anne & ben um die welt
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Auf zum Mighty Sepik... In Serpentinen fließt er 1.126 Kilometer durch Sumpfland, tropischen Regenwald und Berge.


02/07/2019

Die um 8.15 Uhr geplante Abfahrt von Wewak hat sich auf 10.00 Uhr verzögert. Hier laufen die Uhren nicht so schnell und wir mussten uns in etwas Geduld üben. Mit einem Fahrer, Mechaniker, Security Mann, unserem Guide Cyril und uns beiden ging es im Allradfahrzeug los. Erster Stopp war ein Supermarkt in Wewak, wir kauften Wasser für die nächsten 6 Tage. Wir fuhren durch die Stadt, vorbei am Strand und der Thunfischfabrik. Hier werden also die vielen Thunfischdosen, die wir im Supermarkt gesehen haben, befüllt. Etwas außerhalb genossen wir einen letzten Blick auf die Stadt und dann ging es nur noch durch kleine Ortschaften durch und an Märkten vorbei. Ab und an machten wir hier einen Stopp, um Obst und Gemüse für unsere Tour zu kaufen. Die Straße war mit vielen und teilweise sehr tiefen Löchern gesäumt. Trotz der rasanten Fahrweise und des Allradfahrzeuges haben wir für die 142 Kilometer nach Pagwi 3.5 Stunden gebraucht. Pagwi ist einer von zwei Orten, die noch mit dem Auto erreicht werden können, um dann nur noch per Boot auf dem Sepik reisen zu können. In der Kleinstadt, die aus ein paar Häusern, Tante-Emma-Lädchen und einer Tankstelle besteht, herrschte reges Treiben. Unser Fahrzeug für die nächsten Tage war ein typisches Kanu aber mit angebautem Motor, welches mit allen Utensilien, unserem Gepäck, zwei Stühlen, dem Security Mann, Cyril und uns beladen wurde. Die Sonne brannte und wir waren froh, als wir endlich den Fahrtwind spürten. Nach circa 2 Stunden Fahrt sind wir in Kanganamun angekommen. Wir wurden sehr freundlich empfangen und besuchten unser erstes Haus Tambaran. In den meisten Dörfern am Sepik befindet sich eines der Tambaran Häuser. Bezeichnet werden sie auch als Spirit oder Men's House, denn der Zutritt ist Frauen verboten. Die Touristinnen haben jedoch Glück. Die Häuser dienen den Männern des Dorfes als Aufenthaltsort, darin werden Verhandlungen geführt und Rituale abgehalten. Manche Häuser verfügen über 2 Etagen. Ausgestattet sind sie mit garamut drums, Trommeln um die Dorfbewohner zu rufen oder zu alarmieren, mit erhöhten Sitzbänken, dabei haben die verschiedenen Clans des Dorfes eine festgelegte Bank, mit unterschiedlichen Masken, Kultfiguren und einem Spiritstuhl. Die Männer im Haus waren alle sehr nett zu uns, haben alle unsere Fragen beantwortet und uns viel über die Traditionen und ihr Leben erzählt. Nach einer sehr beeindruckenden Zeit ging unsere Bootsfahrt weiter bis nach Kaminabit. Hier lebt Cyril zusammen mit seiner Frau Katy. Wir haben die nächsten zwei Nächte in ihrem Gästehaus verbracht.


03/07/2019

Nach einem Pancake Frühstück von Katy, haben wir uns mit unserem Kanu auf zum Ort Aibom gemacht. Das Dorf ist in der Region bekannt für seine Töpferkunst. Die Frauen töpfern Vasen, Krüge und Feuerschalen. Und das alles ohne technische Hilfsmittel, nur mit ihren Händen. Wir haben eine kurze Einführung bekommen. Die eigentliche Töpferstelle und der Brennofen befinden sich irgendwo versteckt im Berg. Nur Eingeweihte wissen wo. Dieses Handwerk und der besagte Ort ist den Männern verboten. Noch ein kurze Rundgang durch's Dorf und unsere Fahrt ging weiter auf den Chambri See. Der See ist riesig aber relativ flach. In der Trockenzeit ist der komplette See ausgetrocknet und es gibt nur noch eine Fahrrinne, um manche Orte zu erreichen. So auch Chambri. Wir hatten ausreichend Wasser und kamen bequem in Chambri an. Wir besuchten hier ein sehr sehenswertes, zweistöckiges Haus Tambaran. Die obere Etage war mit reichlich Schnitzkunst gefüllt. Wir schrieben uns in ein Gästebuch ein. Seit Juli 2018 sind nur etwa 100 Besucher hier gewesen. Bei einem Spaziergang durchs Dorf konnten wir die Bewohner bei typischen Arbeiten beobachten, Frauen beim Fischen, Männer bei der Herstellung und Wartung der traditionellen Kanus. An anderen Ecken lag die Wäsche und hing die Krokodilshaut zum Trocknen. Im kleinen Dorf leben nur ungefähr 100 Menschen. Erst 1953 ist der erste Missionar hergekommen und hat die Menschen unterstützt.


