Tag 4 Oulu - Inari
Welch ein Horror, zum echten Camper werd ich wohl nicht mehr. Nach einer unruhigen Nacht in einem unbequemen Bett hatte ich um 7:00 Uhr genug, bin aufgestanden, die 100m zu den...


Veröffentlicht: 20.08.2020
Es hatte die Nacht über stark geregnet. Jetzt um 7:00 Uhr Morgens ist die Luft klar aber die Temperaturen sind merklich gesunken. Sie sollten auch die 11 Grad Celsius Marke heute nicht mehr überschreiten.
Ich hatte super geschlafen und das Frühstück war auch gut.
Da gestern Abend in den Nachrichten kam, das für deutsche und auch norwegische Urlauber ab Montag wieder in eine 14 tägige Quarantäne bei Einreise nach Finnland verpflichtend ist. Habe ich mich entschieden auf direktem Weg nach Norwegen zu fahren. Ansonsten könnte die Retourkutsche kommen. Man weiß ja nicht was den Norwegern als Antwort darauf einfällt.
Um 8:00Uhr ging’s los. Heute habe ich zum ersten Mal den Thermoeinsatz meiner Jacke angebracht und die Sommerhandschuhe gegen ein Paar wärmere getauscht. Und das war auch gut so. War schon recht frisch aufm Bike. Heute hatte ich manchmal viele Kilometer keine Menschenseele zu Gesicht bekommen. Einerseits Ist das nicht schlecht aber manchmal geht auch das Kopfkino los, was wäre wenn....... Naja, ist ja alles gut gegangen.
Der Grenzübertritt von Finnland nach Norwegen verlief fast unbemerkt und völlig unspektakulär. Während ich mir überlegte ob dies auch der Grenzübergang ist, war ich auch schon drüber. Auch wieder ohne irgendjemand zu sehen.
In dem Städtchen Karasjok musste ich dann tanken. Da bot sich dann auch gleich die Gelegenheit eine Tasse Kaffee zu trinken und die Uhr musste auch wieder um 1 Stunde zurückgestellt werden.
Was noch erwähnenswert ist wie sich die Vegetation schlagartig verändert hat. In Finnland meistens Flachland und Wälder, nun wurde es bergig und die Bäume wichen hohen Büschen, die man mit viel gutem Willen vielleicht noch Bäumchen nennen konnte. Aber auch das hielt nicht lange. Auch die verschwanden und das Land wurde immer rauher und die Berge immer schroffer. Teilweise lag noch ein wenig Schnee auf den Bergen. Ein bisschen Gras und reife Blaubeeren soweit das Auge reicht. Dann der Moment, man fährt wie so oft um eine langgezogene Kurve und da lag der erste Fiord mit all seine Pracht direkt vor mir. Rentiere grasen nicht weit vom Ufer entfernt und du denkst du bist auf einem anderen Planeten. Umwerfend majestätisch dieser Anblick von -Natur Pur-.
Immer am Meer entlang geht es nun Kilometer um Kilometer nach Norden.
Dann kommen ein paar Tunnel, mal ehrlich, sowas habe ich noch nicht gesehen. Einer zum Beispiel ist 7 km lang und geht die ersten Kilometer ziemlich steil bergab. Man muss unweigerlich an den Film über „die Reise zum Mittelpunkt der Erde„ nachdenken. Es wird einem dann wirklich mulmig, es ist dort drinnen auch einiges kälter als draußen, die Wände sind auch nicht glatt und aus Beton, es sieht eher aus wie von riesiger Hand herausgeschlagen. Dann geht es ca. in der Mitte wieder bergauf bis man irgendwann das Ende dieses nachtschwarzen Tunnels erreicht. Puhhh!
Irgendwann ca. 15km vor dem Ziel Nordkap winded sich die perfekt asphaltierte Straße immer weiter die Berge hoch. Am höchsten Punkt hat man dann die Aussicht auf einen Fjord. Ich weiß, ich schwelge in Superlativen. Aber wenn man es mit eigenen Augen sieht versteht man es. Es ist atemberaubend.
Nach einer kurzen Pause geht es nochmals 15 min weiter bis ich den nördlichsten Punkt Europas der vom Festland aus befahrbar ist erreiche, das Nordkap, endlich! Ich sehe schon von weitem die berühmte stählerne Erdkugel die auf keinem Photo fehlen darf. Auch hier wieder ein unglaubliches Panorama, schroffe Klippen die mindestens 100m tief bis ins Meer hinabreichen. Strahlend mache auch ich ein Photo vor der Kugel. Dann halte ich ein wenig inne und lasse den Moment auf mich wirken.
Eine Stunde später bin ich wieder auf der Fahrt nach Honningsvag einem kleinen Fischerstädtchen entlang der Hurtigrute. Hier finde ich ein Hotel für die Nacht. Zum Abendessen gönne ich mir eine Spezialität die auch hier teuer ist, aber sicherlich einen Bruchteil dessen kostet, was man in deutschen Edelrestaurants dafür berappen müsste. Mein Abendessen war eine Königskrabbe. Obwohl ich nicht der größte Krabbenfan bin muß ich sagen, das war echt lecker.
Somit neigte sich wieder ein langer Tag dem Ende zu. Morgen beginnt der Rückweg der aber hoffentlich sehr entspannt sein wird.