Lass Losdüsen Lore
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Tag 87-98: Die Spitzen der Berge, die Tiefen der Gesundheit

Veröffentlicht: 20.07.2024

Tag 87-98.


3 Monate (fast) Dauercamping hinterlassen seine Spuren. Wir fühlen beide eine kleine Erschöpfung in uns aufkeimen, was aber auch hauptsächlich daran liegt, dass wir uns nicht so richtig fit fühlen. Nachdem Chris die Kotzerietis überwunden hat, kränkelt Eva nun bei der Ankunft in Chamonix. So haben wir uns das Wiedersehen mit den hohen Bergen nicht vorgestellt. Trotzdem sind wir vollkommen beeindruckt von dem Anblick der sich uns nun offenbart. Das steile Felsmassiv des Mont Blanc bei strahlendem Sonnenschein!


Der erste Campingplatz den wir ansteuern liegt direkt im Stadtzentrum, dementsprechend ist er klein und, wer hätte es gedacht, komplett voll. Die Hauptsaison hat begonnen. Wir fahren also in den Nebenort Les Bossons und finden dort ein gemütliches Plätzchen im Schatten des Mont Blanc. Am Ankunftstag läuft nichts mehr außer ausruhen, die Trägheit muss überwunden werden.


Am nächsten Tag geht es uns beiden schon viel besser, was für ein Glück. Dann kann der Ausflug in die City ja beginnen. Wir tuckern mit dem Ortsbus in das Zentrum und werden mal wieder völlig unvorbereitet von der internationalen Menschenmasse überrascht. Hier tummeln sich Amis, Asiaten und Europäer im Epizentrum des französischen Alpinmekkas. Auf unserem Campingplatz steht sogar ein Wohnmobil aus Kuwait. Und wir dachten, wir sind schon lange unterwegs.

Uns erfasst die Shoppinglaune und wir werden von den angesagten Outdoorlabel-Läden angezogen um kurzerhand beim Anblick der Preise wieder rauszustolpern. Naja dann wenigstens bummeln, auch gut! Zum Mittag gibt es typisch französisch Hot Dogs und wir machen uns zu Fuß zurück zum Campingplatz. Die Wege sind ein Traum jedes Wanderers, entspannt, wurzelig und immer wieder blitzt der Mont Blanc durch die Nadelbäume.


Der Ultralauf in der Schweiz, den Chris Ende Juli bezwingen will, rückt näher und nach den letzten kranken Tagen muss das Training wieder aufgeholt werden. Also geht es am nächsten Tag für Chris die Berge rauf und bei sommerlichen Temperaturen wieder runter. Gegen Mittag brechen wir zusammen wieder in die Stadt auf und planen eine Wanderung zu einer kleine Hütte. Irgendwie schaffen wir es aber wieder in der Innenstadt zu landen und wieder in die Outdoorläden zu watscheln. Nach der erneuten Bummelei geht es dann endlich in den Wald und 400 Höhenmeter hinauf zum kleinen Chalet de Floria. Super Essen. Super Aussicht. Mehr bleibt nicht zu sagen. Lore sitzt zum ersten mal auf einem Hochstuhl, was bei Mutti und Vati direkt für gute Laune sorgt.

Auf dem Rückweg findet Chris Pilznase noch ein Dutzend Pfifferlinge, das Abendessen ist also gesichert.


Die verantwortungsbewussten Eltern die wir sind, haben wir uns natürlich vorab informiert wie hoch wir mit Lore wandern können. Naja. Nicht ganz. In Chamonix stellen wir bei einer schnellen Internetrecherche fest, dass Babies sich besser nicht über 2000 Höhenmeter aufhalten sollten. Daher bleiben unsere Wanderungen unterhalb der Baumgrenze. Ist auch schön!

Trotzdem würden wir gerne mal mit einer Gondel fahren um zumindest ein bisschen Höhenluft zu schnuppern. Wir finden zum Glück auch eine Seilbahn die auf 1800m geht und planen einen schönen Abstieg ins Tal für den nächsten Tag.

