immiontour
immiontour
vakantio.de/immiontour

Zurück in Chile...

Veröffentlicht: 30.01.2019

Die letzte Station in diesem Jahr heißt Valparaiso. Ich bin hier, weil mir eine Chilenien auf einem Bootstrip im Golf von Aqaba ans Herz gelegt hat, hier Silvester zu feiern. Es sei die größte Party des Landes. Nun gut, das reicht um mich zu überzeugen.

Die Stadt, die ausschließlich durch ihre Funktion als Hafen für die 1,5 Stunden entfernte Hauptstadt und Zentrum des Landes – wir erinnern uns, Santiago beherbergt in etwa die Hälfte der Bevölkerung – entstanden war, erlebte ein enormes Wachstum und Reichtum. Das änderte sich vor 20 Jahren, als der Panamakanal Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet wurde und die Schiffe, die vorher den südlichen Kontinent umrundeten, nun die bequeme Abkürzung nutzen konnten. Zudem haben sich die Export-/Importaktivitäten auf südlichere Häfen in Chile konzentriert, so dass Valparaiso als Standort in ökonomischer Hinsicht weniger Wert zukommt. Es bleibt aber die kulturelle Hauptstadt, der Sitz des chilenischen Kongresses und das Hauptquartier der Marine.

Die Stadt liegt auf unterschiedlichen Hügeln, die nicht einfach zu erklimmen sind. Dies führte dazu, dass schon vor über 100 Jahren Aufzüge installiert wurden, um das Leben zu erleichtern. Auf den unterschiedlichen Hügeln lebt man, je nach sozialem Niveau auf einem anderen, unten an der Küste und im ehemaligen Finanzdistrikt arbeitet man.

Die Gassen auf den Hügeln sind häufig sehr schmal und schwer, d.h. ohne Auto, zugänglich, was auch heute noch das Leben dort auf die Probe stellt. Beispiele des Stadtführers sind der tägliche Lebensmitteleinkauf, insbesondere für ältere Menschen, ein Umzug mit sperrigen Gegenständen oder die Möglichkeit bei einem medizinischen Notfall schnell an die benötigte Stelle zu kommen. Wie in Santiago herrscht hier auch die Gefahr von Erdbeben (das letzte große war 2010) und durch die noch heute bestehenden Holzhäuser ist und bleibt der größte Feind der Stadt das Feuer.

Das Erscheinungsbild auf den Hügeln ist heute hauptsächlich durch viele Farben geprägt. An allen Ecken gibt es street art. Teilweise offiziell und kommerziell genutzt, z.B. von Restaurants und Bars, an anderer Stelle mit starkem Inhalt als reine Kunst. So oder so, die Stimmung hebt sich dadurch deutlich und das Auge hat ständig etwas zu entdecken.

Beim Feuerwerk hat meine Bekannte nicht untertrieben. Es kann wirklich mit dem ganz großen in Sydney mithalten. Die Küste ist viele Kilometer lang und geht in die Nachbarstadt Vina del Mar über. Daher gab es das im Meer gezündete Feuerwerk gleich an 5-6 unterschiedlichen Stellen, damit es auch jeder sehen kann.

Es wird von vielen Ohhhs und Ahhhs der Zuschauer begleitet, wobei die Begeisterung um vieles größer ist, als es in Deutschland der Fall wäre. Großen Anklang finden Konfettikanonen oder Kunstschnee aus der Dose. Ich nehme an, dass alle unter ihren Kleidern gelbe Unterwäsche tragen, die schon seit Tagen auf der Straße verkauft wird. Vermutlich ist es der gleiche Brauch, den es in Italien mit der roten Unterwäsche gibt. Es soll Glück fürs Liebensleben bringen.

Die anschließende Party auf dem zentralen Platz der Stadt mit Bühne und lauter Musik wird von allen Altersstufen begangen und ist sehr harmonisch. Ich komme schnell mit anderen in Kontakt, es wird auch ohne Textkenntnis der Lieder ordentlich gesungen und getanzt. Ich hatte gelesen, dass es im Vorfeld Diskussionen gegeben habe, ob die offizielle Party bis 3 oder 7 Uhr morgens gehen darf. Um 3 Uhr war aber dann doch Schluß, zumindest mit dem Teil an der zentralen Plaza. An anderer Stelle in den Straßen ging es weiter.

Meine Zeit in Valparaiso habe ich zudem mit gemeinsamen Yoga mit meiner Vermieterung Emelina und einem Ausflug nach Tuquen, einen kleinen Fischerort an dem bis vor 50 Jahren Wale gefangen und zu Tran verarbeitet wurden, verbracht.

Dann geht es weiter nach Pucon. Die „Skyline“ der Kleinstadt wird ausschließlich von dem aus dem Bilderbuch entsprungenem schneebedeckten Vulkan bestimmt. Eigentlich gehört es auf jede to do-Liste der Rucksacktouristen dieses Biest zu besteigen. Aufgrund von hohen Kosten und in meinen Augen einem wenig abwechslungsreichen Wanderweg (der Weg ist das Ziel) habe ich mich lieber für den Besuch eines Nationalparks entschieden. Am Ende war der Aufstieg auf den Gipfel des San Sebastians ähnlich anstrengend und der Ausblick auf sieben weitere weißgezuckerte Gipfel, sowie die Erfrischung mit einer handvoll liegengebliebenden Schnees in luftiger Höhe, die verdiente Belohnung für die Strapazen. 

Ansonsten ist Pucon ein touristisches aber nettes Städtchen mit vielen Läden, einladenden Cafes und Restaurants. Hier habe ich es mir mit anderen Reisenden, u.a. einer netten Französin, mit der ich die physische und mentale Anstrengung der Wanderung gemeinsam durchlebt habe, gut gehen lassen.

Antworten