Die ersten Tage - Quito
Die ersten Tage in Quito waren durchwachsen. Geschlaucht vom langen von Turbulenzen & Verspätung geprägten Flug und einer Erkältung im Schlepptau. Wir waren uns direkt einig...

Veröffentlicht: 13.11.2016
Da das Secret Garden Hostel in Quito ein hoch gelobtes Package von 3 Tagen & 2 Übernachtungen am Cotopaxi anbietet, haben wir die Chace ergriffen und uns auf in die Natur gemacht. Das Hostel liegt sehr abgeschieden und die Fahrt über unbefestigte Straßen zusammengequetscht in einem alten Jeep hat es uns erstmal schwer gemacht die Aussicht zu genießen. Allerdings ist unser Zeil inmitten der Ebene so schön und friedlich das sich der holprige Weg allemal lohnt! Hier passt der Name Secret Garden wie Arsch auf Eimer. Eingebettet in einer kleinen Gartenanlage in deren Blumen man die Kolibris beobachten kann fühlen wir uns sofort wohl! Man hat hier auch die Möglichkeit in einem Hobbit Home zu schlafen, leider waren die schon ausgebucht. Unser Dorm hat sich den Titel gemütlich allerdings auch mehr als verdient! Breite Betten mit Kuscheldecken und einem Kamin der kurz vor der Schlafenszeit angeheizt wird!
Bald nach der Ankunft gabs eine kleine 2 stündige Tour zu einem Wasserfall der uns wohl an die körperliche Aktivität in der Höhe gewöhnen sollte. Und ja... am Anfang hat man schon was von nem schnaufenden Walross! Und während wir uns abplacken hat uns eine Dame Anfang Siebzig erklärt das sie auf ihre alten Tage nochmal beschlossen hat die Welt zu bereisen! Kaffeeklatsch auf ca 3500 Höhenmeter. Sie nicht mehr aus der Puste als wir. Beeindruckende Persönlichkeiten trifft man eben oft wo man sie am wenigsten erwartet.
Allein die überwältigende Aussicht auf den Vulkan zu genießen hat uns den restlichen Nachmittag gekostet. Das Team des Hostels meinte wir hätten wahnsinniges Glück eine so klare und freie Sicht auf den Cotopaxi zu haben! Danach war dann nur noch in den Hängematten oder vor dem Kamin entspannen angesagt.
Am nächsten Morgen ging dann die größere Wanderung los. Wir hatten Glück und waren nur eine kleine Truppe von 5 Mann. Beth (eine Australieren die uns noch länger begleiten sollte), ein kanadisches Ehepaar Ende 50 und wir. Auch wenn die Wege leicht zu passieren waren und der Anstieg nicht steil - die Höhe hatte es in sich! Das beste dabei war dass wir aufgrund der kanadier eine fundierte Ausrede für viele kleine Pausen hatten. Die sind ja immerhin schon älter, die sollten öfter mal verschnaufen ne;) Nach ca 4 Stunden gabs auf dem Gipfel erstmal Lunch und das berühmte Bananenbrot, von dem man im Hostel so viel essen kann bis man platzt oder es alle ist (zu meinem Leidwesen eher alle).Total süß war auch der Dackel Milo der und den Weg über Begleitet hat! Das fiel sogar mir das Teilen von Snacks leicht. Die Aussicht auf 4200m war beeindruckend und die Plackerei echt Wert. Außerdem eine Gipfelhöhe zum angeben;P Was in Südamerika als Pimmelgipfel zählt macht im vergleich zu den Alpen schon was her! Auf dem Abstieg haben wir Wildpferde gesehen die uns ziemlich nah haben passieren lassen. Unten angekommen war, abgesehn vom Bananenbrot essen, nichtstun und entspannen angesagt. Die Selina hat am 3 Tag dann noch einen Ausritt gemacht von dem sie ganz begeistert war. Beth und ich haben einfach nur die Landschaft & die Sonne genossen und versucht Kolibris zu erspähen. Nach dem Mittagessen gings dann los nach Latacunga, unserem Ausgangsort für den Quilotoa Loop. Um dahin zu kommen sind wir das erste mal mit öffentlichen Bussen gefahren. Bedeutet: an der "Autobahn" stehen den Bussen signalisieren das du mit willst. Warten bis sie etwas langsamer an dir vorbei fahren, Latacunga schreien, und dies so lange wiederholen bis einer stoppt weil er da tatsächlich hinfährt und dich mitnimmt.
