Tag 2 Casablanca – Rabat - Fès
Klassische Moschee, futuristische Gebäude und marokkanische Transporter

Veröffentlicht: 13.06.2026




















29. März 2026
Highlights des Tages:
Nach dem Frühstück, welches uns Bushra auf der Dachterrasse serviert, erkunden wir die Medina von Fès. Anfangs war ich etwas unsicher, ob wir uns auch zurechtfinden werden (man hört und liest ja alles Mögliche…), aber dank Marjories Stadtplan, den sie uns erklärte und wir uns dann abfotografieren konnten, wagen wir uns in die Altstadt. Google Maps funktioniert „so lala“ – man sollte eine grobe Ahnung haben, wo man hin möchte.
Unser erstes Ziel ist die alte Koranschule Madrasa Bou Inania, die wir tatsächlich auf Anhieb finden. Die Madrasa Bou Inania in Fès zählt zu den schönsten Koranschulen Marokkos. Sie wurde im 14. Jahrhundert unter Sultan Abu Inan Faris erbaut und beeindruckt mit kunstvollen Mosaiken, filigranen Holzschnitzereien und reich verziertem Stuck. Anders als viele andere historische Koranschulen diente sie zugleich als Lehranstalt und Moschee. Allerdings mag ich mir nicht vorstellen, wie die dort in den kleinen Zimmern mal gewohnt haben.
In der Medina ist noch nicht viel los. Die Verkäufer sind auch erfreulich unaufdringlich. Da bin ich sehr dankbar für, denn ich gebe zu, davor hatte ich etwas Angst. In den Metzgerläden hängen und liegen teils ganze Tiere in der Auslage, frisch geschlachtet und zerlegt. Im hinteren Teil der kleinen Läden sitzen die armen Hühnchen & Co in winzigen Käfigen und warten auf ihr Ende. Mir dreht es den Magen um – schrecklich. Auch mit den Schafsköpfen und Tierfüßen stehe ich auf Kriegsfuß – als Vegetarier kaum zu ertragen. Schnell weg hier.
Die Obst- und Gemüsestände sind allerdings echt verlockend. Leider soll man hier als Tourist extrem aufpassen und kein Obst/Gemüse mit Schale konsumieren. Könnte Magen-Darm-Probleme verursachen. Also: nur anschauen.
Was hier ganz krass ist, sind die vielen Katzen! Noch nie habe ich sooo viele Katzen gesehen. Von Katze mit Katzenbabies, die wenige Tage alt sind bis zu blinden, alten Katzen, die sich kaum noch bewegen können. Der einzige Lichtblick: die Katzen werden überall gefüttert, den trächtigen Katzen werden kleine Kartons hingestellt, wo sie ihre Katzenbabies versorgen können. Trotzdem….sooooo viele Kätzchen.
Wir laufen aus der Medina raus zum Stadttor Bab Chems. Hier werden wir von einem riesigen Polizeiaufgebot und hunderten Menschen in Lauftrikots und Shirts überrascht. Auf dem großen Platz vor dem Tor ist der Zieleinlauf des 10km langen Tor zu Tor Laufs in Fès. Viele Läufer sind schon im Ziel angekommen und haben Medaillen um den Hals. Auf dem Platz ist eine Bühne mit Musik und Moderation, große Party hier!
Wir laufen um den Platz herum und weiter zum Bab Boujloud, dem blauen Tor, wieder rein in die Medina. Wir machen einen kurzen Abstecher zum Palais Mnebhi , den wir durch Zufall entdecken. Ganz nett, aber es bliebt beim einem kurzen Blick hinein.
Über den Souk geht es weiter zum Nejjarine Museum, was wir uns anschauen. Auf dem Weg dorthin wird es im Souk ziemlich eng, denn ab jetzt sind auch die Reisegruppen unterwegs und die kommen bekanntlich mit durchschnittlich 40 Personen unterwegs. Das Nejjarine-Museum ist in einem restaurierten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebracht und diente früher als Herberge und Lagerhaus für reisende Händler, heute zeigt es die traditionsreiche Kunst der marokkanischen Holzverarbeitung. Besonders beeindruckend sind der reich verzierte Innenhof mit seinen Zellij-Mosaiken, die kunstvollen Holzschnitzereien und die historische Architektur. Von der Dachterrasse bietet sich zudem ein wunderschöner Blick über die Altstadt von Fès. Das gefällt uns mit am Besten. Wir gönnen uns ein Getränk oben unter eine Sonnenschirm und erkennen in der Ferne unser Riad am Rand der Medina. Schon cool hier.