Gesagt getan. Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich am Schalter der Gondel und wollen ein Ticket für eine einfache Hinfahrt kaufen. Die Frau hinter der Kasse wirft ein Blick auf Lore und fragt nach dem Alter. Neuf mois. Ne pas possible. Ok? Aber wir fahren doch nur auf 1800. Die Frau schüttelt wirsch den Kopf und sagt es sei nicht erlaubt. Wir sind sichtlich enttäuscht. Die Frau drückt uns noch einen rein und sagt vorwurfsvoll: This is your child! Ja, ist ja gut. Wo die unfreundliche Kassiererin wohl Recht hat, hat sie Recht. Die erneute Recherche zeigt, dass man mit Baby auch einfach besser gar nicht Gondel fährt, weil sie den schnellen Druckunterschied nicht ausgleichen können.

Also geht es wieder in die City. Shopping Tag Nr. 3. Jetzt schlägt Chris doch zu und mit Falafel im Bauch und einer leichteren Kreditkarte geht es wieder zurück zum Camping.


Auch wenn wir nicht alpin unterwegs waren, so verlassen wir Chamonix mit einem zufriedenen Gefühl. Jetzt noch schnell einkaufen und tanken bevor es in die Schweiz geht. Kippel wir kommen!

Im Lötschental können wir bei Chris Schwester im Ferienhaus ein paar Tage bleiben. Endlich wieder ein richtiges Bett!


Im Regen kommen wir in dem gemütlichen Dörfchen an und werden sogleich herzlich von Chris Schwager und den Kids begrüßt. Für Lore ist es das absolute Spieleparadies. Ihr Cousin und ihre Cousine bespaßen sie durchgehend und jetzt gibt es endlich mal richtiges Spielzeug anstatt nur Kochlöffel, FlipFlops und Wäscheklammern. Das urige Häuschen ist genau das richtige um mal wieder ein paar Tage Bus-Pause zu bekommen.


Die nächsten Tage versprechen Sonnenschein und wir lassen uns vom Postbus zum Tal-Ende hinauf kutschieren und laufen die Strecke entspannt wieder bergab. Die Hauptsaison macht auch vor der Schweiz keinen Halt, es ist einiges los auf den Wanderpfaden. Aber kein Problem, nachdem wir den Hauptrubel hinter uns lassen, verirren wir uns schon auf alten Wanderwegen und müssen über Elektrozäune steigen und durch hüfthohe Gräser staksen. Auch wenn wir das Abenteuer nicht immer rufen, irgendwie findet es uns trotzdem.

Abends grillen wir noch auf einem öffentlichen Grillplatz (in der Schweiz sogar inklusive Grillholz) und genießen die Ruhe des Tals.


Unsere Fahrräder haben schon Rost angesetzt und kleine Spinnenweben ziehen sich über die Lenker. Ja, ist schon was her, seitdem wir das letzte mal geradelt sind. Seither dienen die Räder eher als hübsche Deko für die Heckklappe. Das wollen wir heute ändern. Von Chris Schwager bekommen wir sogar ein neues Goodie für Lore. Ein Fahrradsitz für vorne. Der muss natürlich sofort ausprobiert werden.

Uns zieht es auf die Liftstation, 500 Höhenmeter sollte doch drin sein. Nachdem Lore noch den Skihelm ihrer Cousine auf bekommt und eher aussieht als würde sie bei der Bob-WM teilnehmen, geht es los.

Nach 140 Höhenmetern fallen wir beide erschöpft vom Sattel. Chris, weil Lore vor ihm schief wie eine Banane im Sitz hängt und Eva weil sie schon nach 50 Höhenmeter nicht mehr kann. Und jetzt? Umdrehen? Oh nee, dann hat sichs ja gar nicht gelohnt. Also entscheiden wir uns für unser Lieblingsmotto: Es wird geschoben.

Die Schweizer finden das wohl völlig skurril, wer schiebt denn freiwillig sein Renn(!)rad den Berg hoch. Wir werden ein paar mal gefragt ob denn alles in Ordnung sei und wir einen Lift nach oben brauchen. Nein nein! Lore hängt mittlerweile im 90 Grad Winkel in ihrem Sitz und ist eingeschlafen. Im Wechsel schieben wir das querhängende Kind die Serpentinen hoch. Das letzte Stück radeln wir dann doch noch hoch, aber sind sichtlich erschöpft als wir uns an der Liftstation auf die Terrasse fallen lassen.

