Die USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Seit ich klein bin, stehen die
USA auf Platz 1 meiner Bucketlist. Nachdem Covid das Leben aller lahmlegte, blieb seit Anfang 2020 viel Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken. Bis zum finalen Entschluss, tatsächlich in die USA zu reisen, vergingen ganze 17 Monate. Nicht, dass ich die ganzen 17 Monate über diese Sache nachgedacht hätte, aber da ich wusste mein Universitätsabschluss rückt näher und näher, wusste ich auch: etwas wird sich verändern. Um ehrlich zu sein, kristallisierten sich die Staaten als eine der Möglichkeiten erst ziemlich spät heraus, nämlich als mir das Au Pair Programm von Cultural Care vorgeschlagen wurde. Aus einer "ich kann mich ja einfach mal anmelden und schauen was passiert"-Idee wurde dann ziemlich schnell ernst. Nach einer verhältnismäßig kurzen Matchingphase, in der man die Chance hat mit verschiedenen Familien aus den USA zu sprechen, kristallisierte sich recht schnell eine Familie aus Denver, Colorado heraus. Die Familie bestand, oder besser gesagt besteht aus: den Eltern in ihren 30ern, einem 13-jährigen Sohn, einem 4-jährigen Sohn, einer 3-jährigen Tochter, zwei Katzen und einem Hund. Anfang September entschieden sich beide Seiten nach dem ersten Gespräch via Zoom dafür, das kommende Jahr gemeinsam zu verbringen. Mein Au Pair Jahr sollte im Januar 2022 starten, also blieben nach dem Matching noch gute vier Monate, um sich etwas besser kennenzulernen. Dies geschah durch weitere Zoom-Gespräche und durch viele Nachrichten und Fotos. Im November folgte der Visumsantrag in der amerikanischen Botschaft, bei dem mein Puls das erste Mal ins Unermessliche stieg. "Ich fliege wirklich in die USA." In der Botschaft erinnerte ich mich zurück an einen Tag im Sommer 2014, als ich ein Bild von Los Angeles ausdruckte und es an mein Bettgestell klebte, da wo eigentlich ein Traumfänger hängen sollte. Und nun stand ich in der amerikanischen Botschaft und war dabei ein Visum für ein ganzes Jahr in den USA zu beantragen. Nachdem der Visumsantrag geschafft war, ging alles plötzlich ganz schnell. Ich schrieb eine Packliste, ging zu letzten Arztterminen, verabschiedete mich von Freunden und Familie und bereitete mich mental auf die Ausreise vor. Besonders die Weihnachtszeit war nochmal sehr emotional. Zwei Tage vor der Ausreise fing ich langsam an, meine Koffer zu packen. Am 7. Januar war es dann so weit. Ich verabschiedete mich von meinem Bett, meinem Zimmer, dem Bad, dem Haus und von Marley. Ich glaube, für jeden ist es schwierig den Haustieren auf Wiedersehen zu sagen, aber das war wirklich hart. Ein letzter Blick zurück, auf mein zu Hause und dann mit einem tiefen Atemzug ins Auto. Little did I know, ich hätte getrost noch eine weitere Nacht zu Hause verbringen können, aber dazu später mehr. Angekommen am Düsseldorfer Flughafen stand der schwierigste Part ja noch bevor: meiner Familie auf Wiedersehen sagen. Während mein Gepäck nach dem Security Check auf Sprengstoff untersucht wurde, konnte ich meine Familie ein letztes Mal für lange Zeit sehen, dann ging die Reise alleine weiter. In Frankfurt verlief alles recht schleppend und nachdem ich dann zwei Stunden im schon verspäteten Flugzeug saß und auf den Start wartete, wurde der Flug gecancelt. Zusammen mit zwei weiteren Au Pairs wurde ich im Steigenberger Hotel direkt am Frankfurter Flughafen einquartiert. Am nächsten Tag gings weiter, leider ohne die Au Pairs, aber zumindest pünktlich. Der erste Flug ging nach Chicago und neben mir saß Frederick, ein Deutscher, welcher seit zwei Jahren mit einem Stipendium in Indiana Fußball am College spielt. Er erzählte mir sehr viel über die USA, die Menschen, die Erlebnisse, die Einreise durch die Immigration Control und Customs. Dies nahm mir die Angst vor den grimmig drein schauenden Leuten am Schalter in Chicago. Doch nochmal kurz zurück spulen. Von der Immigration Control 20 Minuten zurück: noch saß ich im Flieger und wir waren kurz davor zu landen. Der gute Frederick erzählte mir gerade etwas über seine amerikanische Freundin, aber ich konnte mich nicht darauf konzentrieren. Mein Blick wanderte an ihm vorbei, aus dem Fenster: ein Wassertank. Ein richtig amerikanischer Wassertank. Ich sehe außerdem riesige Straßen, große Autos und die Skyline von Chicago. "ICH BIN IN AMERIKA!!" Zack durch die Immigration Control, kein Stopp bei Customs, Frederick verabschieden uuuund... es ist geschafft. Nach kurzem Zwischenstopp in Chicago ging es weiter Richtung Denver. Mein Koffer, welcher inzwischen an einer Seite gebrochen war, ließ ganz schön auf sich warten. Meine Hostfamily hatte sich bereits auf den Weg gemacht und mir ein Foto aus dem Auto geschickt: alle fünf kamen mich abholen. Mein Koffer, Gott sei Dank in einem Stück, kam an, und ich fand meine Gastfamilie schnell in diesem riesigen Flughafen. Mit einem selbstgebastelten Schild warteten alle auf mich. Die lange Reise war geschafft. Insgesamt trug ich meine FFP2 Maske in diesen zwei Tagen für mindestens 20 Stunden, schwitzte und fror, war super aufgeregt, zwischendurch aufgelöst, freute mich riesig und stellte alles in Frage. Doch endlich konnte ich sagen: "das Abenteuer beginnt."