Wir kämpfen uns zurück durch die Reisegruppen in Richtung Gerberei. Die vielen Tierfelle und Ledergeschäfte zeigen, dass wir uns der kleineren Gerberei Tanneries de Fes nähern. Durch eines der Ledegeschäfte geht es oben aufs Dach, von wo aus man einen Blick auf die Gerberei hat. In den farbigen Steinbecken werden Tierhäute noch heute nach traditionellen Methoden gegerbt und gefärbt. Zum Glück gibt es keine Geruchsfotos. Es stinkt wirklich sehr eklig. Gegen den Gestank bekommen wir frische Minze in die Hand gedrückt, die wir uns vor die Nase halten sollen. Nachdem wir genug gesehen haben, möchte man uns natürlich zum Kauf von Lederprodukten im Laden überreden, aber nach mehreren „No thanks“ wird akzeptiert, dass wir keine Handtasche und Lederschlappen kaufen wollen.
Zurück in den engen Gassen suchen wir den Weg zur nächsten Koranschule Cherratine Medersa. Sie wurde im 17. Jahrhundert während der Saadier-Dynastie erbaut und diente als Unterkunft und Ausbildungsstätte für Koranschüler. Sie zählt zu den größten Medersen der Stadt und ist im Vergleich zur Koranschule heute Morgen ist sie weniger überlaufen und eher schlichte, verfügt aber ebenfalls über kunstvolle Holzarbeiten, Stuckverzierungen und einen ruhigen Innenhof. Die kleinen Kerkerzimmer sind allerdings gewöhnungsbedürftig.
Wir laufen auf den Platz Rcif, etwas außerhalb der Medina, wo wir das gleichnamige Stadttor Bab Rcif suchen. Wir suchen den Platz ab, in der Sonne ist es knackig warm, ein Tot finden wir nicht. Wir laufen parallel durch einen einheimischen Souk zurück in die Medina. Später lesen wir im Internet, dass es das Stadttor nicht mehr gibt. Es wurde scheinbar „abgetragen“ um Platz für Parkplätze zu schaffen. Es bleibt nur das Bild aus dem Internet. Schade.
Weiter geht es zur Chouara-Gerberei / Tannerie Chouara, der größten Gerberei in Fès. In den Gassen kommt uns schon ein Mann mit Esel entgegen, der gerade Häute bei der Gerberei abgeladen hat. Erneut geht es durch einen Shop aufs Dach, wieder mit Minze in der Hand. Es stinkt, aber der Ausblick ist schon cool.
Hier ist deutlich mehr los als bei der kleineren Gerberei. Der Geruch ist allerdings genauso schlimm.
Wir sehen mehrere Lastenesel, die durch die enge Gasse über Stufen nach unten Richtung Gerberei getrieben werden. Sie sind mit Häuten voll beladen, die kurz vor der Gerberei abgeladen werden, danach dürfen die Esel etwas Wasser trinken, bevor es zur nächsten Fuhre Tierhäute geht.
Der letzte Punkt auf unserer to do Liste ist die Medersa Attarine. Sie wurde im Jahr 1325 erbaut und diente als Koranschule für Studenten der nahegelegenen Qarawiyyin-Moschee. Auch hier finden wir filigranen Stuckarbeiten, Mosaike und fein geschnitzten Zedernholzdekorationen. Sie ist deutlich kleiner als die anderen Koranschulen, aber vom oberen Stock aus hat man einen tollen Blick über die grünen Fliesendächer der umliegenden Gebäude und der Universität.
So langsam spüren wir unsere Füße und gönnen uns auf der Dachterrasse des Chemmaine Cafés einen Latte Macchiato und genießen die Aussicht.
Der Rückweg zu unserem Riad zieht sich dann. Wir schauen kurz am Bab Guissa Parkplatz vorbei, unser Auto steht noch dort, dann laufen wir zurück zum Riad. Wir haben für heute Abend wieder Abendessen im Riad bestellt (20 € vegetarisch pro Person / 25€ mit Fleisch pro Person). Bushra zaubert auch heute wieder ein leckeres Abendessen für uns und mit traditionellem Minztee auf der Terrasse lassen wir den Abend ausklingen. Begleitet wird das Ganze vom Ruf der Muezine quer durch die Medina. Klingt wie ein Formel1 Rennen, als die Minarette nacheinander mit ihren Meuzin-Gesängen beginnen.
Für die Statistik:
Gefahren: 0 km Gelaufen: 16.376 Schritte Wetter: 23 Grad, trocken & sonnig (abends/nachts 8 Grad) Unterkunft: Riad Inaya Fèz (Panoramazimmer, Ü/Fr)
