storno werden pro Person 35 Euro No-Show-Gebühr fällig. Und: Es gibt keinen Kontakt zum Restaurant – kein Anruf, keine Mail, nichts.
Ich habe wochenlang versucht, für den 24.04.2025 einen Tisch zu bekommen und dabei festgestellt: Einen 4er-Tisch bekommt man eher als einen 2er. Aber irgendwann klappte es – ein Tisch für 4 Personen! Nur der Buchungsprozess ist eine digitale Geduldsprobe.
Ich habe es an mehreren Computern probiert, mit verschiedenen Browsern, und dann auf meinem Handy – immer brach der Vorgang kurz vor Eingabe der Kreditkartendaten ab. Erst ein zweites (!) Handy brachte schließlich die Erlösung: Die Buchung ging durch!
Die französische Bestätigungsmail habe ich mir natürlich sofort gespeichert.
Dann war er endlich da – mein Geburtstag, der 24.04.2025. Wir standen pünktlich um kurz vor 13 Uhr vor dem Eingang. Inzwischen waren wir tatsächlich zu viert, denn mein Sohn war extra mit seiner Freundin angereist.
Das Gebäude selbst lässt nicht erahnen, was sich darin verbirgt – von außen eher unscheinbar, in einem Komplex mit Eishalle und Schwimmbad etwas außerhalb des Zentrums.
Am Eingang dann der Schock: Unser Name war nicht auf der Gästeliste. Nach kurzer Recherche kam die Info: Ich hätte am Vortag storniert. Eine entsprechende Mail – natürlich auf Französisch – lag tatsächlich in meinem Spamordner. Und auf meinem Kontoauszug: 140 Euro No-Show-Gebühr wurden abgebucht.
Ich war fassungslos und kurz vorm Heulen. Angeblich storniert, dafür gezahlt – und trotzdem mit meinen Gästen vor verschlossenen Türen. Immerhin ließ man uns wissen, dass es eventuell noch Chancen gäbe. Und tatsächlich: Wir waren am Ende die allerletzten Gäste, die zu diesem Mittag eingelassen wurden.
Aber: Die 140 Euro No- Show-Gebühr bekommt man nicht vor Ort zurück. Man muss per Brief (!) widersprechen – online geht nichts.
Für den Buchungsprozess und die Abwicklung vergebe ich deshalb: 0 von 10 Punkten.
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Teil 2: Schlemmen wie Gott in Frankreich – mein Geburtstag im Les Grands Buffets
Drinnen erwartete uns dann eine eigene Welt. Gleich am Eingang bekamen wir einen Plan – leider auf Französisch – und liefen einfach mal los. Das Restaurant ist riesig, mit mehreren prunkvoll eingerichteten Räumen und einem Garten. Die Gäste sitzen in kleinen Gruppen getrennt, die Atmosphäre ist gleichzeitig festlich und familiär.
Ein erster Überblick – und dann direkt rein ins Buffet:
Es scheint, als gäbe es nichts, was es nicht gibt. Französische Spezialitäten en masse: Schnecken, Austern, Muscheln, Froschschenkel, Terrinen – ich habe alles probiert! Die Froschschenkel sogar aus Versehen, weil ich sie für kleine Kaninchenteile hielt. Schmeckt auch so ähnlich. Erst beim zweiten Gang habe ich die französische Beschreibung mal durch den Übersetzer gejagt.
Auch Stopfleber (Foie Gras) stand auf dem Programm – inklusive langer Schlange. Ich wusste erst gar nicht, für was ich da eigentlich anstand, aber am Ende bekam ich einen liebevoll angerichteten Teller mit verschiedenen Varianten, jede mit eigenem Schildchen. Geschmacklich hat sie mich aber eher erschlagen – sehr fett, sehr intensiv, und begleitet von einem kleinen schlechten Gewissen.
Die Live-Küche – direkt vom Koch serviert:
Ein echtes Highlight sind die Hauptgerichte à la Auguste Escoffier, die live vom Koch vor den Augen der Gäste zubereitet werden. Eine Art Showküche mit Anspruch. Man bestellt, wartet kurz und bekommt dann ein wunderbar angerichtetes Gericht frisch auf den Teller. Mein Sohn hat so z. B. zum ersten Mal Knochenmark probiert.
Und dann kam sie: die Andouillette 5A – ebenfalls direkt vom Koch zubereitet. Ein echtes Grenzerlebnis. Ich bestellte neugierig – und bereute es sofort. Beim Anschnitt zerfiel die Wurst, sie roch sehr speziell, die Füllung bestand aus großen, schwer zu identifizierenden Stücken. Es waren Innereien und die esse ich eigentlich gerne, aber das war selbst mir zu heftig. Auch mein Sohn, sonst bei jedem Fleischthema schmerzfrei, musste die Wurst stehen lassen.
Dessert, Käse & Wein zum Mitnehmen:
Zum krönenden Abschluss: Desserts und Käse. Die Auswahl war überwältigend. Natürlich kann man nicht alles probieren – aber alles, was wir probiert haben, war hervorragend.
Die Getränke gibt es übrigens zum Erzeugerpreis, was viele Gäste dazu verleitet, am Ende gleich kistenweise Wein mit nach Hause zu nehmen.
Kosten, Tipp & Fazit:
Am Ende zahlten wir 62,90 Euro pro Person für das Essen – für diese Auswahl, Qualität und Menge ein echtes Schnäppchen.
Mein Tipp: Wenn möglich, unbedingt eine frühe Uhrzeit buchen. Zum einen ist es dann entspannter, zum anderen werden später manche Buffet-Teile nach und nach geschlossen. Wer alles sehen und kosten will, sollte also möglichst früh da sein.
Mein Fazit: Trotz aller Hürden – ich würde wieder hingehen. Wenn ich in der Gegend bin, auf jeden Fall. Das Essen war ein echtes Erlebnis, mit vielen Überraschungen.
Ich vergebe fürs Restaurant selbst: 9 von 10 Punkten. Wenn der Buchungsprozess je verbessert wird, gibt’s sogar die volle Punktzahl.
