2025 - April - Tanger
Aller Anfang ist schwer – Marokko und ich hatten keinen leichten Start. Schon die Anreise war turbulent: Mit über 60 Knoten (rund 111 km/h) Windgeschwindigkeit erreichte ich mit...


Veröffentlicht: 13.04.2025






































Typisch Großbritannien: Man kommt an – und es regnet. In unserem Fall wurden wir sogar von Blitz und Donner geweckt. Die Wetteraussichten für den Tag waren entsprechend trüb: Der Himmel grau und der Felsen von Gibraltar vollständig in Wolken gehüllt.
Also war Umdenken angesagt. Mein ursprünglicher Plan, mit der Seilbahn auf den Felsen zu fahren und das Gebiet samt der berühmten Affen zu erkunden, fiel buchstäblich ins Wasser. Stattdessen entschied ich mich für die Regenalternative: die Erkundung der berühmten Tunnel. Gibraltar besitzt ein rund 55 Kilometer langes unterirdisches Tunnelsystem – mehr Strecke unter als über der Erde. Die meisten dieser Tunnel wurden in den letzten 200 Jahren von der britischen Armee angelegt.
Google Maps zeigte mir vom Schiff aus eine machbare Distanz von 2,3 Kilometern an – allerdings inklusive Treppensymbol. Kein Problem, dachte ich mir. Gesagt, getan. Was ich nicht wusste: Nach diversen Treppen erreichten wir zunächst nur die Kasse des Moorish Castle – und ohne Eintritt von 30 Pfund pro Person ging hier nichts weiter. Dafür erfuhren wir, dass dieses Ticket den Zugang zum gesamten Gebiet auf dem Felsen ermöglicht. Die mitgegebene Karte zeigte ein großes Areal mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten.
Problematisch war allerdings die Zeit: Spätestens um 17:30 Uhr mussten wir zurück an Bord. Und da wir wetterbedingt erst mittags losgegangen waren, wurde es nun ein Wettlauf gegen die Uhr.
Noch immer im Regen erreichten wir schließlich die World War II Tunnels. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Gibraltar zu einer strategischen Hochburg. In den Felsen wurde ein weitläufiges Tunnelnetz in den Kalkstein gehauen – quasi eine unterirdische Stadt. Hier wurden Ressourcen gelagert, Ausrüstung gewartet und eine Garnison auf eine mögliche Belagerung vorbereitet. Außerdem bot das Tunnelsystem einen militärischen Vorteil zur Überwachung der Straße von Gibraltar.
Heute geben die Tunnel eindrucksvoll Einblicke in das Leben der Soldaten, die hier unterirdisch lebten. Es gibt Informationen über die wenigen verbliebenen Zivilisten – die meisten wurden nach Großbritannien evakuiert – sowie zur Kriegsgeschichte der Region.
Trocken geblieben sind wir übrigens auch in den Tunneln nicht – es tropfte stellenweise, und die ausgehändigten Helme waren innen bereits feucht. Unsere Frisuren waren nach dem Rundgang jedenfalls endgültig ruiniert.
Da wir nun schon einmal oben waren und der Regen nachließ, nahmen wir den Plan, die Affen zu besuchen, wieder auf. Ziel: Apes’ Den. Der Name bedeutet wörtlich „Höhle der Affen“ – und tatsächlich trifft man hier auf die berühmten Berberaffen (Barbary Macaques), die halbwild auf dem Felsen leben.
Zahlreiche Touristenbusse steuern diesen Punkt an und spucken Menschenmassen aus. Die Fahrer kennen ihre Tricks, um besonders junge Affen anzulocken – mit dem Ergebnis, dass die Tiere gelernt haben: Menschen bringen Futter. Und das führt zu Problemen, auf die ich gleich noch zurückkomme.
Wir wollten nicht Teil dieser Affenselfie-Touristenmasse sein und entschieden uns daher, den Charles V Wall hinaufzuklettern – einen historischen Verteidigungswall, der sich im Zickzack den Berg hochzieht. Heute ist er mit Handläufen ausgestattet, aber der Aufstieg bleibt steil und wird von Touristen kaum genutzt – Busreisende haben dafür schlicht keine Zeit.
Sagte ich gerade „kaum genutzt“? Das gilt für Menschen – nicht aber für die Affen. Die fühlen sich hier pudelwohl. Und nun zurück zu den „trainierten“ Tieren: Diese sind es gewohnt, auf Menschen zu springen, und das kann auf dem engen Wall durchaus gefährlich werden. Ein entgegenkommender Engländer wünschte uns daher augenzwinkernd „Good luck“ für den Aufstieg.
Wir steckten unsere Brillen in die Jackentaschen und hielten die Rucksäcke dicht am Körper. So vorbereitet kamen wir fast unversehrt oben an – nur ordentlich außer Puste. Immerhin hatten wir uns von Meeresniveau auf 412 Meter hochgearbeitet, größtenteils über Treppen.
Für eine weitere Erkundung blieb leider keine Zeit mehr. Zum Glück war die Talfahrt mit der Seilbahn im Ticketpreis enthalten – so schafften wir es rechtzeitig zurück aufs Schiff.
Eine populäre Legende besagt übrigens, dass, solange die Affen in Gibraltar leben, das Gebiet britisch bleibt. Dies hat die lokalen Behörden dazu veranlasst, diese Tiere als Teil ihres Erbes und als Touristenattraktion zu pflegen und zu schützen.
In unserem Fall können wir sagen: Die Affen sind noch da – und wir auch heil wieder zurück. Großbritannien kann also erst mal aufatmen.