Im Hostel in Latacunga haben wir uns dann nach dem Quilotoa Loop erkundigt. Einer Dreitägigen Wanderung die an einem Kratersee endet. Dort haben wir Abends eine zweite Australierin kennengelern, Lyndal, die sich uns spontan angeschlossen hat. Schon haben wir unsere großen Rucksäcke zwischengelagert, Snacks für drei Tage gekauft und unsere kleinen Daypacks gepackt. Zu viert sind wir also am Sonntag Morgen losgetiegert. Eine DinA4 Kopie mit Anweisungen, Schwarzweisbildern und der Aussage: "Man kann sich gar nicht verirren weil überall Makierungen sind"! im Gepäck. Siegessicher sind wir also nach zwei Stunden Busfahrt von Sigchos aus losgewandert. Tja... die Makierungen sahen wie folgt aus: ca jeden Km war was mit orangfarbener Sprühfarbe makiert... Steine, Wurzeln, Bäume oder auch nur dünne Äste. Ich rechne uns ja hoch an das wir uns nur einmal verlaufen haben und den Irrtum, querfeldein auf einem Acker stehend, schon nach 10min erkannt haben. Der erste Tag war einfach, nur der letzte Part, geschätzt 300 Höhenmeter in 1 1/2 km gequetscht hat uns fertig gemacht! Wir hätten es uns eigentlich denken können, war der Part laut Beschreibung schon mit einem -brace yourself- angekündigt ... Alles in allem lagen wir jedoch mehr als gut in der Zeit und haben ca 4 Std nach Isinliví gebraucht. Völlig platt sind wir also in unsrem Hostel (Llulu Lama) angekommen. Nach einem ordentlichen Abendessen, einer heissen Dusche und dem obligatorischen Smalltalk mit andren Backpackern sind wir wie tot ins Bett gefallen! Nicht mal mehr die Muse für ein Bier gehabt!
Früh am nächsten Tag gings weiter nach Chugchilán. Die ersten Km der Strecke ging es dann erst mal Bergab. Eher zu unsrem Wiederwillen - wo man runter geht muss man später wieder hoch! Schon bald sind wir dann erstmal in ein wahnsinnig grünes Tal gekommen. Durch die Mitte hat sich ein Bergfluss geschlängelt und drumherhum haben Kühe, Schafe und Pferde gegrast. Auch hier waren die nächsten Stunden wieder ziemlich einfach. Wieder waren es die letzten paar 2-3 Km die uns gekillt haben. Die Wege bergauf bestehen zu einem grossen Teil nur aus Sand, was durchaus zu dem ein oder andren nicht jugendfreien Fluch geführt hat! Allerdigs, bei den fiesen Stellen hat sich herausgestellt das wir zu viert die ideale Konstellation waren. Lyndal + ich in einem Tempo & Sini + Beth im selben. Als wir dann für die letzten 1 1/1 Km an einer Straße rausgekommen sind hat uns prompt ein kleiner Lieferwagen angeboten uns hinten mit zu nehmen. Ich hab meinen Rucksack quasi schon halb auf die Ladefläche geschmissen, als Lyndal so schnell verneint das ich der Staubwolke des Wagens nur noch weinend hinterher schaun konnte. Trotz aller Anstregung, zum Schluss haben wir wieder ne gute Zeit hingelegt, 4 1/2 Stunden. Dank Sonne und Co waren wir so durch, so geplättet das wir im Zimmer lagen und über blöde Feststellungen wie: "Ist eigtl schon mal jemandem aufgefallen dass das Kolpapier hier nach Rosen riecht"? Bauchweh vom vielen lachen bekommen haben. Das Cloud Forrest Hostel war recht spartanisch, aber günstig und mit komfortablen Betten. Und zu unsrem gefräsigem Glück gabs Eis & Chips im Überfluss zu kaufen:)
Der letzte Tag wurde von Anfang an als der schwerste der drei Tage angekündigt. Und tatsächlich ging es nur die erste Stunde bergab. Die Lanschaft hatte sich inzwischen wieder total verändert. Der Weg führte nun durch Canyonartige Felsfornationen. Leider hatte auch das Wetter keine Gnade! Die Sonne hat erbarmungslos auf uns runtergeknallt und wir haben gefühlt einmal unser Körpergewicht ausgeschwitzt. Sexxxyyyyy! Zum Ende hin waren wir so fertig das wir nicht mal mehr die Landschaft oder die Aussichten grossartig bewundern konnten! Erst als wir ENDLICH am Quilotoa Krater angekommen waren und die Siegesendorphine ausgeschüttet wurden konnten wir wieder lachen! Diese Aussicht hat alle Stunden von davor wett gemacht!!! Es ist der Wahnisnn wie blau, türkis, grün und gelb dieser Kratersee leuchtet! Im ersten Moment kann man wirklich nichts andres tun als mit offenem Mund rumzustehn und zu gaffen! Nachdem wir dann genügend gestaunt und fotografiert hatten sind wir noch oberhalb des Kraters zum Ausgagspunkt gewandert. Die letzte Dreiviertel Stunde oberum zu wandern zwar etwas aspruchsvoller, aber mit dem Kratersee zur linken und der Aussicht auf die umliegenden Täler und Berge zur rechten war dies definitiv die bessere Wahl!
Am Ausgangspunkt angekommen gabs dann auch erst mal das Siegerbier. Und natürlich: Eine grosse Tüte Chips die gemeinschaftlich geteilt wurde. Alles danach war dann ein Kinderspiel. Mit dem Taxi zur nächsten Kleinstadt und von da mit dem Public Bus wieder nach Latacunga.
Hier haben wir dann direkt am nächsten Abend unsere Weiterreise nach Banõs geplant. Beth hat sich entschieden noch mit uns zu kommen, Lyndal war leider schon dort. Von ihr mussten wir uns dann leider am nächsten Tag verabschieden.