Wer braucht schon Pläne?!
„...dass es etwas ungemütlich werden könnte!“Diesen Halbsatz wollen wir noch mal aufgreifen, um leichter in den folgenden Tag (Mittwoch) einzusteigen!Denn bereits vorm Frühstück...


Veröffentlicht: 15.06.2018












Nein, wir haben keinen Tag vergessen! Es ist nur einfach nicht allzu viel passiert, sodass wir uns erlauben, zwei Tage zusammenzufassen.
Eine alte Kirche, deren Bänke zugunsten der Bücherregale von Leaky‘s Bookstore rausgeflogen sind. Bücher über Bücher, wohin man schaut.
Schon mehrfach gelesen und nun für den nächsten Leser in deckenhohe Regale geschoben, davor gestapelt und in Kisten zum Einsortieren bereitstehend. Und in der Mitte hockt neben einem Holzofen stilecht der Antiquar. Erinnerte zumindest mich an die Bibliothek in Venedig aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“!
Kurz nach dem Verlassen von Inverness fährt man durch grünes, hügeliges Land, vergleichbar mit dem Auenland aus Herr der Ringe...oder dem Sauerland vor vielleicht 200 Jahren!
Einige Straßenwindungen und Hügelkuppen später, öffnet sich das Land dann in eine zerklüftete Hochebene, die mit bräunlichem Heidekraut überwuchert und von steinigen Bachläufen unterbrochen ist. Knallgelb blüht üppig der Ginster („taubtrüber Hain an Musenginst, trübttauber Ginst an Musenhain, Krawehl, Krawehl!“), kleine Ruinen und weiß gekälkte Steinhütten sind Blickfänge im kargen Umland.
In Szene gesetzt wird das Ganze durch die Sonnenstrahlen, die gebündelt wie Scheinwerfer immer wieder durch das Grau der Wolken scheinen. 500 Meter grau in grau inklusive Regen, gefolgt von strahlendem Sonnenschein auf den nächsten 100 Metern. Um es mit unserem geliebten Goethe zu sagen: „Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“ (Schmalzig können wir wirklich gut...).
Wer also tatsächlich mal „raus“ will, ist hier absolut richtig. Pünktlich zu unserer Ankunft ließ sich auch die Sonne blicken, sodass wir in aller Ruhe den noch vom Abbau nassen Palast herrichten konnten.
Zu unserer Erleichterung stellen wir fest, dass sich die geringen Temperaturen nicht zu kalt anfühlen. Auf der Fahrt hierher sind doch starke Zweifel aufgekommen, ob die Idee, den Sommerurlaub in diesen Breitengraden zu verbringen, eine Sinnvolle sei. Innerhalb von wenigen Meilen ist das Thermometer von 17 Grad auf 10 Grad gefallen, um dann nach ein paar Hügeln wieder minimal anzusteigen. Wie die Temperatur ist auch unsere Meinung hin und hergesprungen, an dem Plan festzuhalten, oder uns mal wieder neu zu orientieren (können wir ja jetzt). Bei einem Glas 18 Jahre alter Bowmore, der schnarchenden Ida im warmen Schlafsack und den vorangegangenen Sonnenstunden in der Erinnerung, sind wir aber guter Dinge, mit „The North“ die richtige Entscheidung getroffen zu haben.