Tag 1: Über den Col des Ayes nach Saint Véran
Anstrengender und rassiger Start

Veröffentlicht: 17.07.2023











Die Stollenreifen unserer Bikes mahlen den feinen Kies des breiten Wegs hoch Richtung Refuge de la Blanche und ansonsten sind nur die lauten Freiläufe einiger Bikes zu hören, wenn gerade mal nicht in die Pedale getreten wird.
Einzig etwas störend sind die Linienbusse, die Wanderer noch weiter ins Tal hineinfahren, damit der Weg zum Refuge für sie nicht ganz so weit wird (siehe Foto).
Heute ist alles etwas gemäßigter geplant, was allen heute recht ist. Wir umfahren den König der Region, den 3800m hohen Monte Viso und es wartet immerhin der höchste Übergang der Tour auf uns, der uns auf 2850m bringt und danach dann auf über 2200 m HD teils in etwas kniffligerer Abfahrt weit ins Tal herunterführt.
Wir gelangen bald zum dem nett gelegenen Refuge am gleichnamigen See Lac de la Blanche (vermutlich sind im Winter die weißen Berge gemeint … momentan sind die alle unten grün und oben steinfarben) auf 2500m bei dem sich ein bunter Strauss von Outdoor Touristen tummelt: Von vollbepackten Wanderern und Radfahrern mit Riesenrucksäcken bis hin zu den bald eintreffenden Tagestouristen ist alles vertreten. Auch stehen viele dekorative olivfarbene Zelte rum … Vermutlich Jugendlager?
Im Winter scheint hier auch ein gutes Skitourengebiet zu sein, wie überhaupt die ganze Gegend offenbar eher im Winter Geschäft macht. Wir fragen uns, was man im Sommer in Saint Vélan wohl eine Woche lang macht.
Nach der Pause wird das Rad wieder gestossen auf die Passhöhe und einerseits macht sich die Höhe etwas bemerkbar und es wird dabei immer windiger bis es letztlich am Col oben ganz schön pfeift.
Wir machen uns daher kurz davor fertig (Schoner und langes Shirt) für die Abfahrt, da es laut Co-Guide „ganz schö s‘ Loch runtergoht“. Also genauer gesagt machen sich alle fertig bis auf Joseph, der die Szenerie amüsiert betrachtet. Er fährt einfach immer im Sport Shirt und kurzen Hosen und mit völlig abgefahrenen Nobby Nic Reifen sowohl bei 35 Grad hoch als auch anspruchsvoll runter. Aber bei an die 100 Biketagen pro Jahr ist das dann wohl so…
Bergab ist es dann sehr abwechslungsreich und ich kann mit dem Guide prima mithalten. Steile Absätze und Hänge sowie Rinnen und viele Kehren erfordern Konzentration. Über eine Stelle musste auch länger abgestiegen werden. Insgesamt fährt man 1000 m HD vom Col bis in den Talboden in diesem Hang.
Nach dem längeren Mittagessen an einem völlig zerfallenen ehemaligen Militärgebäude (Alte verfallene Militäranlagen gibt es hier sehr reichlich) fahren wir steile Grashänge und plötzlich hat unser Guide einen langen Stacheldraht zwischen Rahmen ins Hinterrad, was ohne bleibende Schäden entfernt wird. Bei der unfreiwilligen Pause wird noch mehr Stacheldraht entdeckt ….
Unterhalb des netten Stausees Lago di Castello wird dann wild gefeiert mit lauter Musik, aber der Vorteil ist, dass sich dort keine Nachbarn beschweren können.
Der Trail war im Talboden dann zwar flacher aber immer wieder gewürzt mit kurzen steilen „bergauf und bergab“ Passagen, die auch unvermittelt auftauchten aber immer auch mit sehr schönen Aussichten auf den See bzw ins Tal. Gegen Ende mutierte der Trail dann in eine Art Grasrennbahn, in der man mit viel Grip das Rad in den Kurven auch gut etwas schräg legen konnte.
So kamen wir dann in Sampeyre an und checkten in ein großes Hotel ein, das offenbar zu 80% von älteren Rentnern bewohnt wird. Breite Gänge von denen die Zimmer abgehen …. beleuchtete Hinweisschilder … Ravioli mit Steinchen, damit der lokale Zahnarzt auch was davon hat …