Zur Nordsee
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Samstag 10/09/2022

Heute findet eine Geschichte ihr glückliches Ende, die schon vor einem halben Jahr ihren Anfang nahm und die ich hier mehr oder weniger kurz wiedergeben möchte. Ich hab nämlich meine Brille wieder. 

Also die Geschichte geht so: Im Frühling dieses Jahres musste eine neue Lesebrille her, nichts Aussergewöhnliches in meinem Alter. Sie sollte mir nicht nur das mühelose Lesen wieder ermöglichen, sondern dazu auch noch eine gute Falle machen. Dafür war also nicht die Landi die richtige Adresse, sondern das Optikfachgeschäft im Nachbardorf. 

Bald lag meine neue Brille abholbereit im Geschäft, mit Gläsern von Rodenstock und einem Gestell von David Beckham Eyewear. Letzteres Merkmal ist nicht ganz unwichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte.

Zuhause stellte ich als stolzer Besitzer der neuen Brille fest, dass die inzwischen benötigten dreieinhalb Dioptrien bei den Gläsern bereits beim Blick gegen den Zeitungsrand zu eigenartigen Seheffekten führten, die bei noch etwas grösserer Distanz «Schwindel und Schlechtigkeit» zur Folge hatten.

Die freundliche Optikerin im Geschäft riet mir daraufhin, statt dem Einstärkenglas ein Glas mit abgestuftem Korrekturbereich zu wählen. Der Wechsel der Gläser wurde kulant vollzogen, allerdings überstieg der Brillenkauf damit schon mal die Mach-1-Schwelle – ich hatte ehrlich gesagt noch nie eine so teure (Lese-)Brille.

Nun kann man im guten Fachgeschäft die neue Brille gegen jegliche Unbill versichern lassen, was ich aber dankend ablehnte. Ich hab noch nie vorher eine Brille verloren, noch bin ich drauf gesessen oder damit gegen einen Kandelaber gelaufen. Und der Neuerwerb sollte ja nicht noch teurer werden...

Nach ziemlich genau 14 Tagen muss ich bei der Gartenarbeit (bei der ich die Brille aufhatte, ich musste ja etwas sehen bei der Arbeit) etwas unvorsichtig hantiert haben. Die Folge war ein Kratzer auf dem linken Glas. Also schnell zum Optiker und nachgefragt, was man dagegen tun könne. «Nichts, ausser das Glas auswechseln», war der Bescheid. Kostenpunkt Fr. 436.–. Wie war das jetzt mit der Versicherung? Ich beschliesse, das Glas (noch) nicht zu wechseln, mal schauen, ob sich mein Gehirn an die kleine Sehstörung gewöhnt.

Im Sommer dann das nächste Malheur: Beim Reinigen der Brille löst sich eine der beiden dreieckigen Metall-Einlagen vorne auf der Fassung, was die Wirkung des stylischen David-Beckham-Designs ungemein  schmälert. Der Optiker meint stirnrunzelnd, dass er einen solchen Fall noch nie gehabt hätte, ist aber ohne Federlesen bereit, das Gestell gegen ein neues auszutauschen. Unter Garantie, versteht sich. Nun habe ich eine tolle Brille mit einem kleinen Kratzer im Glas, dafür mit einer nigelnagelneuen Fassung. Und damit gehts wenige Tage später auf die Reise Richtung Nordsee.

Nach Nancy und Metz kommen wir in Huldenberg an. Von hier aus besuchen wir das nahe Leuven (siehe Blog vom 26. und 27. August), trinken dort ein feines begisches Bier, gucken uns die Stadt und die Sehenswürdigkeiten an. Gleich im Zentrum gibts einen wundervollen Laden mit vielen tollen Dingen, die man im Haushalt gebrauchen kann. Wir schauen uns um und finden neue Trinkgläser, die genau in unseren Wohnwagen passen. Ideale Grösse für den Jus zum Frühstück und den Rosé zum Apero. Der Laden hat den lustigen Namen «Dille&Kamille». 

Am Abend, zurück auf dem Camping, bleibt die erwähnte Brille unauffindbar! Wo könnte sie wohl liegen geblieben sein? Ich rufe im Café Commerce an, wo wir das Bier genehmigt hatten, doch dort ist keine Brille zu finden. Im M-Museum ist sie wohl eher nicht, weil dort brauchte ich die Brille nicht. Und bei «Dille&Kamille»? Konnte ich nicht mehr anrufen, da inzwischen zu und am Sonntag geschlossen. So langsam beginne ich mich damit abzufinden, dass das teure Stück wohl unwiederbringlich verloren ist.

10 Tage darauf: Stadtbummel in Brügge (Blog vom 7. September). Und was entdecken wir da? Hier gibts ebenfalls einen «Dille&Kamille». Also kurzentschlossen rein, nochmals zwei Gläser gekauft und dabei die junge freundliche Verkäuferin gefragt, ob es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, im Geschäft in Leuven nachzufragen, ob dort zufällig eine entsprechende Lesebrille (Lesbril auf Flämisch ) gefunden worden sei. Schon hat die freundlich lächelnde Verkäuferin den Telefonapparat in der Hand und ruft den Manager in Leuven an, um nachzufragen. Natürlich führt sie das Gespräch auf Flämisch. Mit einem strahlenden Lächeln kommt unvermittelt die Frage: «David Beckham?». Ja, ja, genau, David Beckham – in einer roten Klappbox! Wer ausser mir trägt schon in Belgien eine Brille, die auf den Namen David Beckham hört und in einem roten Etui steckt?

Das Schicken per Post stellt sich dann als leider nicht möglich heraus, aber immerhin, das gute Stück ist geortet. Muss aber in Leuven abgeholt werden. Das würde fast zwei Stunden Autofahrt bedeuten, hin und zurück wären das dann vier, und über die Ringautobahn rund um Brüssel... 

Wir entschliessen uns deshalb, das nächste Reiseziel in die Nähe von Antwerpen zu verlegen, das wir uns auch noch ansehen möchten. Und so sind wir gestern in Kasterlee draussen auf dem Land hinter Antwerpen auf einem ruhigen Camping gelandet. Und haben heute die Brille in Leuven abgeholt, bei Dille&Kamille. Und gleich noch sechs weitere Gläser gekauft. Weil die sind für zuhause auch ganz praktisch. 

Belgien

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