Ein gutes hat das ganze: Die Fahrt nach unten! Nach zwei Kaltgetränken und einer Pommes für 11€ geht es im Sauseschritt den Berg wieder runter. Lore findet es nicht so prickelnd, sie muss sich wohl erstmal noch an die neue Sitzgelegenheit gewöhnen.


Den letzten Tag verbringen wir gemütlich im Haus und einem kleinen Spaziergang mit der Familie. Chris startet noch einen Berglauf und somit sind wir bereit für die Eigernordwand, an dem der Ultralauf stattfindet.


Die Abfahrt aus Kippel gestaltet sich als reiner Nervenkitzel. Im negativen Sinne. Wir wollen früh los, damit wir noch einen Platz auf dem Campingplatz in Grindelwald am Eiger bekommen. In der Nacht bekommt Lore Fieber und bei dem Versuch ihr morgens ein Zäpfchen zu geben, schießt es nur so aus dem Kind raus. In wilder Panik werden die eingesauten Sachen nur schnell zusammengeknüddelt und ins Auto geworfen. Dann springt das Auto von Chris Schwager nicht an und wer ahnt es: Es fängt wieder an zu regnen. Mit einer leichten Verzögerung treten wir dann doch noch die Fahrt an und per Autoverlader (Autozug durch den Berg, wow!) geht es in 1,5 Stunden nach Grindelwald.


Wir bekommen auch noch einen Platz auf dem Campingplatz der direkt unterhalb des Eigers liegt. Die Umgebung ist phänomenal! Nicht so phänomenal ist der Gesundheitszustand unseres Babies. Lore‘s Fieber prescht auf 40 Grad hoch und sie vegetiert völlig apathisch vor sich hin. Man kann von Glück reden, dass sie erst nach 3 Monaten so krank ist.

Die nächsten zwei Tage sind wie im Delirium. Die Sonne knallt vom Himmel und um uns rum starten die Wanderer ihre Touren. Wir bleiben auf dem Campingplatz und umsorgen unser Kind. Mit Wadenwickel, Zäpfchen und ganz viel Kuscheln wird das Fieber nach 2 Tagen endlich weniger. Dafür sitzt die Nase jetzt mit richtig Rotze zu. Aber die Lebensgeister kehren ins Baby zurück und auch wir beruhigen uns wieder.


Nach kurzer Sorge ob Chris den Lauf überhaupt antreten kann, entscheiden wir uns doch hier zu bleiben und können sogar am 3. Tag eine kleine Wanderung durch die märchenhaften Wälder machen.

Ähnlich wie in Chamonix herrscht hier Tourismus Hochbetrieb. Allerdings tummeln sich in der Stadt nicht nur begeisterte Wanderer. Wohlhabende Araber und Japaner quetschen sich mit dicken Autos und vergoldeten Felgen durch die Sträßchen um mit der Gondel auf 3900 Höhenmeter hochzujuckeln. Alles für das perfekte Selfie. Hmm. Ein komisches Gefühl.


Eva setzt sich am Tag vor dem Lauf mit einigen von ihnen zusammen in die Gondel zum Eigergletscher hinauf. Das schlechte Gewissen, dass sie die Höhenmeter nicht selber bezwingt keimt auf, aber beim Anblick der steilen Felswände verfliegt das Gefühl schnell wieder. Diese Berge lassen einfach jeden staunen.

Hoch geht es auf einen weiteren Klettersteig! Beim Aufstieg wird sie noch von einem älteren Japaner abgelichtet und trifft auf der Mitte des Weges einen Schweizer der sein Alphorn mitgeschleppt hat und nun ordentlich hinein pustet. Hier erlebt man echt einiges!

Unten im Tal holen Chris und Lore schon mal die Laufutensilien ab und winken der Muddi fröhlich zu, als sie am Nachmittag mit der Gondel wieder nach unten gedüst kommt.


Jetzt wird‘s ernst. Der Eiger Ultralauf ist endlich da. Chris packt am Abend seinen neuen Laufrucksack und macht sich bereit am nächsten Tag um 08:00 Uhr zu starten.

Wird er die 37,5km und 2500Hm bezwingen?


Fortsetzung folgt…

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