Woche 1: TXL-AMM
Nach einem traumhaften Abschied in Berlin mit den besten Freunden, konnte die Reise mit insgesamt knapp 60 kg Gepäck schließlich beginnen. Ohne Retourticket ging die Reise über...

Veröffentlicht: 31.08.2018
Während in Deutschland bereits der erste Schnee fällt (auf der Zugspitze) und Berliner Freunde über den einhaltenden Winter klagen (zugegeben bei 17 Grad etwas überzogen), suche ich permanent Schatten und ein kühles Lüftchen. Die heiße Witterung wird wohl noch bis Mitte Oktober anhalten.
Nicht nur das Wetter trägt nach nun 3 Wochen zu einer nach wie vor positiven Bilanz bei, sondern auch die neuen Bekanntschaften, die kleinen Erfolgserlebnisse im Verbessern und Anwenden der Sprache, das Vorantreiben meines Sport-/Movement-Projektes „Movision Amman“ und nicht zuletzt das frische Obst und Gemüse zu fairen Preisen.
Letzteres, die Ernährung, muss ohne Vollkornbrot auskommen. Bild 1 zeigt, wie mein typisches Frühstück aussieht. Das weiße ist „Labaneh“, eine Art dicker Joghurt, der ausgesprochen schmackhaft ist. Der arabische Kaffee (Kaffee Saada) beinhaltet neben Kaffeebohnen einen Haufen Cardamom – nicht mein Fall, deswegen kaufe und trinke ich ihn pur. Bild 2 zeigt jemenitisches Essen, welches ich hier sehr liebgewonnen habe.
Bild 3 und Video 2: Vor Kurzem wanderten ein paar Freunde und ich einen „Wadi“ hoch. Diese führen zumeist Wasser, welches von Bergen Richtung Totes Meer fließt. Ein oasenartiger, lebendiger, ja surrealer Ort tut sich einem inmitten einer heißen, lebensfeindlichen Landschaft auf. Leider werden Orte dieser Art beständig zugemüllt – vorrangig von Einheimischen.
Einen Tag später nahm ich an einer Initiative „Eco-Hikers“ teil: Mit ca. 50 Mitstreitern wanderten wir in einem anderen (traumhaften!) Wadi und sammelten den Müll ein. Am Ende reichte ein Müllabfuhr-Auto fast nicht aus, um die vollen Säcke mitzuführen. Bilder 4-8
Das Treiben in der Innenstadt, welche ich in 5 Minuten zu Fuß erreiche, ist bunt. Im Suq (Video 1) preisen die Händler ihre Waren Kraft Ihrer Stimme an. Hier ist so gut wie alles für den täglichen Bedarf zu finden.
Bild 9 zeigt momentan gut die Hälfte meines Tages. Hier arbeite ich mich durch einen Roman eines berühmten palästinensischen Schriftstellers.
Bücher dieser Art perpetuieren, wie ich zuletzt in Madaba (Stadt nähe Amman) feststellte, einen identitären Diskurs über Israel und jüdische Mitmenschen generell. Hier reiht sich eine Verschwörungstheorie and die nächste, vermischt mit hochproblematischen Rassentheorien und Rechtfertigung von Hitlers Treiben. Natürlich lege ich in diesen Gesprächen deutlich die Sicht meiner Dinge dar. Mit der Zeit ist die dieser unaufhörliche Diskurs indes ermüdend.
Die Fronten werden, so ist mein Eindruck, nachhaltig kultiviert; sei es durch Literatur, oder durch generationelle Weitergabe. So antwortete meine Sitznachbar im Bus, als wir ins Gespräch kamen auf meine Frage, woher er komme mit „Palästina, Jaffa“ (Stadt in Israel). Ich hakte nach und fragte, ob er da auch geboren sei. Nein, in Amman, er war niemals in Jaffa, aber dennoch würde er von dort kommen. Dieses Thema der Identität und in diesem Zug das Aufrechterhalten eines Verständnisses der arabischen Opferrolle füllt in der Tat Bücher und ich könnte mit weiteren interessanten Erfahrungen fortfahren, das sprengt aber den Zweck dieses Blogs!
Um mit etwas Heiterem zu schließen, Video 3 ist ein Quiz. Was ist wohl der Zweck dieses musikalischen Autos, welches durch die Straßen Ammans fährt?
Die 3 Videos sind hier zu finden:
Video 1 https://www.youtube.com/watch?v=LGY3CMOhteg
Video 2 https://www.youtube.com/watch?v=LARX0c5ALEM
Video 3 https://www.youtube.com/watch?v=ANzre5tcXBk