04/07/2019

Der Ort Kaminabit, in dem wir übernachteten, besteht aus drei Teilen die weit über den Fluss verteilt sind. Sie können zwar zu Fuß erreicht werden, man würde aber ziemlich lange laufen. So haben wir unser Kanu genommen, um in den Ortsteil zu kommen, in dem sich Bowies Art Centre befindet. Ein ganzes Haus voller Handwerksarbeiten. Gesichts- und Ganzkörpermasken, Krokodilschädel, Holzfiguren, Kopfschmuck und Halsketten. Der Besitzer Ronnie verkauft für kleines Geld, die beeindruckenden Werke aus den unterschiedlichen Regionen des Sepiks. Unsere Reise führte uns weiter Richtung Blackwater See. Den nächsten Stopp machten wir im circa 300 Einwohner großen Dorf Mameri. Die Kinder waren gerade in den Ferien, so hatten wir die Möglichkeit einen Blick in die Schule des Dorfes zu werfen. Wir verbrachten die Mittagszeit bei einer einheimischen Familie um den ältesten Benni. Wir probierten frisch aus dem Fluss gefangene Garnelen und fertig gebackene Sago-Pfannkuchen. Am Nachmittag besuchten wir das kleine Dorf Kabriman. Einige Krokodilkopfkanus lagen verlassen am Wasser. Die Bewohner waren neugierig und haben alle geschaut, wer zu Besuch kommt. Wir warfen einen Blick in ein kleines, dunkles Haus Tambaran und durchs Fenster in die leergefegte Schule. Das Dorf besaß eine Kirche, übriggeblieben sind jedoch nur noch zwei Totems. Wir machten uns wieder auf den Weg, um am späten Nachmittag im Ort Govermas anzukommen. Wir waren in diesem Jahr die ersten Besucher im Dorf und wurden wieder mal mit reichlich neugierigen Augen angeschaut. Hier schlugen wir unseren Schlafplatz für die nächsten zwei Nächte auf. 15 Minuten Fußweg durchs Dorf und wir kamen an einer Quelle an. Endlich die Möglichkeit ein erfrischendes Bad zu nehmen. Nach drei Tagen in der heißen Sepikregion wurde das auch Zeit. Wie in jedem anderen Ort am Sepik leben die Menschen hier ohne fließend Wasser und Strom. Ab und an wird der Generator angeschlossen, um die wenigen elektronischen Geräte aufzuladen. Wir konnten den Dorfältesten Dominik dazu überreden, den Generator anzuwerfen, um unserem Laptop Strom zu geben. Ein Filmabend für die Dorfbewohner, denn die Menschen hier haben in ihrem Leben noch nie bewegte Bilder gesehen. Das hatte sich schnell herum gesprochen. Beladene Boote und Menschen aus den hintersten Ecken des Ortes kamen an. Der „Freiluft-Kinosaal“ hatte sich schnell mit fast 150 Bewohnern gefüllt.


05/07/2019

Heute machten wir uns über den Govermas See auf zum kleinen Ort Aganani. Der Wasserweg dahin verändert sich immer wieder durch schwimmende Inseln und war etwas beschwerlich. Sechs freiwillige Dorfbewohner kamen mit uns, um das Kanu durch die grünen Inseln durch zu schieben und zu drücken. Wir hatten das Ufer des Ortes erreicht und mussten nun einige Höhenmeter überwinden. Wir waren in der bergigen Region angelangt und genossen eine tolle Aussicht von oben. Die gut 100 Dorfbewohner sehen nur wenige Besucher und nur eine handvoll von ihnen schafft es in ihrem Leben aus dem Ort heraus. Wir machten einen Spaziergang durch das Dorf. Eine Schar Kinder verfolgte uns überall hin und die Dorfbewohner grüßten uns alle ganz herzlich. Bereits am frühen Nachmittag waren wir wieder zurück im Ort Govermas. Begleitet von einigen Kindern zeigte uns die Tochter von Dominik den Dorfwasserfall. Die Kinder und wir nutzten die Frischwassergelegenheit für ein kühlendes Bad. Wir schlenderten durch das Dorf, vorbei an der Kirche und der Schule und konnten Jugendliche beim Fußball spielen beobachten.


