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Tag 27: Der Store rollt wieder ...

Veröffentlicht: 05.06.2018

Auch heute klingelte der Wecker wieder um 6.20 Uhr. Da jeden Dienstag die Arbeiter in Okaue mit Lebensmitteln versorgt werden, sollte es auch heute wieder auf Store-Fahrt gehen. Als erstes musste dafür das Auto beladen werden. Da wir heute mit einem anderen Auto gefahren sind hatten wir weniger Platz auf der Ladefläche und mussten dadurch auch noch die hinter Sitzbank beladen. Dabei wurde auch Jakobs Sitzplatz bzw. Jakob beladen ...



Mit leicht eingeschränkter Bewegungsfreiheit ging es dann um 10.00 Uhr los. Diesmal in umgekehrter Reihenfolge belieferten wir die drei Siedlungen mit Lebensmitteln. Von Grundnahrungsmitteln wie Mais- und Weizenmehl, Rapsöl, Zucker, Reis und Nudeln über kleine Extras wie Trinkbrause oder Tabak, Arbeitswerkzeuge und Kleidung bis zu Sonderbestellungen wie Conditioner oder ein neues Handy. Immer dabei die Kiste mit den Kassenbüchern der einzelnen Arbeiter. Ware für Ware wurde dort für die spätere Abrechnung und Buchhaltung vermerkt. Im Vergleich zum letzten mal zeigten sich die ersten beiden Dörfer heute extrem kaufwütig, so dass uns wir für das letzte Dorf noch nicht einmal mehr die Grundnahrungsmittel anbieten konnten. Offensichtlich störte sie das aber kaum, denn nur wenige nahmen das Angebot an außerordentliche Bestellungen bei uns aufzugeben zu können. Mit einer Menge Müll und noch mehr Arbeitern (ich glaube es waren so um die 15) auf der Ladefläche ging es dann über Kalkfeld zurück nach Hause. Man merkt vor allem in Kalkfeld, dass wir uns am Anfang eines Monats befinden und die Leute ihr frisches Gehalt nahezu aus dem Fenster schmeißen. Als wir gegen 14.00 Uhr auf der Farm eintrafen konnten wir erstmal die Mittagspause nachholen.

Später machten wir uns dann an die Abrechnung der heutigen "Verkäufe". Außerdem musste noch für jeden Arbeiter ein neuer Arbeitsvertrag vorbereitet werden. Durch die Bewerbung für den FSC hatten sich einige Bedingungen geändert und der hiesige Verbund der Holzkohleexporteure hatte einen Vordruck an alle Farmer ausgegeben. Dieser musste für jeden einzelnen Arbeiter (knapp 50 Stück) nun vorbereitend ausgefüllt werden. Nun müssen mit den Arbeitern zusammen noch einzelne Angaben (zB. fehlende ID-Nummer oder Familienverhältnisse) nachgetragen und die Verträge unterschrieben werden. Das wird, wenn es soweit ist, auf jeden Fall ein langer Tag werden ...

Beim Abendessen bahnte sich dann noch eine kleine Überraschung an. Eine der Arbeiter aus Okaue rief an und berichtete das seine Frau in den Wehen läge und es wohl Komplikationen mit dem Kind gäbe. Als erstes versuchte Sylvia den Rettungswachen zu arlamieren. Dieser ist aber rund 1 Stunde entfernt stationiert (in Otjiwarongo) und war auf Nachfrage beim Notruf gerade nicht verfügbar. Der nächste Anruf richtete sich an die örtliche Polizei in Kalkfeld, die zusagten mit einer Krankenschwester aus der "Clinic Kalkfeld" (eine "Klinik" in der aber kein Arzt sondern nur "Erste-Hilfe-Schwestern" arbeiten) nach Okaue zu kommen . Das einzige Problem, die Polizei kam ohne Schlüssel nicht auf das Gelände drauf. Eigentlich ist ein Schlüssel beim "leitenden" Arbeiter in Okaue vorhanden, da sein Traktor aber gerade in Reparatur war hatte er keine Möglichkeit zum Tor zu kommen. Also machten wir uns schnell auf den Weg, doch unter einer halben Stunde schafften wir es im Dunkeln nicht. 


Rund eine Stunde nach dem Anruf waren wir dann in der Siedlung angekommen. Die Frau wirkte sehr schwach, war aber noch in der Lage zu gehen und wurde von der Polizei auf dem schnellsten Weg in die "Clinic" gebracht. Alles also halb so wild ...

Eigentlich machen sich die schwangeren Frauen selbstständig und rechtzeitig vor der Entbindung auf den Weg in die "Clinic" in Kalkfeld. Dort sind sie schließlich auch durch einige wenige, aber immerhin einige, Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen bekannt. In diesem Fall gab es aber ein Missverständnis mit dem Geld für das Taxi. Dieses bekommen sie von der "Bank Sylvia" geliehen und es wird im Kassenbuch vermerkt. Jetzt hatten wir aber heute morgen vergessen ausreichend Geld mitzubringen und konnten der schwangeren Frau kein Taxi-Geld leihen. Gegen Abend bekam die Frau dann die ersten Wehen und konnte nicht mehr auf das Geld am nächsten Tag warten.

Ob das Kind gesund zur Welt gekommen ist weiß ich bis jetzt noch nicht, aber auf jeden Fall ist sie sicher im Krankenhaus angekommen. 

Gegen 21.30 waren wir von unserem abendlichen Ausflug zurück und wir konnten ins Bett gehen.



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