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Kashan und Matinabad

Veröffentlicht: 11.09.2018

**Das Ende dieses Trips und den ersten Tag in Isfahan gibt es nur auf Nachfrage per Mail geschickt. Nicht alles muss stetig online und öffentlich zugänglich sein**


Das erste außerstädtische Abenteuer stand vor der Türe. Nach langem Schmökern des Reiseführers entschieden wir, dass wir gerne in die Wüste würden. Da der Bus in das Zweistunden entfernte Kashan alle halbe Stunde fährt, machten wir uns auf zum Busbahnhof. Uns rannte bereits ein Junge entgegen der hektisch ¨Kashaaaaan¨ rief und uns in einen Bus setzte.

In Kashan angekommen wurden wir vom Busfahrer 500 Meter weiter gefahren als der Rest der Gruppe. Nach einer unauffälligen aber von mir erspähten Geldübergabe mit einem Taxifahrer fanden wir uns schnell in einem Auto zum Hostel. Mit ins Auto sprang nach ein paar Metern ein junger Typ, der die ersten 5 Minuten der Fahrt ganz still neben dem Fahrer saß. Unsere touristischen Gesichter gaben dem Fahrer Hoffnung auf den Verkauf einer Wüstentour. Nachdem wir auf seine Angebote nicht wirklich reagierten schaltete sich nun der junge Beifahrer ein. In super Englisch begann er ein Gespräch mit uns. Netter Smalltalk, der darin mündete, dass er sich als Tourguide für Stadttouren in Kashan vorstellte. Sympathischer als sein Wüstentour-Onkel war er aber allemal, sodass wir uns seine Nummer geben ließen. Irgendwie schaffte es auch der Onkel mir meine Nummer abzuluchsen, auf der er in den folgenden zwei Tagen regelmäßig anrief um zu fragen, ob wir nicht doch noch eine Tour buchen wollten oder einen Fahrer brauchten.

Im Hostel wartete der junge Mann Hussein auf uns, der das Hostel führt. Das liebevoll dekorierte Hostel war sein Baby und wir unterhielten uns zum ersten und nicht letzten Mal. Wie man es denn so unter jungen Menschen macht, fragten wir uns gegenseitig nach dem Alter. Hussein war gerade einmal 20 Jahre alt und schon der Mieter eines Hostels, in dem einfach alles stimmte.

Abends gingen wir bei Freunden von Hussein vegetarisch essen und lernten iranisches Essen kennen. Yummi!

Am folgenden Morgen trafen wir uns mit dem Guide, der sich am Vortag in unser Taxi gesneakt hatte. Muhammed führte uns für drei Stunden durch das kleine Kashan. Wir besuchten die Moschee, ein altes Bad und einen Palast bevor wir in ein befreundetes Hotel gingen um einen Tee zu trinken. Er machte seine Sache ganz gut. Besonders informativ fand ich es nicht aber es war nett, zu manchen Orten ein wenig Hintergrund zu erfahren. Noch netter waren allerdings die persönlicheren Gespräche über das Leben in Kashan und seine Zukunftspläne, die er in Deutschland und Belgien sieht. Für eine Stunde saßen wir nach der Wanderung noch zusammen und spielten einfach nur Karten miteinander. Mein Highlight der Tour, das eigentlich nur daraus entstand, dass wir Freitags unterwegs waren und alle anderen Orte geschlossen waren.

Gen Nachmittag kamen wir wieder im Hostel an, wo wir feststellten, dass wir unser Dorm ab sofort teilen mussten. Verdammt.

Für den nächsten Morgen organisierte uns Hussein einen Fahrer, der uns zum Sonnenaufgang in die Wüste bringen sollte. Nach einem dicken fetten Burger im Restaurant und einem Mango-Smoothie wollten wir deshalb schon relativ früh ins Bett gehen. Das klappte nicht so ganz. Wir verquatschten uns mit Hussein und es war zu interessant, um direkt ins Bett zu gehen. Wir waren völlig beeindruckt, wie smart und nett man mit nur 20 Jahren sein kann und fragten ihn sogleich, ob er nicht ein bisschen mit uns reisen gehen wolle. Ich glaube, er hätte wirklich Lust, aber als Alleinbetreiber eines Hostels ist das wohl nicht drin. Schade! Wir hätten ihn gerne adoptiert.

Um 5 Uhr klingelte der Wecker, wir schnappten uns das Überlebenskit bestehend aus Wasser und Sonnencreme und trafen unseren Taxifahrer und Guide Abbas. Der rüstige Opa, der anders als der zahnlose Mund vermuten ließ nur 50 Jahre auf dem Buckel hatte, begrüßte uns mit Keksen und Tee. Nach etwa 80 Minuten kamen wir beim großen ausgetrockneten Salzsee der Wüste an, über dem sich kurz später die Sonne erhob. Es war so still und super schön. Natürlich probierten wir den weißen Belag des Sees erst einmal. War wirklich Salz. Abbas erzählte, dass es relativ häufig regnen würde, der See also nicht dauerhaft trocken sei. Regen in der Wüste?

Vom Salzsee liefen wir ein Stück weiter zu den großen Sanddünen, wo wir erst einmal feststellten, dass nur in drei Metern Tiefe das Grundwasser war, das für die Trinkversorgung der Kamele hochgepumpt werden konnte. Regen und so viel Grundwasser in einer Wüste? Verrückter Ort. Abbas erzählte sogar, dass im Winter hier Schnee liegen würde.