06/07/2019

Am Vormittag verabschiedeten wir uns aus dem Ort Govermas. Unser nächster Stopp war das Dorf Kanigara. Schon von Weitem konnten wir die Kirche des Dorfes auf dem Berg entdecken. Unser Weg führte uns wieder einmal steil nach oben und durch einen langgezogenen Ort hindurch. Die katholische Kirche beherbergt eine schöne Mischung aus traditionellen regionstypischen und christlichen Elementen. In einem etwas moderneren Haus lebt ein Missionar und Kanigara besitzt das Gesundheitszentrum für die Region. Noch weitere 20 Minuten Fußweg und wir hatten das Haus Tambaran erreicht. Endlich, denn es war ein heißer Tag. Zur Erfrischung gab es eine Kokosnuss. Im Haus konnten wir wieder einmal ganz andere Masken und reich verzierte garamut drums entdecken. Am frühen Nachmittag ging es mit dem Boot zurück zum Guest House von Cyril nach Kaminabit.


07/07/2019

Unser letzter Tag im Sepik startete mit frischen Pfannkuchen von Cyril's Frau und dann machten wir uns auf nach Palambei. Wir kamen am Bootsanleger an und liefen 20 Minuten in den Ort hinein. Gleich zwei Tambaran Häuser konnten wir hier besuchen und noch ein letztes Mal großartige Holzarbeiten bestaunen und die Zeit mit den Dorfbewohnern genießen. Heute war Sonntag und in der Kirche wurde gerade ein Gottesdienst abgehalten. Wir guckten uns gerne das bunte Spektakel in der, mit singenden und tanzenden Menschen, voll besetzten Kirche eine Zeit lang an. Nun ging es mit dem Boot zurück nach Pagwi. Wir stiegen in ein Auto um und traten unsere heute 5-stündige Rückfahrt nach Wewak an. Der Weg dauerte etwas länger, da wir in einem Minibus fuhren, der doch etwas länger durch alle Schlaglöcher hindurch brauchte. Wir verbrachten noch eine letzte Nacht in der Katholischen Mission, bevor es morgen wieder zurück nach Port Moresby geht.


Das Leben hier findet wie vor mehreren Hundert Jahren statt. Es gibt nirgends fließend Wasser und keinen Strom. Die Menschen waschen sich im mehr oder weniger dreckigen Flusswasser. Das haben wir unterlassen, da im Sepik riesige Krokodile leben. Toiletten, besser gesagt Plumsklo's, gibt es nur wenige. Wir hatten täglich, trotz Insektenschutzmittel, mit hunderten Moskitos zu kämpfen und zu unserer Reisezeit waren, laut Aussage der Bewohner, nur wenige da. Der Sepik verändert sich regelmäßig durch die Regen- und Trockenzeit und manche Ortschaften liegen nun weit ab vom Fluss. Die Bewohner leben mit ganz wenig Geld, hauptsächlich noch vom Handel mit Waren wie Tabak, Sago und Longgras. Obst und Gemüse kann kaum angebaut werden, da die Ortschaften in der Regenzeit regelmäßig überflutet werden. Die hauptsächliche Nahrungsquelle sind Fische, Krokodilsfleisch und Sago. Die Frauen sind für den Fischfang, die Kindererziehung und den Haushalt verantwortlich, die Männer für die Krokodilsjagd und den Kanubau. Fast jeder hat ein Kanu, aber nur ganz wenige Kanus haben einen Motor. Wenn sich jemand einen Motor leisten kann, dann oft den Treibstoff dazu nicht, denn 2.5 Liter Benzin kosten ganze 5 Euro.

Während den Bootsfahrten auf dem Sepik beobachteten wir eine unheimlich artenreiche Vogelwelt. Und in den Orten trafen wir überall aufgeschlossene, herzliche Menschen mit unterschiedlichen Kulturen und konnten ganz verschiedenartige, sehr beeindruckende Arbeiten von Masken und Schmuckstücken entdecken. In manchen Orten waren die Menschen selbst mit Krokodilshaut geschmückt. Oft waren wir für die Dorfbewohner die Attraktion, alle standen bei unserer Ankunft und Abfahrt am Flussufer, beobachteten uns und die vielen Kinder der Dörfer folgten uns überall hin. Wir hatten eine spannende und aufregende Zeit im Sepik. Jedoch sind wir auch froh, wieder unter normalen Bedingungen weiterreisen zu können.


Kommentare

Günter
das sieht nicht jeder

Anne
Das stimmt. Manche Ecken werden nur von 30 Menschen im Jahr entdeckt.

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