Keuchend wanderten wir hinauf auf eine Düne und genossen den stillen und menschenleeren Morgen. Abbas fand genau das richtige Maß, Zeit bei uns zu sitzen, uns aber auch manchmal alleine zu lassen. Es war total nett und interessant auch mal jemanden zu hören, der es ablehnt, dass Kinder sich ihre EhepartnerInnen seit neustem selbst aussuchen könnten. Die Ehen zu seiner Zeit wären viel stabiler arrangiert worden. Heutzutage würden Ehen zu schnell scheitern. Eine seltsame Meinung aber irgendwie im Kontext dieses Mannes...okay? Witzig? Nett?

Auf dem Rückweg aus der Wüste platzte uns dann ein Reifen. Wir machten schon Witzchen darüber, dass wir nun wohl in der Wüste bleiben müssten. Doch dank der Hilfe eines Salz-LKWs und dem auf einem Motorrad heraneilenden Sohn, konnte das Problem schnell gelöst werden.

Dankenswerterweise bereitete uns in der Hotelbesitzer Hussein zuhause angekommen noch ein fantastisches Frühstück vor, bei dem er uns Gesellschaft leistete. Wir versuchten noch einmal ihn zu überzeugen, mit uns zu reisen aber es blieb ohne Erfolg. Am gleichen Tag ging es bereits weiter. Wir hatten uns nach einigen Diskussionen und Pro-Contra-Gesprächen mit Hussein dazu entschlossen auf die Ökofarm Matinabad zu fahren und hier eine Nacht zu verbringen. Die Farm sollte in der Wüste liegen und alles an Obst und Gemüse selber produzieren.

Dn Abschiedstränchen nicht sehr unweit verabschiedeten wir uns von unserem neuen Freund Hussein, der etwas überrumpelt von unseren Umarmungen schien und stiegen wieder zu Abbas ins Auto, der uns nach Matinabad bringen sollte.


Matinabad

Die Stimmung zwischen Abbas und uns war etwas angespannt. Er wollte uns ursprünglich für 1 Million Rial zum Hof bringen, das Hotel sagte uns per Mail, dass es höchstens 500.000 Rial kosten dürfe, sodass wir ihm diesen Preis anboten. In Matinabads Residenz (anders kann man den ¨Biobauernhof¨ kaum nennen) beschwerte er sich direkt bei den Hotelführern darüber, dass sie Touristen den Preis für die Locals kommunizieren würden. Damit verlor er bei mir den ein oder anderen Sympathiepunkt und ich gab mein bestes darin, so pissig wie möglich zu gucken, damit er schnell wieder fuhr.

In Matinabad hatten wir ein schönes Doppelzimmer mit eigenem Bad, das wir erst einmal ausgiebig nutzten. Danach gingen wir auf Erkundungstour...und fanden neben ein paar trockenen Feldern nur wenig. Es gab ein Kamelgehege und eine Straußenfarm. Insgesamt war alles jedoch ziemlich ausgestorben. Hier und da mal ein Mensch aber wir kamen uns etwas einsam vor.

Der Tag zog ins Lande. Nach einem Abendessen im Kantinenähnlichen Restaurant mit einer chinesischen Reisegruppe legten wir uns in den Sand und genossen den Sternenhimmel. Die Stimmung wurde nur von ein paar aggressiven Sandflöhen getrübt, die meine Füße trotz Insektensprays aßen.

So richtig zufrieden waren wir noch nicht mit unserer Bauernhoferfahrung. Am folgenden Morgen wagten wir daher einen neuen Versuch und planten, mit den Arbeitern der Farm zu sprechen, was sie da so anbauten, ob und wie was wachse usw. Wir standen für unsere touristischen Verhältnisse extra früh auf und waren um 10 Uhr unterwegs. Zu diesem Zeitpunkt war leider aber schon alle Arbeit getan (oder noch nicht angefangen), wir trafen niemanden außer der chilligen Kamele und der aggressiven Strauße.

Matinabad war nett. Aber nicht mehr. Und nicht sehr öko. Zumindest haben wir nichts davon erfahren können.

Also packten wir unsere sieben Sachen und fragten den Barkeeper, wie wir von Matinabad nach Isfahan mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen könnten. Mit Google Translate erklärte uns der bemühte Iraner, dass wir nach Natanz mit dem Taxi fahren sollten und dort ein Bus nach Isfahan ginge. Klang gut. Wir bestellten uns ein Taxi und ließen uns in den kleinen Ort Natanz fahren. Und hier begann ein langer und unangenehmer Tag…


**Wir durften in den nächsten 24h kennenlernen, dass im Iran nicht alles nur Zuckerschlecken ist. Wir wurden belästigt und es wurden uns Dinge erzählt, die uns die verletzliche Posiition von reisenden Frauen und die Macht von Männern in Iran aufzeigten. Ich teile diese Geschichten gerne, aber nicht in diesem Blog. Schreibt mir, wenn ich es euch die Fortsetzung zuschicken soll**

Antworten (1)

Eva-Maria
Liebe Steffi, würde mich sehr interessieren, welche nicht so schönen Erfahrungen ihr gemacht habt. Hoffe, es geht euch trotzdem gut. Passt bitte weiterhin auf euch auf!